Matthias Zschokke, Andrea Voigt, Harald Hartung, Mohsen Emadi, Lee Child, Michel van Stratum, Zbigniew Herbert, Claire Goll, Dora Read Goodale

De Zwitserse dichter, schrijver en filmmaker Matthias Zschokke werd geboren op 29 oktober 1954 in Bern. Zie ook alle tags voor Matthias Zschokke op dit blog.

Uit: Die Wolken waren groß und weiß und zogen da oben hin

“Zwar habe er erschöpft dazu gelächelt und gemeint einen feinen Scherz gemacht zu haben, doch auch die Mutter konnte das stumme Lächeln durch die Telefonleitung bindurch naturgemäß nicht wahrnehmen und hörte nur den Satz, der ihr schroff vorkam und ihr die Sprache verschlug. Danach rief sie ein paar Tage nicht mehr an und redete nicht mehr davon, dass er sie umbringen kommen solle. Die Stille, die darauf folgte, empfand er als wohltuend. Manchmal knisterte seine Geliebte mit einer Cellophantüte — er lebte mit einer Frau zusammen, in deren Nähe er sich wohl fühlte —, oder sie blätterte die Seite in einem Magazin um oder in einem Buch, und er dachte, was für eine himmlische Ruhe, und schaute ihr glücklich beim Knistern und Blättern zu.
Außer seiner Mutter hatte Roman einen Freund, der die Lust am Leben ebenfalls verloren haue und litaneiartig am Ende ihrer gelegentlichen Telefonate — sie wohnten fünfhundert Kilometer weit auseinander —jeweils wiederholte, er wäre tief enttäuscht, wenn Roman, nachdem er seine Mutter erschossen haben würde, auf dem Weg zurück nach Berlin bei ihm nicht Halt machen und auch ihn erschießen würde. Und dann war da noch eine Opossumratte, die zu jener Zeit, also gestern, in einem niederösterreichischen Tierpark gehalten wurde und — obwohl noch jung an Jahren — von einem Tag auf den anderen plötzlich den Eindruck erweckte, sich altersschwach zu fühlen und ebenfalls den Tod herbeizusehnen. Man kannte ihr Gesicht in der ganzen Welt, weil sie stark schicke, was bei Opossumratten selten vorkommt, weswegen sie fotografiert und ihr Portrait in vielen, auch seriösen Tageszeitungen auf der Seite mit den vermischten Meldungen abgedruckt worden war und international für Heiterkeit gesorgt hatte. Ihr Name war Traudel. Kurz nachdem sie als schielendes Opossum den Gipfel ihrer Berühmtheit erklommen hatte, wurde sie von der besagten Lebensmüdigkeit gepackt. Sie legte sich auf den Bauch, schlang, was man ihr vor die Schnauze legte, lustlos in sich hinein, wurde dick und dicker und rührte sich nicht mehr vom Fleck. Die Di-rektion des Tierparks schaffte ein junges, hübsches Männchen an und setzte es in Traudels Käfig, in der Hoffnung, damit ihre Lebenslust neu anzuregen. Doch Traudel fauchte das junge, hübsche Männchen wütend an, sobald es sich ihr näherte: Sie lag auf ihrem dicken Bauch und fauchte. Das junge, hübsche Männchen ließ sich davon nicht beirren. Immer wieder näherte es sich in erotischer Absicht vorsichtig der schielenden Traudel. Doch die war des Lebens definitiv überdrüssig und wollte nichts mehr wissen von Liebe und Sex. Romans Freund hatte ‘bandet aus der Ferne ins Herz geschlossen. Er berichtete Roman in täglichen Mails die letzten Neuigkeiten aus dem Opossumrattenkäfig, in dem zwischenzeitlich eine Kamera installiert worden war, die rund um die Uhr übers Internet weltweit zeigte, was dort vor sich ging.”

 
Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

 

De Nederlandse dichteres en schrijfster Andrea Voigt werd geboren in Rotterdam op 29 oktober 1968. Zie ook alle tags voor Andrea Voigt op dit blog.

Donderdag

Ik stak de sleutel in het slot en wrikte
de deuren schuurden langs de drempel
de kamer was verlicht, het bed verspreid

op tafel stond een pot met soep
de haverkoeken lagen op een bord
en vet, geeloranje kaas en uien en augurken

ik kon lopen door de kamer met een mond vol Schotse zalm
aan tafel zitten bij de warmte van een vuur
bekers vol met whisky kon ik drinken

ik snijd het zware brood in dikke plakken
en leg het op een plank met zoute boter
met honing en met bittere marmelade

in het midden van de kamer ga ik zitten
op de oude stenen vloer
wachtend op de honger en de kou

 

Succes

Mijn succesfactoren zijn niet in balans
ik ben niet met mijn wezen in gesprek
in mijn ogen hangt de verveelde blik
van John Malkovich na een moord

mr. Bantoe heeft beloofd dat hij gaat zorgen
voor onmiddellijke terugkeer van geluk
ziekte en gevaren en geliefden
onttovering met veren van de maraboe

ooit schoot ik vogels uit de lucht
ik ging ze zoeken in te diepe sneeuw
het bloed dat ik vond was mijn eigen
de ogen, de vleugels van mij

ik begeef me naar de metro
met een wapen in mijn tas, en bankbiljetten
mijn hartslag is niet sneller dan normaal
mijn slenteren zorgvuldig voorbereid


Andrea Voigt (Rotterdam, 29 oktober 1968)
Cover achterkant

 

De Duitse schrijver, dichter en literatuurwetenschapper Harald Hartung werd geboren op 29 oktober 1932 in Heme. Zie ook alle tags voor Harald Hartung op dit blog.

Uit: Der Tag vor dem Abend

“Große Waldmüller-Retrospektive im Unteren Belvedere.
Nach 1845 hat der Maler nur noch wenige Naturstudien in seine Skizzenbücher eingefügt; vielleicht weil er fortan auch Fotografien als Studienmaterial benutzte. Ein Gegner in der Akademie warf ihm »mosaikartige daguerrotypische Nachahmung« vor. Dabei ist Waldmüllers Licht einzigartig.
Starke Kontraste und brillante Lichtkanten, wie er sie einsetzte, waren der damaligen Fotografie nicht erreichbar. Womöglich mokierte er sich über das neue Medium. Dafür spricht der 1847 gemalte »Guckkastenmann«. Er zeigt eine Schar Kinder in einer dunklen Scheune, die fasziniert auf den Vorführer und sein Gerät blicken. Der Betrachter sieht nicht, was sie sehen; er sieht nur ihre Reaktion: ihre naive, pure Begeisterung. Freilich gibt es in dem Bild auch ein gegenläufiges Motiv: Im abgedunkelten Vordergrund hockt ein Mädchen, das, den Kopf in die Hand gestützt, nachdenklich, fast melancholisch Richtung Betrachter blickt – traurig vielleicht deshalb, weil sie, die Tochter des Guckkastenmannes, von der allzu bekannten Vorführung angeödet wird. Vielleicht also hat der Maler sie so plaziert, um seine Ironie gegen das neue Medium zu wenden. Und damit seinen Stolz auf die Überlegenheit seiner veristischen Malerei.
Wir sehen Wien und seine Parks für einige Tage in Waldmüllers Licht.”


Harald Hartung (Herne, 29 oktober 1932)

 

De Iraanse dichter en vertaler Mohsen Emadi werd geboren op 29 oktober 1976 in Sari. Zie ook alle tags voor Mohsen Emadi op dit blog.

Ego      

They come from burial
everybody carries his memory of the house
the doors, the windows,
the frames, the curtains and the carpets
the oven, the stove and the vessels
and the house is being left without wooden bolt and
fire
everyone has taken his portion of the memories
the opening and closing of the first door
the first waiting and the fire.

I go up from my stairs
the cats run away
it’s cold
I sit in a without door doorway
the snakes crawl in me.

In the morning
I see myself in a broken slice of a mirror
without memory
without wooden bolt
without fire
without self…

 

A myth of creation

In the beginning
it was
possibility,
that knew or didn’t know
that wants or don’t want
to get or not to get the shape of your eyes
to dress or not to  dress in the color of your shirt
to pace or not  to pace in your feet
to walk or not to walk with the trace of your shoes on the bosomto bring or not to bring a cloud or a rain to the bed
for me to feel or not to feel myself in the tremor of pain
and to discover the face of impossible
in the end.

 

Vertaald door Mohsen Emadi

 
Mohsen Emadi (Sari, 29 oktober 1976)

 

De Engelse schrijver Lee Child (pseudoniem van Jim Grant) werd geboren op 29 oktober 1954 in Coventry. Zie ook alle tags voor Lee Child op dit blog.

