Christoph Meckel, Wolfgang Herrndorf, Anne Frank, Renan Demirkan, Djuna Barnes, Sandro Penna, Johanna Spyri H. C. Artmann, Günter Nehm

De Duitse dichter, schrijver en graficus Christoph Meckel werd geboren op 12 juni 1935 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Christopher Meckel op dit blog.

Uit: Die Vampire

„Hier wurde Ihnen soeben bewiesen, dass man Glück haben kann. Schon 123 Tage weniger zu leben! Mein Herr, ich gratuliere Ihnen im Namen unseres zahlreichen Publikums! Man schob den Schützen zur Kasse. Die Dame im Kassenverschlag reichte ihm ein Papier, das er unterschrieb, zerknüllte und fortwarf. Ein älterer Herr zwängte sich nun durch, die Menge an den Schießstand, neue Bälle wurden aufgezogen, er bezahlte eine geringe Summe, der Harlekin legte ihm Pistolen und Gewehre zur Auswahl vor. Der Mann wählte ein Luftgewehr und begann zu schießen sobald die Leine sich straffte und in Bewegung setzte. Nach einigen hundert fehlerfreien Schüssen lief die Leine leer vorüber, der Mann setzte das Gewehr ab und erkundigte sich, warum er nicht weiterschießen könne. Bravo, meine Damen und Herren, bravo, bravo! rief die krächzende Stimme im Lautsprecher, wir machen Sie darauf aufmerksam: noch ein Schuss und wir sprechen uns an der Kasse wieder! Noch ein letzter fehlerfreier Schuss dieses Herrn vor Ihnen und alle Rekorde sind gebrochen! Beachten Sie den Schützen, meine Damen und Herrn, der nun das Gewehr wieder aufnimmt und auf den letzten Ball zielt.
Die erschlaffte Leine spannte sich, und ein kleiner, nicht nummerierter Holzball zog schnell durch die Schießbude. Der Schuss krachte, der Ball fiel in Splittern zu Boden. Das Publikum atmete auf; man klopfte dem Mann auf die Schulter und drängte ihn zur Kasse, aus dem Lautsprecher knatterte Tanzmusik. Die Dame im Kassenverschlag schob ein Papier durch die Schalteröffnung und der Mann unterschrieb. Er steckte das Papier in die Tasche, grüßte und wollte sich durch die Menge ins Freie drängen, blieb jedoch stehen, schwankte, verdrehte die Augen und fiel zu Boden. Zwei Harlekine, die bisher unbeschäftigt an den Seitenwinden der Schießbude gestanden hatten, rannten herbei und zogen den Toten aus der Menge und warfen ihn auf eine aus Brettern und Tüchern improvisierte Bahre, die sie eilig hinter die Dekorationen der Schießbude schleppten. Ein dritter Harlekin in Sportmütze und gelben Handschuhen trat aus den Dekorationen und fegte die Splitter der zerschossenen Holzbälle sorgfältig in einen Sack. Einige Zuschauer waren blass geworden, andere standen unsicher herum, aber der größte Teil der Zuschauermenge schien keine Ahnung zu haben, worum es sich handelte.
Ich begab mich sogleich hinter die Schießbude. Zwischen Wohnwagen und Gerumpel standen zwei Harlekine im nassen, zertretenen Boden und stopften den Toten in eine Kiste. Die Dame verließ den Kassenverschlag, steckte ein Pappschild mit der Aufschrift VORÜBERGEHEND GESCHLOSSEN an die Scheibe und schleppte sich hinter die Schießbude.“

 
Christoph Meckel (Berlijn, 12 juni 1935)

 

De Duitse schrijver, schilder en illustrator Wolfgang Herrndorf werd geboren op 12 juni 1965 in Hamburg. Zie ook alle tags voor Wolfgang Herrndorf op dit blog.

