Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson, Dana Bönisch, Elizabeth Jolley, Apollon Maykov

De Duitse dichter en schrijver Ralf Thenior werd geboren op 4 juni 1945 in Bad Kudowa. Zie ook alle tags voor Ralf Thenior op dit blog.

Uit: Das Gelächter der Sterne

“Wenn der Abend fällt, leeren sich die Strände; die Badegäste begeben sich in ihre Wohnungen, Zimmer und Appartements und bereiten sich auf das Nachtleben vor. Hochgewachsene Frauen mit tragischen Mienen schreiten in den Fußgängerzonen auf und ab, während aus den Lautsprechern leise Jacques Brels Ne me quitte pas erklingt, und durch die Fensterscheiben der Restaurants sieht man – wie in einem Aquarium – Menschen, die ihre Münder öffnen und schließen und mit kleinen silbernen Zangen Hummerscheren knacken.
Es war zweiundzwanzig Uhr siebenunddreißig. Claire und Albert tauchten in das Neongeflacker der Lange Straat ein.
– Wo ist meine Sonnenbrille?
Claire nahm ihre Brille ab und verstaute sie in ihrer Handtasche.
– Was siehst du ohne Brille?
– Die Leuchtreklamen an den Fassaden nur als undeutliche Lichtreflexe und die Gesichter der Passanten sind bis auf zwei Meter milchige Schemen, aber deine Nasenspitze sehe ich gestochen scharf.
Claire stupste mit der Faust seine Nase. Albert lachte.
Ohne sich anzufassen, aber auf Tuchfühlung, gingen sie schweigend weiter und überließen sich dem Rhythmus ihrer Schritte.
Sie konnten es beide kaum fassen; es war Donnerstagabend, schon Donnerstagabend, erst Donnerstagabend, und sie gingen zusammen durch die Lange Straat, mit vollen Augen und leerem Magen.
Claire ließ sich durch ein Neonschriftenspalier treiben, das für sie Ornamentbänder aus sich verwischenden, sich vermischenden farbigen Bogen und Linien bildete, die im Pulsschlag der Straße zuckten.
Albert konnte sich nicht losreißen von den Worten, die ihm von allen Seiten entgegenkamen; Wortkörper aus Glas, Plastik, Eisen, Messing, Blech, Holz und Farbe, Worte mit Pappnasen, die ihm zuzwinkerten, Worte mit ausgestopften Bäuchen, falschen Schnurrbärten, Buckeln, Rucksäcken, Perücken ausgeschlagenen Zähnen und blauen Augen
LUUNNAAPPAARRKK …
– Und dann diese riesige schwarze Wolke, die aussah wie ein Seeungeheuer.
– Wann war das? In Irland?
– In meinem Traum. Ariane hat ein Medium gekannt, das mit dem Geist von Jules Verne Kontakt aufgenommen hat.“

 
Ralf Thenior (Bad Kudowa, 4 juni 1945)

 

De Franse schrijfster Marie Ndiaye werd geboren op 4 juni 1967 in Pithiviers. Zie ook alle tags voor Marie Ndiaye op dit blog.

Uit: Ladivine (Vertaald door Jordan Stump)

« She was Malinka again the moment she got on the train, and she found it neither a pleasure nor a burden, having long since stopped noticing.
But it happened, she could tell, for no more could she answer without a second thought to “Clarisse” when, rarely, someone she knew took that same train and called to or greeted her as “Clarisse,” only to see her stare back in puzzled surprise, a hesitant smile on her lips, creating a mutual discomfort that the slightly flustered Clarisse never thought to dispel by simply echoing that “Hello,” that “How are you,” as offhandedly as she could.
It was this, her inability to answer to Clarisse, that told her she was Malinka the moment she got on the train to Bordeaux.
Had that been the name she was hailed by, she knew, she would immediately turn her head—­had someone spotted her face or recognized from afar her slender form, her always slightly unsteady walk, and called out: “Hey there, Malinka, hello.”Which couldn’t possibly happen—­but was she sure?
There was a time, now long gone, when, in another city, another part of France, girls and boys called her Malinka because they knew her by no other name, and she had yet to invent one.
It was not out of the question that a woman her age might one day accost her and ask in delighted surprise if she wasn’t that Malinka from her past, from that school and that city whose name and look she, Clarisse, had forgotten.
And a smile would come to Clarisse’s lips, not hesitant but bold and assured, and she would be neither puzzled nor surprised, though she would most certainly not recognize that woman who claimed to have known her when she was Malinka.”