Uit: Past Tense

“Jack Reacher caught the last of the summer sun in a small town on the coast of Maine, and then, like the birds in the sky above him, he began his long migration south. But not, he thought, straight down the coast. Not like the orioles and the buntings and the phoebes and the warblers and the ruby-­throated hummingbirds. Instead he decided on a diagonal route, south and west, from the top right-­hand corner of the country to the bottom left, maybe through Syracuse, and Cincinnati, and St. Louis, and Oklahoma City, and Albuquerque, and onward all the way to San Diego. Which for an army guy like Reacher was a little too full of Navy people, but which was otherwise a fine spot to start the winter.
It would be an epic road trip, and one he hadn’t made in years.
He was looking forward to it.
He didn’t get far.
He walked inland a mile or so and came to a county road and stuck out his thumb. He was a tall man, more than six feet five in his shoes, heavily built, all bone and muscle, not particularly good looking, never very well dressed, usually a little unkempt. Not an overwhelmingly appealing proposition. As always most drivers slowed and took a look and then kept on going. The first car prepared to take a chance on him came along after forty minutes. It was a year-­old Subaru wagon, driven by a lean middle-­aged guy in pleated chino pants and a crisp khaki shirt. Dressed by his wife, Reacher thought. The guy had a wedding ring. But under the fine fabrics was a workingman’s body. A thick neck and large red knuckles. The slightly surprised and somewhat reluctant boss of something, Reacher thought. The kind of guy who starts out digging post holes and ends up owning a fencing company.
Which turned out to be a good guess. Initial conversation established the guy had started out with nothing to his name but his daddy’s old framing hammer, and had ended up owning a construction company, responsible for forty working people, and the hopes and dreams of a whole bunch of clients. He finished his story with a little facial shrug, part Yankee modesty, part genuine perplexity. As in, how did that happen? Attention to detail, Reacher thought. This was a very organized guy, full of notions and nostrums and maxims and cast-­iron beliefs, one of which was that at the end of summer it was better to stay away from both Route One and I-­95, and in fact to get out of Maine altogether as fast as possible, which meant soon and sideways, on Route Two, straight west into New Hampshire.”


Lee Child (Coventry, 29 oktober 1954)

 

De Nederlandse dichter en schilder Michel van Stratum werd geboren in Goirle op 29 oktober 1970. Zie ook alle tags voor Michel van Stratum op dit blog.

Duivelsverzen

Zij worden gedreven
Door een satanische kracht
In naam van het goddelijke
Een boek, een profeet
Dragers van de pracht

Enig doel in het vizier
Het bereiken der bestemming
Door duivels te verjagen
En verkondigers van het hemelse
Tot in het absurde te behagen

Vanwaar dit panische
Dit helse dit onverzoenbare
Waarom niet gewoon rustig
Op het strand
De schim van leider
En profeet voor ogen
En het boek in de hand

Verlangend naar de hemel staren…


Michel van Stratum (Goirle, 29 oktober 1970)

 

De Poolse dichter, schrijver en essayist Zbigniew Herbert werd geboren op 29 oktober 1924 in Lemberg. Zie ook alle tags voor Zbigniew Herbert op dit blog.

Episode in de bibliotheek

Een blond meisje heeft zich over het gedicht gebogen. Met een potlood zo scherp als een lancet brengt ze de woorden over op blank papier en verandert ze in streepjes, accenten, cesuren. Het lamento van de gevallen dichter lijkt nu op een salamander afgevreten door de mieren.
Toen we hem onder vuur wegdroegen, geloofde ik dat zijn nog warme lichaam in het woord zou herrijzen. Maar nu ik de dood van de woorden zie, weet ik dat de ontbinding geen grenzen kent. Van ons zullen alleen lettertekens overblijven, her en der verspreid in de zwarte aarde. Accenten op het niets en op stof.

 

Het huis van de dichter

Ooit was hier adem op de ruiten, de geur van gebraden vlees, hetzelfde gezicht in de spiegel. Nu een museum. De flora van de vloeren heeft men verdelgd, de kisten leeggehaald, de kamers schoongespoten met was. Dagen en nachten aaneen waren de ramen geopend. Muizen mijden dit bedorven huis.
Het bed werd netjes opgemaakt. Maar niemand wil hier ook maar één nacht doorbrengen.
Tussen zijn kast, zijn bed en zijn stoel – een witte grens van afwezigheid, even precies als het afgietsel van de hand.

 

Klassiek

Groot houten oor dichtgestopt met watten en flauwekul van Cicero. Een meesterlijk stilist – zeggen allen. Niemand schrijft vandaag nog zulke lange zinnen. En wat een eruditie. Zelfs in steen kan hij lezen. Het zal alleen nooit in hem opkomen dat de aderen in het marmer van de thermen van Diocletianus gesprongen bloedvaten zijn van slaven uit steengroeven.

 

Vertaald door Gerard Rasch


Zbigniew Herbert (29 oktober 1924 – 28 juli 1998)
In 1955

 

De Duits – Franse schrijfster Claire Goll werd geboren op 29 oktober 1890 in Nürnberg. Zie ook alle tags voor Claire Goll op dit blog

Träumte ich nur

Träumte ich nur,
Daß ich in goldenem Taxi
Mit dir durch den Montag fuhr?
Saßest du wirklich neben mir
Und hieltest meine Hand
An der mein Körper bebte?
Die Blumenkioske der Boulevards
Drängten zu den Fenstern herein,
Das Verdeck war aus Himmel
Und alle Lichtreklamen loderten:
Ich liebe dich.

Oder träumte ich,
Daß der Wagen hielt
Und wir ankamen auf der Erde?
Sitze ich nicht immer noch
In goldenem Taxi neben dir
Fahre durch den zarten Montag
Ins Paradies?
Halte ich nicht ewig deine Hand
Und lasse dich nie wieder aussteigen
Aus meinem Traum?

 

Junge Akrobatin

Bunter Vogel du, der zwischen Welten
Ueber Abend, Stadt und Staunen schwebt,

Schwing dich auf dem Trapez
Ueber dich selbst durch die Zeit.

Deine Schenkel flattern zitternd von Zweig zu Zweig
Und dein Herz von Mensch zu Mensch.

Goldne Flitterlibelle, deine schwebende
Sehnsucht Fällt nie durch die gierigen Augen ins Herz.

Armer Stern, der allnächtlich aufgehn muß
Am kleinen bezahlten Himmel der Gaukler.

Der jeden Abend abstürzt in die Arme roher Athleten,
In den giftigen grauen Zigeunerwagen,

Der dich gefangen durch das unendliche Leben fährt.

 
Claire Goll (29 oktober 1890 – 30 mei 1977)
Portret door Albert Gleizes, 1921

 

De Amerikaanse dichteres Dora Read Goodale werd geboren op 29 oktober 1866 in Mount Washington, Massachusetts. Zie ook alle tags voor Dora Read Goodale op dit blog.

Asters

The Autumn wood the aster knows,
The empty nest, the wind that grieves,
The sunlight breaking thro’ the shade,
The squirrel chattering overhead,
The timid rabbits lighter tread
Among the rustling leaves.

 

The Soul of Man

Say, in a hut of mean estate
A light just glimmers and then is gone,
Nature is seen to hesitate,—
Put forth and then retract her pawn;

Say, in the alembic of an eye
Haughty is mixed with poor and low;
Say, Truth herself is not so high
But Error laughs to see her so;

Say, all that strength failed in its trust;
Say, all that wit crept but a span;
Say, ’t is a drop spilled in the dust,—
And then say brother—then say man!

 
Dora Read Goodale (29 oktober 1866 – 12 december 1953)
Cover

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 29e oktober ook mijn blog van 29 oktober 2017 deel 1 en eveneens deel 2.

Matthias Zschokke, Andrea Voigt, Harald Hartung, Mohsen Emadi, Lee Child, Dominick Dunne, Claire Goll

De Zwitserse dichter, schrijver en filmmaker Matthias Zschokke werd geboren op 29 oktober 1954 in Bern. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2010 en eveneens alle tags voor Matthias Zschokke op dit blog.

Uit: Ein Sommer mit Proust.