Uit: Sand

«Und interessiert mich das? Das kannst du irgendwem erzählen, deinen Briketts kannst du das erzählen, aber nicht mir.» Polidorio hatte sich Kaffee eingeschenkt und rührte ihn mit dem Kugelschreiber um. Die blauen Fensterläden waren geschlossen bis auf einen schmalen Spalt weißer Mittagshitze. «Und du kannst hier auch nicht einfach reinkommen und irgendwen anschleppen. Hollerith-Maschinen!
Du weißt nicht mal, was das ist. Und das interessiert mich nicht. Das Einzige, was mich interessiert, ist: Wo ist das passiert? Das ist in Tindirma passiert. Wer ist da zuständig? Also. Pack das da ein und verschwinde. Nein, rede nicht. Hör auf rumzureden. Seit einer Stunde redest du. Hör mir zu.»
Aber der Dicke hörte nicht zu. In einer verschmuddelten Uniform stand er vor Polidorios Schreibtisch, und er machte es wie alle hier. Wenn sie nicht kooperieren wollten, redeten sie irgendeinen Unsinn. Wenn man sie dazu befragte, redeten sie einen anderen Unsinn.
Polidorio hatte ihm weder Kaffee noch einen Stuhl angeboten, und er duzte ihn, obwohl der Mann dreißig Jahre älter war und vom Rang gleichgestellt. Für gewöhnlich waren das zuverlässige Mittel, diese Leute zu kränken. Aber der Dicke schien dagegen immun. Ungerührt redete er über nahe Rente, Fahrten mit dem Dienstfahrzeug, Gartenbau und Vitaminmangel. Zum vierten und fünften und sechsten Mal erläuterte er den Inhalt seiner Tankfüllung und sein Konzept des Gefangenentransports, sprach von Gerechtigkeit, Zufall und höherem Willen. Er zeigte auf die einander gegenüberliegenden Fenster (Wüste, Meer), auf die Tür (der lange Weg durchs Salzviertel), den defekten Deckenventilator (Allah) und trat mit dem Fuß gegen das am Boden liegende Bündel (die Ursache allen Übels).“

 
Wolfgang Herrndorf (12 juni 1965 – 26 augustus 2013)

 

De Nederlandse schrijfster Anne Frank werd geboren in Frankfurt am Main op 12 juni 1929. Zie ook alle tags voor Anne Frank op dit blog.

Uit: The Diary of a Young Girl (Vertaald door B. M. Mooyart-Doubleday)

« SUNDAY, JULY 12, 1942

They’ve all been so nice to me this last month because of my birthday, and yet every day I feel myself drifting further away from Mother and Margot. I worked hard today and they praised me, only to start picking on me again five minutes later. You can easily see the difference between the way they deal with Margot and the way they deal with me. For example, Margot broke the vacuum cleaner, and because of that we’ve been without light for the rest of the day. Mother said, “Well, Margot, it’s easy to see you’re not used to working; otherwise, you’d have known better than to yank the plug out by the cord.” Margot made some reply, and that was the end of the story.
But this afternoon, when I wanted to rewrite something on Mother’s shopping list because her handwriting is so hard to read, she wouldn’t let me. She bawled me out again, and the whole family wound up getting involved.
I don’t fit in with them, and I’ve felt that clearly in the last few weeks. They’re so sentimental together, but I’d rather be sentimental on my own. They’re always saying how nice it is with the four of us, and that we get along so well, without giving a moment’s thought to the fact that I don’t feel that way.
Daddy’s the only one who understands me, now and again, though he usually sides with Mother and Margot. Another thing I can’t stand is having them talk about me in front of outsiders, telling them how I cried or how sensibly I’m behaving. It’s horrible. And sometimes they talk about Moortje and I can’t take that at all. Moortje is my weak spot. I miss her every minute of the day, and no one knows how often I think of her; whenever I do, my eyes fill with tears. Moortje is so sweet, and I love her so much that I keep dreaming she’ll come back to us.
I have plenty of dreams, but the reality is that we’ll have to stay here until the war is over. We can’t ever go outside, and the only visitors we can have are Miep, her husband Jan, Bep Voskuijl, Mr. Voskuijl, Mr. Kugler, Mr. Kleiman and Mrs. Kleiman, though she hasn’t come because she thinks it’s too dangerous.”


Anne Frank (12 juni 1929 – maart 1945)

 

De Turks-Duitse schrijfster en actrice Renan Demirkan werd geboren op 12 juni 1955 in Ankara. Zie ook alle tags voor Renan Demirkan op dit blog