 

Marie Ndiaye (Pithiviers, 4 juni 1967)

 

De Duitse schrijver Erasmus Schöfer werd geboren op 4 juni 1931 in Altlandsberg bij Berlijn. Zie ook alle tags voor Erasmus Schöfer op dit blog.

Uit: Unsichtbar lächelnd träumt er Befreiung

„Aber er hats gewusst, natürlich hat ers gewusst dass sie uns Reisholzer kaputt machen wolln, egal ob wir den besten Stahl in Deutschland schmieden, nur um aus Montan rauszukommen, kein Sterbenswort davon hat er uns wissen lassen, damit wir schön brav produzieren bis zur letzten Tonne und keinen Stunk machen und er, ihr werdets erleben, in der nächsten Regierung Arbeitsminister wird, egalb ob bei Schmidt oder Strauss, oder vielleicht wie der Leber Verteidigungsminister und die ganze IG Metall wird jubeln Einer von uns im Kabinett! Kein Wort mehr von Gegenmacht! Das ist die Konzertierte Aktion über die Hintertreppe meine Herrn, deshalb scheiß ich auf ihre Mitbestimmung, egal ob Montan oder nicht, mit der sie uns eingeseift haben, und ein ganzer stolzer betriebsrat, 14 Mann und eine Frau, nickts ab wenn ihm der Vorsitzende weggeschossen wird! Hab ich mir denn meine Bude renovieren lassen auf betriebskosten wie der Feckler von F&G? Hab ich unsre Ellie vernascht? Hab ich Lustreisen nach Brasilien gemacht mit Mannesmannknete wie der Loderer? Hab ich das? Wie?“
Anklam packte Willi mit beiden Fäusten an der Jacke, rüttelte ihn: Hab ich das? Oder was gibts noch im Angebot der Einkäufer? He Manni mach kein Scheiß jetzt. Frank und Jupp und ich haben gegen deine Entlassung gestimmt. Hans Wiedemann hielt ihm sein Glas unter die Nase dass er Willi loslassen musste: Weil du das Gegenteil von all dem gemacht hast, Herrgott weil du ihnen ihre Schweinerein versalzen hast, deshalb haben sie dich gefeuert! Das weißt dugenau. Und es gibt einen Haufen Kollegen bei uns die wissen das auch. Aber jetzt redst dun Haufen Schnapszeug und außerdem mussich —So! Schnapszeug nennst du das! Wenn ich mal die Wahrheit sag! Bist auch schon eingekauft wie? Mensch Manni siehst du noch klar? Das ist der Hans! Ja der Hans! Hans bist du mein Freund? Besorgst du mir eine Knarre? Weißt du wo der Overbeck der Obergauner wohnt? Wiedemann blickte zum Wirt: Heinz ruf uns ein Taxi! Taxi? Wozu das denn? Mein Fahrrad steht draußen! Klar Manni. Aber bis zu Overbeck isses zu weit. Komm, wir fahrn zusammen! Wiedemann zahlte ihren Deckel. Sie nahmen Anklam rechts und links unter die Arme, zogen ihn auf die Straße. Das Taxi war gleich da. Der braunhäutige Fahrer schaute misstrauisch auf den Betrunknen: Kotzt der mir in Wagen? Fahr langsam Mustafa, dann kotzt er nicht. Sind nur fünfhundert Meter. Ihr zahlen mir Reinigung! Sie verstauten Anklam auf dem Rücksitz, setzten sich neben ihn. Zerrten den Fluchenden raus vor seinem Haus und in den Fahrstuhl, holten ihm den Schlüssel aus der Tasche, schubsten ihn aufs Bett. Hast du ne Aspirin im Haus? fragte Willi als er ihm die Schuh auszog.“

 
Erasmus Schöfer (Altlandsberg, 4 juni 1931)
Cover

 

De Amerikaanse (slam) dichter Buddy Wakefield werd geboren op 4 juni 1974 in Shreveport, Louisiana. Zie ook alle tags voor Buddy Wakefield op dit blog.