„Die Suche nach der verlorenen Zeit ist nicht gerade für den Plot berühmt. Niemand greift zu Proust, wenn er wissen will, ob Comte Rodolphe die Marquise de la Motte kriegt oder nicht. Es ist nicht die Neugier danach, wie es weitergeht, die einen durch die Seiten zieht. Man will bei Proust erfahren, wie der Comte duftet und welche eingebildete körpereigene Ausdünstung er mit seinem Vetiver-Parfum zu überdecken sucht, man will erfahren, wie die Marquise ihm ihre rechte Hand hinzuhalten pflegt und warum sie parallel dazu mit ihrem linken Daumen und Zeigefinger am eigenen Ohrläppchen zupft. Man will spüren, wie zart ihre Haut ist. Man will das alles Satz für Satz, Wort für Wort schmecken, riechen, empfinden. Die Sprache ist der Inhalt. Wenn da steht Stuhl, dann will der Leser sich auf ihn setzen können. Es geht um jedes noch so kleine Detail, um jeden Augenaufschlag, alles mikroskopisch genau.
Ich stelle mir das Original sinnlich betörend, fast hypnotisch vor, von laborhafter Präzision, die keinen noch so kleinen Flüchtigkeitsfehler duldet. Durch solche uns/und-Verwechslungen beginne ich jedoch im Unterbewusstsein an der Sauberkeit des ganzen Experiments zu zweifeln. Ich frage mich, ob die Übersetzung, die ich lese (Eva Rechel-Mertens), vielleicht nicht allzu sorgfältig gemacht wurde? Ich frage mich beispielsweise, ob sie vielleicht eine Spur zu akademisch ist, da ich von ihr vor allem zerebral gefordert und nicht unbedingt sinnlich entführt werde. Ein Beispiel:
»… in der alten Herberge zum >Oiseau Flesche<, aus dessen Kellerfenstern ein Küchengeruch aufsteigt, der noch manchmal genauso intermittierend und warm in meiner Erinnerung wiederkehrt …«
Erstens wusste ich nicht, was intermittierend heißt. Musste nachschlagen. Nun kann man sagen, Proust habe eben nicht für Dummerchen, sondern für gebildete Leute geschrieben. Das akzeptiere ich. Doch vermute ich, dass er eher von so etwas wie beispielsweise »warmen Schwaden« geschrieben hat, die »aus der Erinnerung heranwehen.”.

 
Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

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Matthias Zschokke, Harald Hartung, Mohsen Emadi, Lee Child, Dominick Dunne, Claire Goll

De Zwitserse dichter, schrijver en filmmaker Matthias Zschokke werd geboren op 29 oktober 1954 in Bern. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2010 en eveneens alle tags voor Matthias Zschokke op dit blog.

Uit: Die Wolken waren groß und weiß und zogen da oben hin

„Gestern, als der Boden noch frisch war und feucht, lebte in Berlin ein Mann, der sich – in der Hoffnung, mit diesem Namen Erfolg zu haben und glücklich zu werden – Roman nannte.
Seine greise Mutter wohnte tausend Kilometer weiter südwestlich und rief ihn mehrmals in der Woche an, an den Wochenenden fast immer, um zu fragen, wann er endlich bei ihr vorbeikomme und Schluss mache mit ihr; sie lebte nicht mehr gern. Er lachte jedes Mal mit einem kurzen, vernehmlichen Prusten und sagte, das sei nicht so einfach, wie sie sich das vorstelle.
Er hatte noch ein altes, eierschalfarbenes Telefon mit einer W’ählscheibe und einem Hörer, der wie ein Knochen aussah und mit einem spiralförmigen schwarzen Kabel am Apparat hing. Auf der Abdeckung der Sprechmuschel klebten vertrocknete Speisereste, die durch den I.uftausstoß bei diesem Prusten jeweils zwischen seinen Zähnen hervorspritzten. Sein vernehmliches Prusten war ihm unangenehm, so dass es ihm jedes Mal auf die Stimme schlug und er sich danach oft noch stundenlang räuspern musste, bevor er einen Satz herausbrachte. Irgendwo hatte er gelesen, räuspern helfe nichts, man müsse kräftig husten, um einen belegten Hals frei zu bekommen. Am Telefon traute er sich jedoch nicht zu husten, weil das im Ohr des Gesprächspartners wie eine kleine Explosion klingen würde.
Das Prusten hatte er sich angewöhnt, nachdem zwei seiner Bekannten eine Bemerkung von ihm – die er am Telefon gemacht hatte und die ohne seinen dazu ironisch lächelnden Gesichtsausdruck offenbar als Beleidigung aufgefasst werden konnte – missverstanden hatten, woraufhin sie den Kontakt zu ihm abbrachen. Auch als er einmal zu seiner Mutter sagte, zurzeit gehe es nicht – seine Pistole, die er zu diesem Zweck einsetzen wolle, sei leider verrostet, er müsse sie erst putzen -, trübte das die Atmosphäre zwischen ihnen.“


Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

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Matthias Zschokke, Harald Hartung, Mohsen Emadi, Dominick Dunne, Claire Goll, Zbigniew Herbert, Lodewijk van Oord

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Uit: Der Mann mit den zwei Augen

„Eine rumänische Pflegerin hob den Hörer ab und gab ihn weiter an die Frau im Liegestuhl. Die murmelte: »Io dormo, io dormo.« Der Mann mit den zwei Augen lachte und sagte: »Seit wann können Sie Italienisch? Ich bin’s, hören Sie? Sie schlafen nicht, Sie telefonieren mit mir.« Daraufhin bekam sie einen Hustenanfall, und er verabschiedete sich. Io dormo, io dormo waren ihre letzten Worte gewesen. Am Abend starb sie. Einen Tag vorher war auch ihre einundzwanzigjährige Katze gestorben. Das hatte der Mann ihr eigentlich mitteilen wollen.
Die Katze war ihr als halbwüchsiges, verwildertes Tier zugelaufen und blieb bis zuletzt schmal und scheu. Sie hatte auffallend große, fast durchsichtige Ohren und machte nur selten, völlig unerwartet, zwei, drei Schritte auf Menschen zu, um sich dann ohne übertriebene Eile wieder von ihnen zu entfernen. Den Mann mit den zwei Augen hatte sie grundsätzlich nicht beachtet. Nur ein einziges Mal hatte sie sich ihm vorsichtig genähert, war ihm ums rechte Bein gestrichen und danach mit senkrecht erhobenem Schwanz davongegangen. Wie es dazu gekommen war, lässt sich nicht rekonstruieren. Er freute sich jedenfalls sehr darüber und dachte, nun hätte er sie für sich gewonnen.
Als junges Tier hatte sie eine porzellanzarte, rosarote Nase. Manchmal vergaß sie, die Zungenspitze ins Maul zurückzuziehen. Den Ausdruck ihres Gesichts hätte man dann als leicht besorgt umschreiben können. Sie erweckte ihr ganzes Leben lang den Eindruck, schwere Verantwortung zu tragen zu haben. Was für ein Ernst!
Was für ein zierlicher Körper! Was für kühle, weiche Pfoten! Wer keine Katzen mag, wird verständnislos den Kopf schütteln über diese Zeilen. Der Mann mit den zwei Augen konnte nicht anders, ihm gefielen Tiere. In deren Umgebung war ihm wohl, und die Freude, am Leben zu sein, flammte jeweils kurz in ihm auf. Von Pferden zum Beispiel wusste er, dass sie schlecht schlafen, wenn man sie nachts allein draußen lässt. Pferde bewachen wechselseitig ihren Schlaf. Dies zu wissen beglückte ihn.“

 
Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

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Matthias Zschokke, Harald Hartung, Mohsen Emadi, Claire Goll, Zbigniew Herbert

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Uit: Die strengen Frauen von Rosa Salva

„Anfang Januar lag in seinem Kasten ein Brief. Darin die Anfrage einer Kulturstiftung, ob er Lust und Zeit habe, zusammen mit seiner Familie ein halbes Jahr in einer venezianischen Wohnung zu residieren. Für alles sei gesorgt. Eine ortsansässige Frau werde ihm die Schlüssel überreichen und sich kümmern um sämtliche praktischen Probleme, die möglicherweise auftauchen könnten.
Er hatte keine Familie. Auch Freunde waren ihm nicht mehr viele geblieben, seitdem sich herumgesprochen hatte, dass er vom Glück auf beunruhigende Weise bevorzugt würde. Er fürchtete, die Einladung nach Venedig werde als weiterer Beweis für diesen Glücksverdacht betrachtet, worauf auch noch die letzten Bekannten den Kontakt zu ihm abbrechen – »sich mit Grausen von ihm abwenden« – würden. Doch I., die Frau, mit der zusammen er in Berlin lebte, hielt das für dummes Zeug. Sie kannte keine Angst vor dem Neid der Götter. Ihr gefiel die Vorstellung, ein halbes Jahr in Venedig zu verbringen. »Etwas Besseres als den Tod findest du überall«, sagte sie. Also nahm er die Einladung an.
01.06.
Letzte Mail aus Berlin an seinen Freund in Köln, nicht was man tut, wenn man gestochen ist, will ich wissen (Essigwickel, Zitronensäure, Muttispucke, Eiweißoder Siliceapaste usw.), sondern wie ich es anstellen soll, nachts nicht umsirrt zu werden, das möchte ich ein für alle Mal erfahren: Lavendelsträuße ins Zimmer, Zitronenbäume vors Fenster, einen Katzenkadaver auf den Fenstersims, Hausfledermäuse halten, Licht brennen lassen, Fenster geschlossen halten, im Durchzug liegen, sich vor dem Schlafengehen mit Franzbranntwein einreiben, mit Lebertran? Was hält Mücken davon ab, mir um die Ohren zu sirren und mich wach zu halten? Ab morgen muss ich die Antwort kennen.“