Uit: Wie buchstabiert man Liebe

„Ich weiß nicht, aber diese Wissenschaftler klingen ziemlich be­ängstigend.
Als würden wir direkt in eine Zelle hineingeboren und warten unser ganzes Leben lang auf das Urteil: Entweder kriegst du genug Liebe und feierst Parties bis in die Ewigkeit – oder du fällst viel zu früh in den kalten Schlaf, weil für dich nichts mehr übrig war.
Ich finde das sehr deprimierend.
Sehr, sehr deprimierend.
Sehr, sehr, sehr deprimierend!
Der Mensch wird doch auch mit einem Willen geboren, denke ich mir. Also, was ist mit unserem Willen?
Die gesamte abendländische Philosophie ist voll mit Thesen über dieses angeborene Instrument der Vernunft!
Zum Beispiel Immanuel Kant, der den Willen sogar gleichgesetzt hat mit Vernunft in seinem berühmten »Kategorischen Impe­rativ«: »Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kön­ne.«
Oder im Kontext der Ethik: »Die Autonomie des Willes ist das alleinige Prinzip aller moralischen Gesetze und der ihm gemäßen Pflichten.«
Das bedeutet – so sagt er an anderer Stelle: »Sollen ist eigentlich ein Wollen … Der Wille ist nichts anderes als praktische Vernunft.«
Und die Erkenntnis, zu der der Mensch dann schließlich gelangt, entstamme aus lediglich zwei Schichten des menschlichen Seins: aus der der Anschauung und der des Denkens.
Und ich frage mich: Was ist mit dem Gefühl, Herr Kant?
Aber da laut Herrn Kant jede Erkenntnis aus der Anschauung, aus dem Erleben hervorgeht, kann der Mensch keine Aussage über Gott und Seele machen, sagt er, kann der Mensch nicht sagen, ob sie existieren oder nicht. Sie seien ›gedachte Dinge‹, Verstandesbegriffe, die uns als ›transzendentaler Schein‹ begleiten.
Das hieße also, dass wir auch keine Auskunft darüber geben kön­nen, ob es die Liebe gibt oder nicht?!“

 
Renan Demirkan (Ankara, 12 juni 1955)

 

De Amerikaanse schrijfster Djuna Barnes werd geboren in Cornwall-on-Hudson, Orange County in de staat New York op 12 juni 1892. Zie ook alle tags voor Djuna Barnes op dit blog.

 

From Third Avenue On

And now she walks on out turned feet
Beside the litter in the street
Or rolls beneath a dirty sheet
Within the town.
She does not stir to doff her dress,
She does not kneel low to confess,
A little conscience, no distress
And settles down.

Ah God! she settles down we say;
It means her powers slip away
It means she draws back day by day
From good or bad.
And so she looks upon the floor
Or listens at an open door
Or lies her down, upturned to snore
Both loud and sad.

Or sits beside the chinaware,
Sits mouthing meekly in a chair,
With over-curled, hard waving hair
Above her eyes.
Or grins too vacant into space—
A vacant space is in her face—
Where nothing came to take the place
Of high hard cries.

Or yet we hear her on the stairs
With some few elements of prayers,
Until she breaks it off and swears
A loved bad word.
Somewhere beneath her hurried curse,
A corpse lies bounding in a hearse;
And friends and relatives disperse,
And are not stirred.

Those living dead up in their rooms
Must note how partial are the tombs,
That take men back into their wombs
While theirs must fast.
And those who have their blooms in jars
No longer stare into the stars,
Instead, they watch the dinky cars—
And live aghast.

 
Djuna Barnes (12 juni 1892 – 18 juni 1982)
Cover

 

De Italiaanse dichter en schrijver Sandro Penna werd geboren op 12 juni 1906 in Perugia. Zie ook alle tags voor Sandro Penna op dit blog.

 

The sea is all blue

The sea is all blue.
The sea is all calm.
In the heart there is almost a scream
of joy. And all is calm.

 

The Stars don’t move

The Stars don’t move in the sky,
the summer hour is like any other summer.
But the boy walking ahead of you –
if you don’t speak up he’ll never be the one…

 

I touched you

I touched you. You screamed back hoarsely!
(you were smoking your cigarette butt on a pin).
But so was I, you know? Stabbed,
I didn’t even want you forever, just an evening,
on rent, and barely that.

 
Sandro Penna (12 juni 1906 – 21 januari 1977)
Cover

 

De Zwitserse schrijfster Johanna Spyri werd geboren in Hirzel op 12 juni 1827. Zie ook alle tags voor Johanna Spyri op dit blog.