 

A Hole In God

you appeared like a body bag
fulla hymnal books
unzipped in half I

never saw so many door jams fall
outta anyone’s mouth
into math like that when

Tennessee put its crooked smile
on a wadded up map
and sent you packin’

west

wood

gospel gospel got god
stuck to the rock he made and
and he mighta made it larger than us
or it mighta served to save this place
sure I coulda swore I heard you calling
for a shot at a grip on vice
doesn’t mean your mouth was moving
doesn’t mean I even heard you right

all I know is that your skin keeps calling
and I don’t care if it’s a busted flint
‘cause every time you pull your thumb down on it
I get [up up] back up to my feet

again

all of them

move move
like an offering plate
on’m one by one
it’s a penchant for a savior
a tendency to over – run
whatever shook do not get shook up

whatever’s lost you don’t get lost
even if they say you must give more than
everything you ever offered up

I know a voice does not come easy
I know the words fell out in bites
I know the moment when the
abandonment looked a lot like flight
you pulled whatever got left

inside

out right

 
Buddy Wakefield (Shreveport, 4 juni 1974)
Affiche

 

De Duitse dichter en schrijver Yaak Karsunke werd geboren op 4 juni 1934 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Yaak Karsunke op dit blog.

 

Der Schakal

Der Schakal, der Schakal
ist viel kleiner als ein Wal
doch er sieht viel größer aus
als beispielsweise eine Maus.

Dem Schakal, dem Schakal
ist das allerdings egal
denn er liebt die Mittelgröße
& dazu Kartoffelklöße.

 

Das Zebra

Eins wird das Zebra nie begreifen:
Wie kommt man übern Zebrastreifen?
Es bleibt am Straßenrande stehn
& ist dort stundenlang zu sehn –
bis sein Anblick jemand rührt
ders dann übern Fahrdamm führt.

 

 
Yaak Karsunke (Berlijn, 4 juni 1934)

 

De Amerikaanse schrijver Charles Dickinson werd geboren op 4 juni 1951 in Detroit, Michigan. Zie ook alle tags voor Charles Dickinson op dit blog.

Uit: Shortcut in Time

“The police interviewed me just once, in our house at 1112 East Collier Street.
“The latch was held shut with a ballpoint pen,” I insisted.
The cop held up the pen he was using to take notes. “Like this?”
“It was blue.”
“You’re sure?”
“Yes.”
“Where is it then?”
“I had it and dropped it. Did you check the bottom of the pool?”
“We followed the drain all the way out to the street.”
“It had gold writing on it.”
“What did the writing say?”
“I don’t know.”
The incident was ruled an accident, the tragic consequence of two young men just goofing around. Nobody listened when I said that Kurt never goofed around.
* * *
Flo Garner stopped me in the hall on the first day of school.
“How’s your brother?” she asked.
I shrugged. “Not great. My dad’s already started complaining about the hospital bills.”
“Can I ask you something?”
“Sure.”
“Did you bring Kurt up first because he was your brother?”
“No. He was on top.”
She touched my arm. I thought she was going to thank me for at least trying.
“I wish I could believe that,” she said.”

 
Charles Dickinson (Detroit, 4 juni 1951)
Detroit, Michigan

 

De Duitse schrijfster Dana Bönisch werd geboren op 4 juni 1982 in Frechen. Zie ook alle tags voor Dana Bönisch op dit blog.