 
Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

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Matthias Zschokke, Harald Hartung, Mohsen Emadi, Claire Goll

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Uit: Lieber Niels

 

„1.1.04

Dein Fontane-Neujahrs-Gedicht ist schön, ja – ich habe es erst gelesen, nachdem ich meins schon losgeschickt hatte (lustig, wie einfach wir werden in unseren Vorlieben) –, und Deine virtuelle Skyline mit Silvesterknallern ist ein Märchen. Kein Internettand, sondern Kunst. Ich wollte sie kopieren und weiterschicken, das schaffte ich nicht. Es soll auch so bleiben: ein Unikat für mich. Danke.

Gestern Abend war ich eingeladen zu einem veritablen Silvesteressen mit Herren und Damen in Anzügen. Etwa 25 Leute, davon mindestens zehn Psychoanalytiker. Die Gastgeber, ein Analytikerpaar, sind mit dem Maler Manfred Schling befreundet, über den ich sie kennengelernt habe. Sie residieren in einer zweihundertvierzig Quadratmeter großen Wohnung im Bayrischen Viertel, sehr schön. Der Abend verlief überraschend heiter und unverkrampft. Obwohl ich viel getrunken habe, stand ich heute mit klarem Kopf auf und beginne das neue Jahr einigermaßen nüchtern.

Die Gastgeber besitzen die Köhlmeier-CDs. Ich habe sie nun gesehen: Es sind drei Kassetten à 5 CDs, Titel Die Sagen des klassischen Altertums, produziert vom ORF. Meinst Du, es gibt eine Möglichkeit, die irgendwo im Internet antiquarisch aufzutreiben? Ich hoffe, auch Du bist gut gerutscht und startest zuversichtlich. Es soll einmal mehr unser Jahr werden!

2.1.04

Michael Johannes Maria Köhlmeier heißt er … Ob die Aufnahme wohl wirklich so gut ist, dass keiner, der sie hat, sie loswerden will? So werde ich diese entfernt Bekannten bitten müssen, sie mir zu brennen … Nein, das bringe ich nicht über mich. Werde halt auf K. verzichten und weiterhin nichts vom griechischen Altertum wissen. Ist ja kein Unglück.”

 

 

Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

Doorgaan met het lezen van “Matthias Zschokke, Harald Hartung, Mohsen Emadi, Claire Goll”

Harald Hartung, Matthias Zschokke, Mohsen Emadi

De Duitse schrijver, dichter en literatuurwetenschapper Harald Hartung werd geboren op 29 oktober 1932 in Heme. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2010 en eveneens alle tags voor Harald Hartung op dit blog.

 

Uit: Der Tag vor dem Abend

Gestern abend auf dem Belvedere unter den Sternen

Vor einiger Zeit blätterte ich in Kafkas Tagebüchern, in denen ich lange nicht gelesen hatte, und stieß auf eine Stelle, von der ein eigentümlicher kleiner Glanz ausging. Sie ging mir nach, und als ich sie wieder lesen wollte, entzog sie sich meinem nervösen Suchen. Das steigerte meine Faszination, leider nicht meine Geduld. Die Frage nach Kafkas Sätzen brachte mich auf die Sache zurück. Nun las ich noch einmal von Anfang und kam an vielen wunderbaren Einträgen vorüber; gleich zu Anfang der Befund »Meine Ohrmuschel fühlte sich frisch, rauh, kühl, saftig an wie ein Blatt.« Dann der berühmte Satz, daß Schriftsteller Gestank reden; oder der nicht minder berühmte, wonach ein wahllos hingeschriebener Satz – bei ihm, Kafka – bereits vollkommen sei.

Ich eilte an all dem vorüber – im Vorschein des erinnerten Glanzes. Und natürlich fand ich die Stelle, fand sie auf halber Strecke, unter dem Datum des 13. August 1913: »Gestern abend auf dem Belvedere unter den Sternen.« Das war es also, und ich war fast ein bißchen enttäuscht. Das verheißungsvolle Halbvergessene schien mir plötzlich bloß ein simples Notat. Nun gut, dachte ich, aber dann hast du wenigstens etwas, das nicht nach Kafka klingt. Man sieht, meine Ungeduld war noch immer virulent. Doch etwas hielt mich fest. Etwas wie Treue zu meinem ersten Eindruck.

Ich hatte den Gestus der Stelle unterschätzt. Kafka scheint für diese knappe Notiz frei von aller quälenden und selbstquälerischen Reflexion. Frei für einen zeitlosen Moment, frei für eine Epiphanie, die er gar nicht weiter bezeichnet. Vielleicht weil sie ihm an einem vertrauten Ziel vieler Spaziergänge erscheint, in den Kronprinz-Rudolf- Anlagen, wie sie damals hießen. Das Belvedere, das vielen Prag-Besuchern vertraute Lustschloß auf dem Hradschin, gibt nur den Fixpunkt. Von ihm aus öffnet sich der Raum.

Ganz ohne Deutung, ohne kosmische Idee. Kafka kommt ohne Kants gestirnten Himmel aus. Er sieht sich in der einfachsten, größten Konstellation: »unter den Sternen«. Das kann jeder sagen, und doch ist es hier wie zum ersten Mal gesagt. Und versiegelt dem, der es ausdeuten möchte, die Lippen.

Aus dem Wintersemester 1957/58. Als der Landvermesser K. mit Frieda in der Bierpfütze lag, wollte mein Sofa brennen. Etwas glühende Asche vom gußeisernen Ofen hatte Flämmchen an meiner zerschlissenen Wolldecke aufzüngeln lassen. Ich sprang ins Nebengemach und griff nach der Waschschüssel, in der zum Glück noch Wasser war.”

 

Harald Hartung (Herne, 29 oktober 1932)

Herne, Schloss Strünkede

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Harald Hartung, Matthias Zschokke, Claire Goll, Mohsen Emadi, Zbigniew Herbert

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Vergessene Zeile

Gestern sehr früh fiel mir eine Zeile ein
Sie handelte vom Tod und begann Der Tod…
dann folgte etwas wie eine Behauptung

Sie schien mir gut und tröstete mich zugleich
so daß ich liegen blieb und mein Glück genoß

Dann stand ich auf Der Tod ist … probierte ich
und hatte vergessen wie es weiterging

Der Tod ist eine vergessene Zeile.

 

Mantegnas Sebastian

Ich zählte alle Pfeile

die er an seinem Leib trägt

die Stellen wo sie eintreten

die Stellen wo sie austreten

auch die verdeckten

und vergaß über meinem Zählen

den eigenen Schmerz

Ich trat hinaus in das Licht des Kanals

Zwischen Schmutz

und dümpelnden Plastikflaschen

trieb bäuchlings ein Teddybär

Da trat mir das Salz ins Aug

 

Blick in den Hof

Während es anfängt zu schneien

schaukelt das Mädchen im Hof

schaukelt sich tief

ins wachsende weiße Dunkel

Glück ist ein Sekundenschlaf

Ich schaue auf, die leere Schaukel

schwingt noch ein wenig nach

 

Harald Hartung (Herne, 29 oktober 1932)

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Harald Hartung, Matthias Zschokke, Claire Goll, Mohsen Emadi, Zbigniew Herbert, Dominick Dunne, Aleksandr Zinovjev, Georg Engel, Jean Giraudoux, André Chénier

De Duitse schrijver, dichter en literatuurwetenschapper Harald Hartung werd geboren op 29 oktober 1932 in Heme. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006 en ook mijn blog van 29 oktober 2008 en ook mijn blog van 29 oktober 2009.