Uit:Heidi kann brauchen, was es gelernt hat

„Ob dieses Versprechen der Sache den Ausschlag gab, kann man nicht wissen, aber es ist anzunehmen, denn der Herr Doktor lächelte und sagte: »Dann muß ich ja wohl gehen, Klärchen, so wirst du uns einmal rund und fest, wie wir dich haben wollen, Papa und ich. Und wann muß ich denn reisen, hast du das schon bestimmt?«
»Am liebsten gleich morgen früh, Herr Doktor«, entgegnete Klara.
»Ja, sie hat recht«, fiel hier der Vater ein; »die Sonne scheint, der Himmel ist blau, es ist keine Zeit zu verlieren, für jeden solchen Tag ist es schade, den du noch nicht auf der Alp genießen kannst.«
Der Herr Doktor mußte ein wenig lachen: »Nächstens wirst du mir vorwerfen, daß ich noch da bin, Sesemann; so muß ich wohl machen, daß ich fortkomme.«
Aber Klara hielt den Aufstehenden fest; erst mußte sie ihm ja noch alle Aufträge an das Heidi übergeben und ihm noch so vieles anempfehlen, das er recht betrachten und ihr dann davon erzählen sollte. Die Sendung an das Heidi konnte ihm erst später zugeschickt werden, denn Fräulein Rottenmeier mußte erst alles verpacken helfen; sie war aber eben auf einer ihrer Wanderungen durch die Stadt begriffen, von denen sie nicht so schnell zurückkehrte.
Der Herr Doktor versprach, alles genau auszurichten, die Reise, wenn nicht am Morgen früh, so doch womöglich noch im Laufe des folgenden Tages anzutreten und dann bei seiner Heimkehr getreulich Bericht zu erstatten über alles, was er gesehen und erlebt haben würde.
Die Diener eines Hauses haben oft eine merkwürdige Gabe, die Dinge zu erfassen, die im Hause ihrer Herren vor sich gehen, lange bevor diese dazu kommen, ihnen Mitteilung davon zu machen. Sebastian und Tinette mußten diese Gabe in hohem Grade besitzen, denn eben, als der Herr Doktor, von Sebastian begleitet, die Treppe hinunterging, trat Tinette ins Zimmer der Klara ein, die nach dem Mädchen geschellt hatte.
»Holen Sie diese Schachtel voll ganz frischer, weicher Kuchen, wie wir sie zum Kaffee haben, Tinette«, sagte Klara und deutete auf die Schachtel hin, die schon lange bereitgestanden hatte. Tinette erfaßte das bezeichnete Ding an einer Ecke und ließ es verächtlich an ihrer Hand baumeln. Unter der Türe sagte sie schnippisch:
»Es ist wohl der Mühe wert.”

 
Johanna Spyri (12 juni 1827 – 7 juli 1901)
Cover luisterboek

 

De Oostenrijkse dichter en vertaler Hans Carl Artmann werd geboren op 12 juni 1921 in Wenen. Zie ook alle tags voor H. C. Artmann op dit blog.

Uit: How much Schatzi?

„Er begreift nicht, was es heißt, das wort schätz zu verdienen; ihm sind die tausend brennenden dinge der liebe aus dem herzen gewichst; man müßte ihn meiden hinfür wie der handieser den cholerakranken, wie der gepflegte flaneur den floh, wie der Obstgarten einen blindwütigen affen!
Er steht vor dem café, es erscheint die blondine, er springt sie an, er reißt ihr die perücke vom kopf, er verstreut den inhalt ihrer handtasche, er bespuckt ihren pulli, er dreht ihre nase zwischen mittel- und Zeigefinger, er knetet ihre ohren, er beißt in ihre perlenkette, er stippt ihre Sonnenbrillen in unrat, er zieht ihr wie ein rasender die Strümpfe von den beinen, er zerfetzt ihr das Unterkleid, er entblößt ihr unter höhnischen bemerkungen den busen, um dadurch, für sein schreckliches werk aufmerksamkeit zu erregen.
Daß sich der azurne himmel nicht bewölkt, daß sich das gesiebte gold der sonne nicht in regen wandelt, daß sich der warme schmelz des tangos nicht in donner umbaut! Wo bleibt die wache, wo der hausmeister, wo der wackere passant? Die weit quietscht im falsett ihrer ungeölten angeln!
Gallenstein meiner blühenden jugend, ruft er aus, geschwür meines geduldigen herzens, ich will dein blut sehen, deine lunge, deine leber, deine kutteln, deine frischen Suppenknochen, dein kaiserfleisch, deinen lendenbraten, dein filet! Heda, leute, ein messer her oder einen geschliffenen regenschirm, damit ich sie teile, das verteufelte Weibsstück; ich koch sie in jauche, ich brat sie auf kamelmist, ich dünst sie auf brennesseln, ich schmor sie in schakalsschmalz, ich pökel sie in afterschweiß! Ha, hilfe, einen backofen her, damit ich ihr das handwerk ein für allemal lege!
Was ist in diesen jungen mann gefahren? Was geht in ihm vor? Wie sind seine gedanken während dieses schnöden aktes? Er, der stets nach noten sang, in wäldern musizierte, auf nachen und kähnen die bunte mandoline schlug, aus Heine vortrug, in bäume schnitzte, mit hähnen aufsprang, um dem morgenrot zu huldigen, mit offenen augen träumte, an dolden schnupperte, durch wiesen wallte und seine reisemütze fröhlich über der glatze schwang? Er, ein mensch, dem grille und ameise so lieb waren wie einem fleißigen die überstunden; was war geschehen, passiert?“

 
H. C. Artmann (12 juni 1921 – 4 december 2000)

 

De Duitse dichter Günter Nehm werd geboren in Wattenscheid op 12 juni 1926. Zie ook alle tags voor Günter Nehm op dit blog.