Uit: Rocktage

„Er hoffte, sich sein Leben nicht einzubilden. In der U-Bahn hatte er aus Testgründen mal laut gesungen, aber niemand hatte wirklich hingesehen oder ihn angelacht oder Ähnliches. Sie saßen alle da wie vorher. All dies gab zu denken. Möglicherweise träumte er nur. Er konnte die Leute verstehen, die sich die Arme aufritzten, um zu spüren, dass sie da waren. Aber er selbst hatte viel zu viel Angst vor seinem eigenen Blut. Am Tag seines Rauswurfs fuhr Puck genauso still und tot U-Bahn wie die anderen auch. Es war eben einfacher. Allerdings saß an diesem Tag auch Johann Wolfgang neben ihm, der vor sich hin flüsterte: »Was zieht mir das Herz so? Was zieht mich hinaus?« Und Puck fühlte tatsächlich Ähnliches. Eine undefinierte Sehnsucht, vielleicht nach etwas, was er mal gekannt und dann verloren, oder nach etwas, was er nie gekannt und immer gesucht hatte. Schließlich stieg er an der Universitätsstraße aus und kaufte sich eine Brezel, und mit der Brezel im Mund rief er Mo an und bestellte sich Gras. Mo erwartete ihn dann schon am Weiher, saß auf den Steinen am Ufer und fütterte Enten. In einer H&M-Tüte hatte er altes Brot mitgebracht. Und blitzbildartig erinnerte sich Puck an anderes altes Brot, in einer Zeit, die ihm vorkam wie ein anderes Leben, Brot in einer Kaufring-Tüte, und an Regen, der sich in den Sommertag mischt. »Alter«, sagte Mo. »Alter«, sagte Puck. Er setzte sich neben ihn auf den kalten Stein. Später gingen sie im Biergarten noch was trinken, denn Mo hoffte, die Rothaarige aus der Meteorologie-Vorlesung wiederzusehen, die angeblich fast jeden Tag um diese Zeit hierherkam. Nach zwei Bier und einer Stunde wurde es jedoch langsam kalt für T-Shirt-Leute, und Mos Handy quäkte wegen wichtiger Geschäfte, und beide, Mo und Puck, gingen wieder ihrer Wege. »Alter«, sagte Puck. »Alter«, sagte Mo. Und verschwand Richtung U-Bahn, während Puck den Uni-Trampelpfad einschlug. Er mochte die Luft an Früh-Frühlingstagen, abends wenn schon ein paar Lichter brannten, hier eins, da eins, und wenn es plötzlich dämmrig geworden war, ohne dass man es bemerkt hatte, weil man sich unterhalten oder nachgedacht oder vom Gesicht eines Mädchens im folgenden Sommer geträumt hatte.“

 
Dana Bönisch (Frechen, 4 juni 1982)
Cover

 

De Australische schrijfster Elizabeth Jolley werd geboren op 4 juni 1923 in Birmingham, Engeland. Zie ook alle tags voor Elizabeth Jolley op dit blog.

Uit: The Sugar Mother

“The Old Country!” Buffy said. They were still standing but would have risen if they had been sitting down.
“To Home. Here’s to Home. Down the hatch. The Old Country!”
“The Queen!” Buffy was inspired. “God bless the Queen.”
“I’ll drink to that,” Tuppy said. “God bless the Queen.” Edwin, in silence, drank his share. With toasts it was impossible not to. In a minute, he thought, he would slip out and fetch Leila from the very awkward position she was in. A stranger in the yard, yet familiar. He looked at his guests. They were very good-looking and very good-hearted people. They would never knowingly hurt anyone, but Leila would be frightened of them. They were toasting their old regiments now. It seemed inconceivable that he belonged with these people. He never spoke or thought of England as the Old Country. He never thought of it as Home as they apparently, after many years, did. He believed this was described as a migration syndrome; he had heard the phrase. What was home anyway other than a place you lived in and came back to every night?
“Leila dear,” Leila’s mother said, “we shall be running out of knickers. Remind me, dear, to do some washing tonight when we come home. Now, have we got everything? Got the tickets? Yes? Slam the door then, dear. We’ll wait by the gate for our taxi. He should be here any minute now.”
The two women negotiated, in single file, the red-slabbed path between wet lavender and rosemary bushes. In the misty, sweet-smelling dusk they stood close together, easing their feet, lifting one and then the other, their best shoes pinching rather. Leila’s mother, feeling the weight and the expense of her coat, said in a low voice, nudging her daughter with her thick shoulder, “You know, dear, I am certain that the people next door have separate bedrooms.”
“There’s only one light on now,” Leila said, turning with a ponderous movement to peer through thick leaves.
“It isn’t bedtime yet,” Leila’s mother said, “and I have the feeling that she has gone away. I’m pretty certain. I saw him wave to her from the edge of the veranda. Last evening, dear, last night she left.”
“She goes every day and he always waves,” Leila said. “She goes to work. I think she goes in the night too sometimes.”