Vor dem Frost

Du räumst die Blumenkästen
vom Balkon und trägst
den Oleander ins Treppenhaus

die Nächte werden kalt sagst du
Wärme geht von dir aus

 

 An die Wand gemalt

Der an die Wand gemalte
Teufel fiel aus dem Rahmen
und griff zum Fleischerhaken

Unter die Tische gerutscht
beschlossen wir
vegetarisch zu leben

Im Garten
geschah das Unerhörte:
die Rosen trieben Menschenohren.

 

Auf den Tod von Inger Christensen

Diese ältere Dame
aaaaabebrillt wie eine Provinzlehrerin:
Aus ihren Gläsern blickte
aaaaaetwas jenseits von Kälte und Feuer
Einmal nach einigen Drinks
aaaaasteckte sie die Zigarette verkehrt
in den Mund und lachte noch
aaaaaJeder schloß seine Augen wenn sie las
diese dänische Musik!
aaaaaSommervögel sah man die gaukelten
über einem heißen Tal
aaaaaSommervögel oder Totenvögel
Ihr Alphabet ging bis
n
aaaaaDann würden die Worte weiterwuchern
als Zellen oder Zeilen
aaaaains Weiß das die ewige Fülle ist

 hartung

Harald Hartung (Herne, 29 oktober 1932)

 

De Zwitserse dichter, schrijver en filmmaker Matthias Zschokke werd geboren op 29 oktober 1954 in Bern. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008 en ook mijn blog van 29 oktober 2009.

Uit: Am Meer

Gestern noch saß er auf der Hotelterrasse, schaute der Sonne zu, wie sie im Meer versank, versuchte, etwas dabei zu empfinden, Poetisches, Melodiöses, doch er sah nur die Kugel wegtauchen und war gleichmütig; dann stand er auf, und sie gingen zusammen essen, einen gegrillten Fisch mit Knoblauch und Bratkartoffeln, Salat, dazu tranken sie Wein; dann verließen sie das Restaurant, er schaute in den schwarzen Himmel, sah zwei, drei Sternschnuppen fallen, dachte daran, daß er sich bei der nächsten etwas wünschen sollte, überlegte, was er sich denn wünschen könnte, betrachtete das Gefunkel, sah keine weitere Sternschnuppe fallen; sie schlenderten am Ufer entlang zurück, legten sich ins Bett, hörten dem Meer zu und freuten sich aufs Einschlafen. Am folgenden Morgen war er kalt. So schnell geht das.
Sie war immer ruhig, wenn er draußen auf der Terrasse saß und der Sonne zuschaute oder den Sternen. Er guckte übelgelaunt und langweilte sich; zu Himmelskörpern fiel ihm nichts ein. Eigentlich saß er nur da, weil er nichts anderes mit sich anzufangen wußte. Er wartete auf sie, auf ihre Vorschläge. Und wenn es ihm zu lange dauerte, wurde er plötzlich wütend, sprang auf und rief hinein, er warte nicht mehr länger, er wisse, wie eine Sonne untergehe, er kenne das Meer, sie solle endlich voranmachen. Er trat ungeduldig an die Brüstung, ging auf und ab, drängelte, und sie mußte sich schnell anziehen und mit ihm das Zimmer verlassen. Doch schon im Treppenhaus verlangsamte er seine Schritte und wußte nicht weiter. Dann schaute er sie mißmutig an und erwartete, daß sie die Richtung vorgebe; kaum waren sie draußen ein paar Meter weiter gegangen, verlangte er, daß sie ihm erzählte, was sie tagsüber gedacht hatte. Ihre Sätze kommentierte er kaum. Er ging bloß neben ihr her und starrte mürrisch übers Meer. Und wenn sich im Gebüsch etwas regte, blieb er stehen, beugte sich vor, hielt den Atem an und versuchte herauszufinden, was da raschelte. Egal, ob sie gerade mitten in einem Satz steckte, er hörte ihr nicht weiter zu, um – wie nicht anders zu erwarten – jeweils eine Eidechse zu entdecken oder einen kleinen, grauen Vogel, irgendein alltägliches Tier halt, das an Straßenrändern, unter Sträuchern seine Zeit verbringt.
Jetzt sitzt er nicht mehr draußen auf der Terrasse, um der Sonne zuzuschauen, wie sie im Meer versinkt; und sie weiß nicht mehr, was die Terrasse soll, was die Sonne soll, das Meer – das kommt ihr alles leer vor, ohne Sinn, denn es muß doch von einem gesehen werden, wenn es etwas sein will.“

zschokke

 Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

 

De Duits – Franse schrijfster Claire Goll werd geboren op 29 oktober 1890 in Nürnberg. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006 en ook mijn blog van 29 oktober 2007 en ook mijn blog van 29 oktober 2008 en ook mijn blog van 29 oktober 2009.

Nie wieder

Das hab ich nie mehr gewollt
um das Telefon streichen am Fenster stehn
keinen Schritt aus dem Haus gehn Gespenster sehn
Das hab ich nie mehr gewollt

Das hab ich nie mehr gewollt
Briefe die triefen schreiben zerreißen
mich linksseitig quälen bis zu den Nägeln
Das hab ich nie gewollt

Das hab ich nie gewollt
Soll dich der Teufel holen.
Herbringen. Schnell.
Mehr hab ich das nie gewollt.

 

Entsündigung

Unter einem zärtlichen Mimosenbaum
Voll gelber Lächeln
Lieg ich –
Ohne die schamlosen Kleider
Ohne Stöckelschuhe, ohne Schmuck
Und Hut und Handschuh,
Den ganzen Kram der Stadt,
Die arme Verkleidung.
Nackt und fühlend an der riesigen Erde,
Die ich schüchtern in kleine Arme presse,
Und über mir der große Wind,
Der Weltreisende…
O sich in Blumen wiederzufinden,
O nur noch Erde zu sein!

Als ich noch eitel durch die Stadtstraßen ging,
Als ich noch wichtig am Postschalter stand
Oder beim Friseur die Haare kräuselte
– Während Mimosen von mir träumten –
Als ich mir noch die Nägel manikürte
Und nur daran dachte, zu gefallen, …
Als ich ganz mittellos an Seele war,
Hörte ich aus den Körben der Händler
Mimosen wild hinausschrein –
Dem Nichts, dem Kehricht, dem Tod entgegen –
Da floh ich ihren blonden Wäldern zu.

 

Sept Souhaits

Que ne suis-je le bandeau autour de ton front
Si proche de tes pensées!

Que ne suis-je le grain de maïs
Qu’écrasent tes dents de chat sauvage!

Que ne suis-je à ton cou la turquoise,
Chaude de la tempête de ton sang!

Que ne suis-je la laine multicolore
Du métier à tisser, qui glisse entre tes doigts!

Que ne suis-je la tunique de velours
Sur le flux et le reflux de ton coeur!

Que ne suis-je le sable dans tes mocassins
Qui ose caresser tes orteils!

Que ne suis-je ton rêve nocturne
Lorsque dans les bras noirs du sommeil, tu gémis!

 goll

 Claire Goll (29 oktober 1890 – 30 mei 1977)

 

De Iraanse dichter en vertaler Mohsen Emadi werd geboren op 29 oktober 1976 in Teheran. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008 en ook mijn blog van 29 oktober 2009.

From The mute despair

1
I write of your eyes
the words melt into water
I drink the text
poisoned, I wander the alleyways
strange passers-by become poisoned
and beautiful

your beauty
embraces a deranged child
and walk her in the streets
I paint you with that child in your arms
on the coffin of words.
you walk
the distance between your barefeet and the earth
catches fire.

from my mother-tongue
I spread out a carpet under your feet
to dance on.
watching you
I scatter a poem of ashes
in my voice.

 

The Portrait of a Cat in the Evening

We were throwing our despair out of the rooms
and shouting: Be gone!
If a door stayed half-open carelessly
she would creep in to watch us with her only seeing eye
the wound of her blind eye
might have opened up to devour us
we would shut the doors and our despair, at last
would go out to play with the children.

One night
we came back to our rooms
locked up all the doors.
We had seen the children and her
who was running
running towards us in flames.

In the morning, on all fours
we were walking in the alleyways
the passers-by fleeing
people slamming the doors shut
and we
saying entreatingly: Mew, Mew! Mew, Mew!

emadi

Mohsen Emadi (Teheran, 29 oktober 1976)

 

De Poolse dichter, schrijver en essayist Zbigniew Herbert werd geboren op 29 oktober 1924 in Lemberg. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008 en ook mijn blog van 29 oktober 2009.