 

Affenliebe

Um des Tierparks Freigehege
wandelt einsam seiner Wege
ein verliebtes junges Paar.
Fröhlich und natur)verbunden
hatten beide sich gefunden,
da man sich sympathisch war.

Man bestaunt mit froher Miene
schwarzbefrackte Pinguine,
Krokodil und Elefant,
sieht Kamele und Giraffen
und kommt schließlich zu den Affen,
selig lächelnd, Hand in Hand.

Weil die Affen Faxen machen,
gibt es immer was zu lachen,
ständig ist der größte Streit.
Nur die Absicht zweier Affen,
sich bald Nachwuchs anzuschaffen,
bringt ein wenig Peinlichkeit.

Sehr schnell will sie nun nach Hause,
und, nach kurzer Schreckenspause,
sagt er: „Schatz, du wirst verzeih’n,
doch ich dachte mir soeben,
manchmal möchte ich im Leben
auch ein kleiner Affe sein!”

Hierdurch wird sie ganz verlegen,
da sie ihres Rufes wegen
solche Dreistigkeit verdammt.
Doch dann muss sie plötzlich lachen:
„Soll ich dich zum Affen machen?
Dann komm mit zum Standesamt!”

 
Günter Nehm (12 juni 1926 – 11 februari 2009)
Cover

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 12e juni ook mijn blog van 12 juni 2016 deel 2.

Christoph Meckel, Wolfgang Herrndorf, Anne Frank, Renan Demirkan, Djuna Barnes, Sandro Penna, Johanna Spyri H. C. Artmann, Günter Nehm

De Duitse dichter, schrijver en graficus Christoph Meckel werd geboren op 12 juni 1935 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Christopher Meckel op dit blog.

Im Vergleich

Und der krumme Hund mit dem Pfennig im Sack
ist ein guter Anblick, verglichen
mit dem krummen Hund ohne Sack und Pfennig.
Der Neger, sein Messer küssend im Dunkeln
ist ein guter Anblick, verglichen
mit dem, der seinen Namen wegwirft und einschläft.
Lustig macht uns der Frierende Franz
verglichen mit dem, der frierend
Zuflucht sucht in seinem Leichnam; es macht uns
lustig was lebt und den Tag im Auge behält.

Der Baum, der Stein, der Regen
braucht nicht verglichen zu werden, erhaben
über jeden Vergleich.
Aber wir können verglichen werden
der Reihe nach, einer am andern,
der Hunger des einen und das Erbrochene des ändern
das Rasierzeug des einen mit der Kehle des ändern
nackt, nackter, entblößt bis auf den Herzschlag
können wir endlos verglichen werden
zu jeder Stunde, auf jedem Abtritt
die Schlaflosigkeit des einen
mit der Geliebten des ändern
der Kältegrad des einen
und die Schmerzmeisterschaft des andern.

Gentleman, die Vergleiche ruinieren uns, sichtbar
sichtbarer mit der Zeit, am sichtbarsten ohne Anlaß
das Stipendium des einen und der Wortschatz des andern
fern, ferner, am entferntesten einer vom andern;
einer immer hat kältere Füße
und schwärzeres Mehl in den Knochen, einer wird immer
gefischt aus dem Wasser, das grundloser ist
als das grundlose Wasser vom letzten Mal.

Steh auf, schlag den Kopf an die Wand im Vergleich
mit dem schärfsten Schmerz
mit dem härtesten Knochen!
Geh hin, zieh dich aus im Vergleich
mit der schmutzigsten Haut, mit der löchrigsten Decke!
Die Superlative halten sich schadlos
verzehren uns, persönlich und unpersönlich
während wir uns ausruhn von Hart
und Härter und Steinhart
und wir übertreffen sie, lebend und nichts sonst
und drehn uns zur Wand im Vergleich
zu früher und später
und sterben, verglichen mit niemand
tot, tot im Vergleich zu Luft und Asche.

 
Christoph Meckel (Berlijn, 12 juni 1935)

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