Elizabeth Jolley (4 juni 1923 – 13 februari 2007)
Cover

 

De Russische dichter Apollon Nikolayevich Maykov werd geboren op 4 juni 1821 in Moskou. Zie ook alle tags voor Apollon Maykov op dit blog.

 

The Aeolian Harp

The land lies parched in sun,- to heaven the air is still,
Hushed now upon the harp the golden strings’ lost thrill;
Aeolian harps our native singers are,- and numb
Must be their heart, their dying life blood cease to flow,
Forever silent be their voice, if longer dumb
Their breath be suffocated in this sultry glow!
O if a Genius on tempest-pinions winging,
Stormed through our native land,- Spirit with freedom rife!
How jubilant would our Aeolian harps be ringing
To greet the Godly power that promises new life!

 

Mother And Child

‘Mother, why weepest thou ever
For my little sister fair?
She is now in heaven’s kingdom-
Ah, it must be wondrous there!’

‘Yes, she is in heaven’s glory,
But in heaven’s own land, alas!
There are no butterflies nor flowers-
Nor meadows of velvet grass!’

‘But mother, God’s blessed angels
There, rejoicing sing to Him!’
Forth from the sunset’s rosy fires
Now cometh the midnight dim.

Ah, the mother wants her baby-
That she watched from the window wide,
When ‘mid butterflies and blossoms
She played in the meadow’s pride!

 
Apollon Maykov (4 juni 1821 – 20 maart 1897)
Portret van een vissende Maykov door Ivan Kramskoy, 1883

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 4e juni ook mijn blog van 4 juni 2017 deel 2.

Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson

De Duitse dichter en schrijver Ralf Thenior werd geboren op 4 juni 1945 in Bad Kudowa. Zie ook alle tags voor Ralf Thenior op dit blog.

Uit: Strange Kebab

Schlechte Karten

Einsame Frau am Tresen. Leichte Beute. – Na, Kummer mit dem Liebsten? Nee, mit’m Chef. Wie? Er kommt immer zu spät und ich muss die ganze Arbeit machen.
Soll vorkommen. Was machst du? Sozialfürsorge. Kleines Büro, nur er und ich. Dauernd ist er weg, Kenia, Karibik und so. Und woher kommt die Kohle? Aus der Kasse für die Behinderten. Zeig ihn an!
Wollte ich ja. Und? Kein Geld. Geh ins Amtsgericht zur Rechtsberatung. War ich ja. Und? Netter junger Anwalt. Ich erzähl die Story. Sein Robin-Hood-Ding kommt hoch. Er kriegt leuchtende Augen. Wie heißt der Mann? Ich nenn den Namen. Seine Miene wird eisig. Keine Chance, schnarrt er. Der Mann ist in meiner Partei. Dann hat er mich rausgeschmissen. –

 

Der Borsig-Kreisel

Vom Borsigplatz gehen sternförmig sechs Straßen ab.
An jeder Ecke gibt es eine Kneipe und in die Straßenschluchten hinein, die, wie manche sagen, wie Fangarme eines Kraken auf Opfer lauern, gibt es weitere,sie bilden in vereintem Interesse einen Mahlstrom,dessen Wirbel der Borsig-Kreisel genannt wird. Gerät einer in diesen Kreisel hinein, ist er für mindestens drei Nächte verschwunden. Wenn er überhaupt wieder auftaucht. Es beginnt mit Bier und Korn, jeder Arzt rät von der Mischung ab. Der wagemutige Westfalenreisende würde hier mehr als Überraschungen erleben.
Doch sprechen wir über jene, die sich nicht leichtfertig hineinstürzen: Die Ortskundigen, die es wie eine Kunst betreiben. Der Mann, der im Kreisel surft. Der volltrunken in den »Haxenhans« hineinschneit, ohne Zögern eine Haxe bestellt und sie, während unser staunender Stammesforscher noch an der harten Außenhaut seiner eigenen Haxe herum säbelt, in Sekundenschnelle fachmännisch zerlegt und verzehrt hat, und ehe der verdutzte Neuankömmling sich an die zweite Säbelei machen kann, schon wieder, nachdem er zahlte, den Laden verlässt und dem Wirt über die Schulter zu-
ruft: Grüß deine Schwester! – Welche? – Is’ egal! Schon ist er verschwunden, angesogen vom Borsigkreisel in der Nacht.