A ballad that we do not perish

Those who sailed at dawn
but will never return
left their trace on a wave–

a shell fell to the bottom of the sea
beautiful as lips turned to stone

those who walked on a sandy road
but could not reach the shuttered windows
though they already saw the roofs–

they have found shelter in a bell of air

but those who leave behind only
a room grown cold a few books
an empty inkwell white paper–

in truth they have not completely died
their whisper travels through thickets of wallpaper
their level head still lives in the ceiling

their paradise was made of air
of water lime and earth an angel of wind
will pulverize the body in its hand
they will be
carried over the meadows of this world.

 

Report From Paradise

In paradise the work week is fixed at thirty hours
salaries are higher prices steadily go down
manual labour is not tiring (because of reduced gravity)
chopping wood is no harder than typing
the social system is stable and the rulers are wise
really in paradise one is better off than in whatever country

At first it was to have been different
luminous circles choirs and degrees of abstraction
but they were not able to separate exactly
the soul from the flesh and so it would come here
with a drop of fat a thread of muscle
it was necessary to face the consequences
to mix a grain of the absolute with a grain of clay
one more departure from doctrine the last departure
only John foresaw it: you will be resurrected in the flesh

not many behold God
he is only for those of 100 per cent pneuma
the rest listen to communiqués about miracles and floods
some day God will be seen by all
when it will happen nobody knows

As it is now every Saturday at noon
sirens sweetly bellow
and from the factories go the heavenly proletarians
awkwardly under their arms they carry their wings like violins.

herbert

Zbigniew Herbert (29 oktober 1924 – 28 juli 1998)
Buste in Kielce (Laan van beroemdheden)

 

De Amerikaanse schrijver Dominick Dunne werd geboren op 29 oktober 1925 in Hartford, Connecticut. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008 en ook mijn blog van 29 oktober 2009.

Uit: Too Much Money

„Elias Renthal’s release from the federal prison in Las Vegas, Nevada, did not make the front pages of any of the New York papers. While Elias was living out his final moments as a convict, Adele Harcourt died at her apartment on Park Avenue, all alone except for Lil Altemus, who had just told Adele of the name change of the Manhattan Public Library, which would now be called the Konstantin and Perla Zacharias Library, in return for a $100 million gift, to be paid in the full amount, not in increments, from the Konstantin Zacharias Foundation. “She just closed her eyes and died, poor darling,” said Lil.

The next day Adele’s picture was on the front page of every New York paper, and her death was the lead story on all the local news programs. To the relief of Ruby Renthal, who had social aspirations, her husband Elias’s release-from-prison pictures were on the financial pages only and took second place in that section to the story of Leonard Watson’s prison sentence of 24 years for robbing his stockholders of $100 million.

Simon Cabot, in London, heard the news of Adele Harcourt’s death from Perla Zacharias, whose cook was a friend of Adele’s former butler, George, who had been relieved of his job by Mrs. Harcourt’s nephew from Wyoming, who felt that since Adele no longer went about in society she didn’t need a butler. George, whom Ruby had recently hired to be her butler at the house on 78th Street, kept up through hourly telephone calls with the maids still in Mrs. Harcourt’s employ, so concerned was he over the great lady, whom he had served for so many years. George called Perla’s cook one minute after Adele drew her last breath, and one and a half minutes later Perla Zacharias, who admired Adele Harcourt over any person and whose mantle she wanted to assume in New York society, loved having the news of such a piece of social history to pass on to Simon Cabot.“

dunne

Dominick Dunne (29 oktober 1925 – 26 augustus 2009)

 

De Russische schrijver en wetenschapsfilosoof Aleksandr Aleksandrovitsj Zinovjev  werd geboren in Pachtino op 29 oktober 1922. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006 en ook mijn blog van 29 oktober 2008 en ook mijn blog van 29 oktober 2009.

Uit: Perestroika in Partygrad (Vertaald door Charles Janson)

„In the old days Partygrad was closed to foreigners. For two reasons.

First, because there was nothing to show them. True, there were a few churches, but without any historical or architectural interest. And all were shut except the most wretched one of all. There was

indeed an old monastery, but they’d put an anti-religious museum in it. In Partygrad one couldn’t even find painted spoons, saucers or matryoshka dolls (which the West regards as the highest achievements of Russian national culture, though they’ve been made in Finland for a long time now). In the whole of Partygrad there was only one samovar, and that was in the museum of folklore.

The second reason why Partygrad was closed to foreigners was that it had a lot that foreigners shouldn’t see: many military factories and schools, a chemical complex which turned out not so much

washing-powder as – more to the point – a secret weapon, a microbiological centre for ultra-secret research and a psychiatric hospital with the most lurid reputation in dissident circles. Corrective labour camps were sited round the town, also well known to dissidents; and an atomic factory which, though devoted to peaceful ends, had still managed to turn the whole region into a highly radioactive zone. But what foreigners above all must not see were the monstrous dwellings of the people, the empty shops, the long queues and all the other attributes of Russian provincial life. But when Gorbachev began his perestroika there a fundamental change came about. Not in the sense that the country or the life got bettersometimes they became worse. What did happen was that the government’s view of the country and its life worsened. Thus the first period of Soviet history ended: the fault-hiding period; and a new epoch began when deficiencies were laid bare and officially acknowledged. Moreover, the authorities laid the faults bare not so much to their own citizens, who’d been quite aware of them without official guidance, but also to the West. It is not too much to say that the Soviet authorities initiated an orgy of admiration of their own ulcers and of boasting about them to the West.

This breakthrough coincided with the breakthrough in Soviet- Western relations. The West became interested not in the defects of the Soviet way of life but in the fact that Soviet officials recognized the presence of the defects; so that the recognition itself became the greatest virtue of the Soviet way of life.“

Zinovjev (

Aleksandr Zinovjev (29 oktober 1922 – 10 mei 2006)

 

De Duitse schrijver Georg Julius Leopold Engel werd geboren op 29 oktober 1866 in Greifswald. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008.

Uit: Die Last

 „Es war Tag geworden.

Noch immer rieselte der Regen und troff an den kleinen Fenstern der Krankenstube herunter. Bleigraues Licht stahl sich zögernd durch die Gardinen und mischte sich mit dem Schein der Lampe, die auch jetzt noch vor dem Bette brannte.

Auf dem großen Bauerngutshof erwachte einiges Leben. Man hörte zuweilen ein dumpfes Aufbrüllen der Kühe, und dazwischen das vereinzelte Rufen der Knechte. Doch klang alles gedämpft, als fürchte man, die Kranke zu stören.

Etwas Totes, Gedrücktes lag über dem Gehöft; und je mehr das trübe Sonnenlicht vorrückte, in desto größere Lautlosigkeit verfiel das Anwesen.

In dem weiten, zur ebenen Erde gelegenen Zimmer wurde ein schwacher Ruf laut. Kränklich, hohl, gebrochen, ein wenig gereizt klang er, aber so leise die Stimme auch flüsterte, sofort fuhr aus dem ledernen Sessel neben dem Bette ein Mann von mächtiger, imposanter Gestalt auf, rieb sich ein wenig die Augen, strich ein paarmal energisch über seine dicken, kurzgeschorenen Haare und legte dann seine Finger behutsam auf die Hand der leidenden Frau.

»Na, Elsing,« forschte er aufmunternd, wobei er seine Stimme soviel als möglich herabdämpfte, »geht’s ein bißchen besser?«

Statt einer Antwort rang die Angeredete die Hände und vergrub ihr Antlitz in die Kissen: »Du lieber Gott,« stöhnte sie leise, und es war beinahe, als ob aus dem weißen Linnen ein Schluchzen dränge.

Der Mann ließ seine Hand aufs Knie sinken und starrte auf den hellen, sandbestreuten Estrich der Stube.

Plötzlich warf sich das junge Weib herum und forschte hastig: »Du bist wohl eingeschlafen, Wilms?«

Seltsam, – neidisch fast schien die Frage.

»Ja, ich bin ein wenig eingenickt,« gab der Gatte zu. Und wieder konnte man leise Entschuldigung aus den Worten hören. »Ich sitz’ ja nun auch bald die vierte Nacht so,« murmelte er halb für sich.“

engel

Georg Engel (29 oktober 1866 – 19 oktober 1931)
Greifswald, Fischmarkt (Geen portret beschikbaar)

 

De Franse schrijver, toneelauteur en beroepsdiplomaat Jean Giraudoux werd geboren op 29 oktober 1882 in Bellac/Haute-Vienne. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006 en ook mijn blog van 29 oktober 2008.

Uit: La guerre de Troie n’aura pas lieu

„HECTOR
Écoute-là, Cassandre, Écoute ce bloc de négation qui dit oui ! Tous m’ont cédé. Pâris m’a cédé, Priam m’a cédé, Hélène me cède. Et je sens qu’au contraire dans chacune de ces victoires apparentes, j’ai perdu. On croit lutter contre des géants, on va les vaincre, et il se trouve qu’on lutte contre quelque chose d’inflexible qui est un reflet sur la rétine d’une femme. Tu as beau me dire oui, Hélène, tu es comble d’une obstination qui me nargue !
HÉLÈNE
C’est possible. Mais je n’y peux rien. Ce n’est pas la mienne.
HECTOR
Par quelle divagation le monde a-t-il été placé son miroir dans cette tête obtuse.
HÉLÈNE
C’est regrettable, évidemment. Mais vous voyez un moyen de vaincre l’obstination des miroirs ?
HECTOR
Oui. C’est à celà que je songe depuis un moment.
HÉLÈNE
Si on les brise, ce qu’ils reflètaient n’en demeure peut-être pas moins ?
HECTOR
C’est là toute la question.
AUTRE MESSAGER
Hector, hâte-toi. La plage est en révolte. Les navires des Grecs sont en vue, et ils ont hissé leur pavillon non au ramat mais à l’écoutière. L’honneur de notre marine est en jeu. Priam craint que l’envoyé ne soit massacré à son débarquement.
HECTOR
Je te confie Hélène, Cassandre. J’enverrai mes ordres.“

Giraudoux (.jpg

Jean Giraudoux (29 oktober 1882 –  31 januari 1944)

 

De Franse dichter André Chénier (eigentlich André Marie Chénier ofde Chénier) werd geboren op 29 oktober 1762 in Galata bij Constantinopel. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008.

Art d’aimer, fragment III

Ainsi le jeune amant, seul, loin de ses délices,
S’assied sous un mélèze au bord des précipices,
Et là, revoit la lettre où, dans un doux ennui,
Sa belle amante pleure et ne vit que pour lui.
Il savoure à loisir ces lignes qu’il dévore ;
Il les lit, les relit et les relit encore,
Baise la feuille aimée et la porte à son coeur.
Tout à coup de ses doigts l’aquilon ravisseur
Vient, l’emporte et s’enfuit. Dieux ! il se lève, il crie,
Il voit, par le vallon, par l’air, par la prairie,
Fuir avec ce papier, cher soutien de ses jours,
Son âme et tout lui-même et toutes ses amours.
Il tremble de douleur, de crainte, de colère.
Dans ses yeux égarés roule une larme amère.
Il se jette en aveugle, à le suivre empressé,
Court, saute, vole, et l’oeil sur lui toujours fixé,
Franchit torrents, buissons, rochers, pendantes cimes,
Et l’atteint, hors d’haleine, à travers les abîmes.

Chénier

André Chénier (29 oktober 1762 – 25 juli 1794)

Claire Goll, Harald Hartung, Matthias Zschokke, Zbigniew Herbert, Mohsen Emadi, Dominick Dunne, Aleksandr Zinovjev, Georg Engel, Jean Giraudoux, André Chénier

De Duits – Franse schrijfster Claire Goll werd geboren op 29 oktober 1890 in Nürnberg. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006 en ook mijn blog van 29 oktober 2007 en ook mijn blog van 29 oktober 2008.

 

Ich hab dich beten hören nebenan

Ich hab dich beten hören nebenan:
Es klang wie Orgel,
Wie Brunnenseufzer zur Nacht,
Wie Wind der über biblische
Städte und Meere gereist.

Auch Kinderglaube war in deinem Gebet,
Segen der Väter,
Hingabe an das fernste Leid,
Demut vor Verstorbenem,
So viel Liebe für alles was lebt…

Wie gern hätt ich deine Hand geküßt,
Die gefaltete, aber wo einer kniet
Ist immer ein Engel zugegen.
Ich hab dich beten hören nebenan:
Es klang wie ein neuer Psalm Davids,
Der den Goliath in sich erschlug

 

Klage um Ivan

 

Immer träum ich davon dir nachzusterben:
Aber eine künftige Rose
Bedarf vielleicht meiner Tränen
Um zu wachsen

 

Immer träum ich davon dir nachzusterben:
Aber ein leidenschaftlicher Reim
Bedarf vielleicht meiner Feder
Um dich zu singen

 

Immer träum ich davon dir nachzusterben:
Aber ein Takt von Bartok
Bedarf vielleicht meines Ohrs
um neu zu tönen

 

 

Angina

 

Über den Brunnen deiner Kehle gebeugt
Sah ich deine Mandeln rosiger
Als die Blüten des Mandelbaums
Sah das Instrument das hervorbringt
Das seltene Hochzeitsgedicht

 

Hier haben deine Küsse ihren Ursprung
Reichen verzweigt hinunter in dein Herz
Hier wird die Stimme geboren
Die ich der Harfe des Engels vorziehe
Hier entspringt der Quell deines Lachens

 

Der mich mehr berauscht als die Orgel
Der kirchlichen Feste
In diesem rosa wattierten Schrein
Liegen verstreut die kostbaren Namen
Mit denen zur Nacht du mich schmückst

 

Und von Schwindel ergriffen
Über dem Zauber-Brunnen
Sah ich ihn plötzlich vertrocknet
Seine Seufzer versteint
Durch die Zeit. Anstelle
Der purpurnen Lieder
Den allesvernichtenden Staub.

 

Goll-Clair

Claire Goll (29 oktober 1890 – 30 mei 1977)

 

 

 

De Duitse schrijver,dichter en literatuurwetenschapper Harald Hartung werd geboren op 29 oktober 1932 in Heme. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006 en ook mijn blog van 29 oktober 2008.

 

Weißer Jahrgang

Ach die dicke Berta
Schwarm meines dritten Schuljahrs
ein schweres Geschütz
Die Mädchen kamen später
Vorher das Seitengewehr
die Blutrinne sah kein Blut
Mein Engel machte eine Aktennotiz

 

Die heiße Ofenplatte

Als Kind weil ich noch kein Geheimnis hatte
schrieb ich es auf mit Milch auf Briefpapier
und tat es auf die heiße Ofenplatte
bis Schrift erschien die bräunlich war wie Bier
Notrufe schrieb ich: SOS, die Emden
versinkt – das war symphonisches Gefühl
Ich zeigte meine Blätter keinem Fremden
das Fremde selbst, das Sterben kam zu mir

Es kam dann echt als fehlte der Beweis
Ein Landser (Bauchschuß) lag im Straßengraben
Ein Junge noch der nach der Mutter rief
Er sah mich an, er hielt den Kopf so schief
Die andern Landser trieb es fort sie haben
ihn da gelassen, und der Mai war heiß

 

Hartung

Harald Hartung (Herne, 29 oktober 1932)

 

De Zwitserse dichter, schrijver en filmmaker Matthias Zschokke werd geboren op 29 oktober 1954 in Bern. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008.

Uit: Auf Reisen

 

“WEIMAR. In der Berliner Bahnhofsbuchhandlung überblätterte ich ein paar Reiseführer. Alle waren sich in einem Punkt einig: Zu einem Ausflug in die deutsche Klassik gehört Lotte in Weimar von Thomas Mann. Also kaufte ich das Buch und setzte mich in den Zug.  Die Fahrt ist schön. Links und rechts endlos flaches Land – das untere Fünftel des Zugfensters einnehmend –, darüber riesig der Himmel. Manchmal ein knorriger Baum, ein Teich, ein Wildschwein, dunkle, dicke Vögel. Man schaut hinaus und wird ganz ruhig. Ab und zu dachte ich: Caspar David Friedrich. Dann begann ich zu lesen. Himmel und Gemüt verdunkelten sich; was für ein entsetzliches Buch. Ohne einmal Luft zu holen, dröhnt es einem den Kopf voll mit besessen zusammengehamstertem Wissensballast, verschmockt altertümelnd vorgetragen. Geblieben ist mir davon nur, daß Goethe Caspar David Fried­rich nicht mochte und fand, man könne dessen Bilder ebensogut verkehrt herum aufhängen. Dann kam ich in Weimar an. Es schneite, stürmte und blitzte (ein Schneegewitter, höchst selten, wie tags darauf in der „Thüringer Allgemeinen“ stand). Ein Taxi brachte mich zum Goethehaus am Frauenplan; ich nahm an, dort sei das Zentrum.

Die Stadt ist jedoch sehr klein. Die Sorge, ins Abseits zu geraten, ist überflüssig. Hundert Meter weiter, am Wielandplatz, steht das Christliche Hotel „Amalienhof“ mit seiner klassizistischen Fassade (wie ich erfuhr, das einzige Hotel, das alle Revolutionen und Renovationen überstanden hat und deshalb unter Denkmalschutz steht). Ich fragte nach einem Zimmer, einem großen, bitte, worauf die Frau an der Rezeption freundlich antwortete: „Wir haben nur große, aber die Suite ist auch frei, die können Sie zum normalen Zimmerpreis haben; riecht zwar ein wenig nach Farbe, es wurde frisch gestrichen, aber wenn Sie das nicht stört?“ Und sie führte mich in einen herrschaftlichen Salon mit Schlafzimmer und Bad.

Ganz Weimar wimmelte von freundlichen Leuten, sogar den Dialekt mochte ich gern hören. Kellner und Kellnerinnen erinnerten an Zöglinge aus hochgelegenen Internaten. Sie lachten vor Aufregung, wurden beim Bedienen rot aus Verlegenheit, vergaßen, von welcher Seite auf-, von welcher abgetragen wird, baten um Verzeihung – entzückend. Die Wärterinnen in den Museen und Wohnhäusern musterten mich mißtrauisch, wie freilaufende Katzen mit schlechten Erfahrungen, doch kaum fragte ich sie etwas, tauten sie auf und entpuppten sich als hervorragende Kennerinnen der Exponate, die sie beaufsichtigen. Aus Berlin bin ich Aufpasser gewohnt, die „Sssssurückbleim“ knurren, wenn ich zu nah an ein Bild trete. Den Rest der Zeit starren sie trotzig vor sich hin.

Nie würde ich dort wagen, jemanden um Erläuterungen zu bitten; er ist schließlich kein Auskunftsbüro, sondern zum Schutz der Objekte bestellt. Ebenso wie Kellner und Verkäuferinnen dort nicht dazu da sind, Gäste oder Kunden zu beglücken, sondern sie zu ernüchtern und gefügig, wenn nicht sogar niederzumachen.

In Weimar herrscht ein anderer Ton. Im Schillerhaus – dem anrührendsten der diversen Dichterwohnhäuser – stand ich vor einem Nähkästchen. Die Aufpasserin erklärte, das habe Schiller seinem Diener zu dessen Hochzeit anfertigen lassen, und die Tränen sind mir in die Augen geschossen, so rührend kam mir das Tischchen vor. Oben, im Arbeits- und Sterbezimmer, wurde ich wieder schier übermannt; da erzählte sie mir angesichts des schmalen Betts, unter was für entsetzlichen Qualen Schiller hier – man könne es nicht anders sagen – verreckt sei; sie habe gerade eine frühe Biographie gelesen, nichts Seriöses, aber das Herz sei ihr fast zerbrochen dabei. Und hier, nebenan, in der winzigen Mansarde, hier habe er gewöhnlich geschlafen, auf einer Matratze am Boden. Das Bett habe er sich erst zuletzt, wegen seiner Krankheit, ins Schreibzimmer stellen lassen. Und überall diese Tapeten aus Kassel – was für märchenhafte Tapeten!”

 

Zschokke

Matthias Zschokke (Bern, 29 oktober 1954)

 

De Poolse dichter, schrijver en essayist Zbigniew Herbert werd geboren op 29 oktober 1924 in Lemberg. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008.

Two Drops

No time to grieve for roses, when the forests are burning.
—Juliusz Słowacki

The forests were on fire—
they however
wreathed their necks with their hands
like bouquets of roses

People ran to the shelters—
he said his wife had hair
in whose depths one could hide

Covered by one blanket
they whispered shameless words
the litany of those who love

When it got very bad
they leapt into each other’s eyes
and shut them firmly

So firmly they did not feel the flames
when they came up to the eyelashes

To the end they were brave
To the end they were faithful
To the end they were similar
like two drops
stuck at the edge of a face

 

About Troy

 

1

 

Troy O Troy

an archeologist

will sift your ashes through his fingers

yet a fire occurred greater than that of the Iliad

for seven strings–

 

too few strings

one needs a chorus

a sea of laments

and thunder
of mountains

rain of stone

 

–how to lead

people away from the ruins

how to lead

the chorus from poems–

 

thinks the faultless poet

respectably mute

as a pillar of salt

–The song will escape unharmed

It escaped

with flaming wing

into a pure sky

 

The moon rises over the ruins

Troy O Troy

The city is silent

 

The poet struggles with his own shadow

The poet cries like a bird in the void

 

The moon repeats its landscape

gentle metal in smoldering ash

 

 

2

 

They walked along ravines of former streets

as if on a red sea of cinders

 

and wind lifted the red dust

faithfully painted the sunset of the city

 

They walked along ravines of former streets

they breathed on the frozen dawn in vain

 

they said: long years will pass

before the first house stands here

 

they walked along ravines of former streets

they thought they would find some traces

 

a cripple plays

on a harmonica

about the braids of a willow

about a girl

 

the poet is silent

rain falls

 

ZbigniewHerbert

Zbigniew Herbert (29 oktober 1924 – 28 juli 1998)

 

De Iraanse dichter en vertaler Mohsen Emadi werd geboren op 29 oktober 1976 in Teheran. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008.

 

Despair

We were throwing out our despair form the rooms and
were shouting  : Get Lost!
It was enought a door stayed opened carelessly,
to she creeps in and dazzles us with her only safe eye
and the wound of her blind eye
open up it’s mouth and devour us.
we were closing  the doors and at last our despair
was going out to play with children.

One night, we came back to our rooms
and locked up all the doors
We’d seen the children and
her who was running out toward us inflames.

early morning, on all fours
we were walkning in the alley,
the passangers were escaping,
the people were locking up the doors
and we were saying entreatyly : Mew!Mew!

 

Death

 

Didn’t I leave my hat in your voice, Madam?
-Yes, but the wind carried it with herself.
-And my shoes?
-They are here, two sparrows had made their home in.

I run,
Get naked,
The lavas of your voice twist in me,
I have no time to breath.
I trurn to stone,
In the gate of apogee and abyss.
next centuries,
It will be published a photo of me
The stony remained of Pompei’s volcaism
barefoot,
With no hat.

 

mohsen

Mohsen Emadi (Teheran, 29 oktober 1976)

 

De Amerikaanse schrijver Dominick Dunne werd geboren op 29 oktober 1925 in Hartford, Connecticut. Dominick Dunne overleed op 26 augustus van dit jaar. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2008.

 

Uit: Nightmare on Elm Drive

 

Seven months later, after the boys were arrested, I visited the house on Elm Drive. It is deceptive in size, far larger than one would imagine from the outside. You enter a spacious hallway with a white marble floor and a skylight above. Off the hallway on one side is an immense drawing room, forty feet in length. The lone piece of sheet music on the grand piano was “American Pie” by Don McLean. On the other side are a small paneled sitting room and a large dining room. At the far end of the hallway, in full view of the front door, is the television room, where Kitty and Jose spent their last evening together. On the back wall is a floor-to-ceiling bookcase, filled with books, many of them paperbacks, including the American-history novels of Gore Vidal, Jose’s favorite author. On the top shelf of the bookcase were sixty tennis trophies — all first place — that had been won over the years by Lyle and Erik.
Like a lot of houses of the movie nouveaux riches still in their social and business ris
e, the grand exterior is not matched by a grand interior. When the Menendez family bought the house, it was handsomely furnished, and they could have bought the furniture from the former owner for an extra $350,000, but they declined. With the exception of some reproduction Chippendale chairs in the dining room, the house is appallingly furnished with second-rate pieces; either the purchase price left nothing for interior decoration or there was just a lack of interest. In any case, your attention, once you are in the house, is not on the furniture. You are drawn, like a magnet, to the television room.”

 

dunne

Dominick Dunne (29 oktober 1925 – 26 augustus 2009)

 

Zie voor onderstaande schrijvers ook mijn blog van 29 oktober 2008.

 

De Russische schrijver en wetenschapsfilosoof Aleksandr Aleksandrovitsj Zinovjev  werd geboren in Pachtino op 29 oktober 1922. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006.

 

De Duitse schrijver Georg Julius Leopold Engel werd geboren op 29 oktober 1866 in Greifswald.

 

De Franse schrijver, toneelauteur en beroepsdiplomaat Jean Giraudoux werd geboren op 29 oktober 1882 in Bellac/Haute-Vienne. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2006.

 

De Franse dichter André Chénier (eigentlich André Marie Chénier ofde Chénier) werd geboren op 29 oktober 1762 in Galata bij Constantinopel.