 
Ralf Thenior (Bad Kudowa, 4 juni 1945)
Kudowa-Zdrój (Bad Kudowa)

Continue reading “Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson”

Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson

De Duitse dichter en schrijver Ralf Thenior werd geboren op 4 juni 1945 in Bad Kudowa. Zie ook alle tags voor Ralf Thenior op dit blog.

Uit: Strange Kebab

Vollmond über Balkonien

Der Efeuripper vom Rombergpark hackt wieder blindwütig auf den Efeu ein. Doch auf Balkonien stört das keinen. Man sitzt und trinkt Sangria con mucho alegria. Noch eben waren die Wölkchen lachsrot vom Sonnenuntergang, jetzt ist es schon dunkel, dämmerungsblau mit Violettschein, und die Fledermaus flippt durchs Himmelskarree im Hinterhof. Gott sei Dank, dass die Nachbarn nicht mehr grillen dürfen. – Ob er heute wieder hackt? – Der Efeuripper? Vielleicht. Gegenüber steht eine einsame Frau und raucht. Der Mond ist aufgegangen. Ein Baby schreit. Das ist der Mond! Das Baby schreit lauter. Dann schluchzt es nur noch, wird still. Der Duft des Sommerflieders, der aus dem Schuppendach wächst, steigt empor und weht durch den Hinterhof. Alle unterhalten sich leise,lachen gedämpft, nur im dritten Stock knurrt einer: Immer das Gefummel mit dem Werwolfgebiss!

 

Fett absaugen

Die letzte Flasche Wein war schlecht, er sucht seine Socken auf der Straße. Sagt einer: Komm mit, wir gehen protestieren. Er mit. Kleiner Haufen, aber zum Äußersten entschlossen. Sie bauen sich vor dem Rathaus auf. Wogegen sind wir? – Weißt du’s nicht? Der Bürgermeister hat dem Stadtwappen das Fett absaugen lassen. – Wie? – Ein Designer aus Düsseldorf hat dem Struppvogel den Bauch wegretuschiert. – Bei die-ser Haushaltslage? Für fuffzehntausend Eu! War es mein Genosse? Er schreit: Bürgermeister Langemeyer, klaut des Adlers gold’ne Eier! Und backt sich ein Ei!
Er steht allein vor dem Rathaus. Eine Hand legt sich auf seine linke Schulter. Auf seine rechte auch. Grüne Minna. Und ab nach Aplerbeck.

 
Ralf Thenior (Bad Kudowa, 4 juni 1945)

Continue reading “Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson”

Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson, Elizabeth Jolley

De Duitse dichter en schrijver Ralf Thenior werd geboren op 4 juni 1945 in Bad Kudowa. Zie ook alle tags voor Ralf Thenior op dit blog.

Uit: Strange Kebab

Nordstadtsommernacht

Am Tag der Volkserhebung misst man 37 Grad um Mittag auf freiem Platz. Die Stadt heizt sich auf. Die Luft flirrt. Autopolster verbrennen nackte Oberschenkel. Wer irgend kann, zieht sich in die kühle Altbauwohnung zurück und streckt alle Viere von sich – geschockt von dem plötzlichen Temperaturanstieg, dem heftigsten seit fünfzig Jahren, 17 auf 37 Grad von einem Tag auf den andern. Kurz vor Mitternacht hat es sich auf zwanzig Grad abgekühlt. Es ist ruhig geworden. Die Kampftrinker von der Bude haben sich schon lange verzogen. Es ist still in den Straßen. Irgendwo kläfft ein Hund. Nur wenige Nachtschwärmer nutzen die Gunst der Stunde, sitzen auf Schienen des alten Güterbahnhofs am Fredenbaumpark und nuckeln an Kannen und Tüten. Am Himmel wächst Sternmiere.

 

Freitagabendfieber

Ein kalter Märzregen mitten im Sommer, es ist schon Ende Juni. Siebzehn Uhr, Freitagabend. Die Vibration der Stadt lässt nach, das Dröhnen wird bald verebbt sein. Gleich fängt das Wochenende an. Heut’ Nacht lassen wir’s krachen! Aber hallo! Wir gehen rüber in unsere Eckkneipe – und dann gib Zunder! Man gönnt sich ja sonst nichts. – Und nebenan: Komm, wir gehen ins »Roxy«. Ich find die »Camera« schöner. Is’ doch egal. Mir nicht. Gut, »Camera«. Und wenn nichts läuft? Machen wir was anderes. Nicht schon wieder!

Ich will endlich joggen! Da musst du bis morgen warten. Nein, jetzt! Guck doch mal aus dem Fenster. Ein kalter Märzregen geht nieder. Ich finde alles außer Joggen öde. Komm, wir vögeln ‘ne Runde. Nein, jetzt nicht!

 
Ralf Thenior (Bad Kudowa, 4 juni 1945)

Continue reading “Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson, Elizabeth Jolley”

Marie Ndiaye, Ralf Thenior, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Elizabeth Jolley

 

De Franse schrijfster Marie Ndiaye werd geboren op 4 juni 1967 in Pithiviers. Zie ook alle tags voor Marie Ndiaye op dit blog.

 

Uit: Drie sterke vrouwen (Vertaald door Jeanne Holierhoek)

 

“En degene die haar ontving of die toevallig, zo leek het, op de drempel van zijn grote betonnen huis verscheen, in een aanzwellende, plotseling zo krachtige schittering dat zijn in lichte kleuren geklede lichaam die schittering zelf leek voort te brengen en te verspreiden, de man die daar stond, klein, zwaarder geworden, als een neonlamp omhuld door een wit schijnsel, die man, plotseling opgedoken op de drempel van zijn kolossale huis, had niets meer van zijn vroegere arrogantie, zei Norah meteen in zichzelf, was zijn fiere houding kwijt en ook zijn jeugdigheid, ooit zo raadselachtig constant dat ze onvergankelijk leek.
Zijn handen hield hij gevouwen op zijn buik, zijn hoofd helde zijwaarts, en dat hoofd was grauw, die buik puilde week uit onder het witte overhemd, boven de riem van de crèmekleurige broek.
Daar stond hij in een kille glans, hij moest op de drempel van zijn pretentieuze huis zijn neergekomen van de tak van een flamboyant die in de tuin stond, want toen ze het huis was genaderd, overwoog Norah, was ze door het hek heen strak naar de voordeur blijven kijken, en ze had niet gezien dat die deur was opengegaan om haar vader naar buiten te laten – en toch was hij voor haar verschenen in het kwijnende daglicht, die afgetakelde man in zijn stralenkrans, die zo’n zware klap op zijn schedel leek te hebben gekregen dat de harmonische proporties die Norah zich herinnerde, waren vervormd tot die van een dikke man zonder hals met plompe, korte benen.
Roerloos zag hij haar naderen en niets in zijn weifelende, ietwat starende blik duidde erop dat hij haar komst verwachtte, dat hij haar had gevraagd, haar had gesmeekt (voorzover, dacht zij, een man als hij in staat was om wat voor hulp dan ook af te smeken) of ze naar hem toe wilde komen.”

 

 

 

Marie Ndiaye (Pithiviers, 4 juni 1967)

Continue reading “Marie Ndiaye, Ralf Thenior, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Elizabeth Jolley”

Marie Ndiaye, Ralf Thenior, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Elizabeth Jolley

De Franse schrijfster Marie Ndiaye werd geboren op 4 juni 1967 in Pithiviers. Zie ook alle tags voor Marie Ndiaye op dit blog.

 

Uit: Drei starke Frauen (Vertaald door Claudia Kalscheuer)

„Und der, der sie empfing oder wie durch Zufall auf der Schwelle seines großen Betonhauses auftauchte, in einem schlagartig so starken Licht, daß es von seinem hellgekleideten Körper auszugehen und sich von dort zu verbreiten schien, dieser Mann, der klein und schwerfällig dastand und ein weißes Strahlen aussandte wie eine Neonleuchte, dieser plçtzlich auf der Schwelle seines übertrieben großen Hauses erschieneneMann hatte, so sagte sich Norah sofort, nichts mehr von seinem Hochmut, von seiner Statur, von seiner früher auf geheimnisvolle Weise gleichbleibenden und dadurch unvergnüglich wirkenden Jugendlichkeit.

Er hielt die Hände über dem Bauch gefaltet und den Kopf zur Seite geneigt, und dieser Kopf war grau, dieser Bauch wölbte sich unter dem weißen Hemd schlaff über den Gürtel der cremefarbenen Hose.

In einemkalten Lichtschein stand er da,wahrscheinlich vom Ast eines der Flammenbäume des Gartens auf die Schwelle seines protzigenHauses gefallen, denn, so sagte sich Norah, sie hatte die Eingangstür nicht aus den Augen gelassen, während sie sich dem Gartentor näherte, und sie hatte sie nicht aufgehen und ihren Vater hinaustreten sehen – und doch war er vor ihr in der Abenddämmerung erschienen, dieser leuchtende und heruntergekommeneMann, der den Eindruck machte, als habe ein ungeheurer Schlag auf den Kopf seine harmonischen Proportionen zerstçrt, an die Norah sich erinnerte, und ihn in einen dicken, halslosen Mann mit schweren, kurzen Beinen verwandelt.

Regungslos beobachtete er, wie sie auf ihn zukam, und nichts in seinemzçgernden, etwas verlorenen Blick verriet, daß er sie erwartete, daß er sie aufgefordert, ja inständig gebeten hatte (soweit ein solcherMann, dachte sie, überhaupt fähig war, irgendeine Art von Hilfe zu erflehen), ihn zu besuchen.“

 

Marie Ndiaye (Pithiviers, 4 juni 1967)

Continue reading “Marie Ndiaye, Ralf Thenior, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Elizabeth Jolley”

Marie Ndiaye, Ralf Thenior, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke

De Franse schrijfster Marie Ndiaye werd geboren op 4 juni 1967 in Pithiviers. Zie ook mijn blog van 4 juni 2009 en ook mijn blog van 4 juni 2010.

 

Uit: Les Grandes Personnes

Eva. – Je donnerais tout cela pour un fils pareil au vôtre, aimant et caressant.

Je retournerais vivre là d’où je viens, je renoncerais à la musique, à la beauté, au gaspillage, pour l’amour d’un vieil enfant qui ne me demanderait pas les comptes de mes erreurs, qui me comblerait d’une tendresse sans conditions et me dirait simplement: Voilà, c’est toi, ma mère.

[…]

Georges. – Quand nous étions encore de pauvres jeunes gens coincés dans leur quartier navrant et que nous luttions en mots et en pensées pour sortir de cet état humiliant, il nous semblait que les enfants viendraient comme des obstacles à cet effort, oh nous n’en voulions pas, jamais.

Pour réussir, nous devions nous affranchir de ce qui faisait le bonheur habituel des riches ou des pauvres sans ambition ni révolte.

Ce que c’est que la vie.

Avec notre fils unique, nous avons végété dans la médiocrité, le manque d’aisance, alors que deux enfants n’ont jamais freiné votre ascension.

Ce que c’est que la vie.

Isabelle. – Moi, je n’envie personne.

Votre argent, qu’est-ce qu’on en ferait?

Notre fils, lui, est resté près de nous, il est maître d’école et il nous aime.

Où est-ce qu’ils ont disparu, vos enfants?

Voilà près de dix-sept ans que vous êtes abandonnés, reniés par ceux que vous avez gâtés, et vous cachez votre affliction et il n’y a que nous, vos plus vieux amis, qui la devinons, mais quand de temps à autre vous nous invitez c’est toujours seuls et nous ne rencontrons personne chez vous, à croire que vous nous dissimulez au reste de vos relations comme vous masquez votre peine, pour ne pas gêner.

Nous risquerions de faire tache.

Mais c’est égal.

On se connaît depuis si longtemps qu’on peut tout se pardonner.

Il y a certainement dans notre attitude des particularités qui vous exaspèrent, des restes de misère, un accent rude, on n’y peut rien et on ne s’entend pas soi-même.

C’est égal.

On s’aimera toujours, vous et nous.

 

Marie Ndiaye (Pithiviers, 4 juni 1967)

Continue reading “Marie Ndiaye, Ralf Thenior, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke”