Christoph Meckel

De Duitse dichter, schrijver en graficus Christoph Meckel werd geboren op 12 juni 1935 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Christopher Meckel op dit blog.

Tarnkappe

Da ich mich in den Nächten verlor,
samt meinem kalten Tod, meiner unsteten Spur,
meutert mein riesiger Schatten, er kann mich nicht finden,
raunt mein lautloser Schatten, er möchte mich küssen,
murmelt mein schwarzer Schatten, er will mich verdunkeln,
ich soll zu ihm unter die Tarnkappe kommen.
Doch geborgen unter dem Schirm verfinsterter Monde
geh ich auf Abenteuer und habe viel zu tun,
ich muß mit meinem Namen leben lernen
und mit meinem Alter hausieren gehn,
ich muß für mein leeres Zimmer Blumen stehlen,
denn mein Schutzengel kommt zu mir zum Abendessen.

 

Schlaflos

Da der Sandmann seinen Sack verlor,
werde ich dieses Jahrtausend schlaflos sein,
werde des Bösen zertanzte Sandalen flicken
mit denen er auf gedämpften Teppichen geht.

Dafür, daß mich seine düsteren Blumen,
seine wilden Gelächter erheitern,
dafür, daß seine Hölle mir Schlaf verspricht,
warmen, braunen, rauchenden Schlaf verspricht,
will ich ihm meinen Tod als Trinkgeld geben.

 

Requiem

Wenn ich tot bin
ist kein Platz mehr für dich,
dann wirst du fortgehn,
zu müde, jenen abzuwinken,
die du ohne Auskunft zurückläßt,
die dir nun nachraunen
und sich über dir verflüstern.

Aber solange ich da bin
kannst du nicht weg, alter Gott,
mußt du mit mir gehen
durch die zugigen Korridore meines Lebens,
vom kalten Anfang bis zum schlotternden Ende,
wohin ich dich schleppe.

Denn du lebst von meinen Zweifeln,
du trittst meine Spur aus und du brauchst,
um Rätsel zu sein, mein schlechtes Gedächtnis.
Mein Schutzengel bewacht dich mit
und dein Herzklopfen zehrt vom heiteren Sog
meines schwarzen, stoßenden Atems.

Spät, wenn ich sterbe, –
hinter den Kontinenten lasse ich dich zurück,
hinter den erledigten Jahrtausenden,
den sinkenden Paradiesen,
dann stehst du da, undankbarer Gott,
Ochsgesicht mit den großen Hagelkornaugen,
einsam und träge,
12schleppst du dich mürrisch
auf die leere Außenseite des Lebens,
da dich keiner mehr sieh

 

Requiem

Als ik dood ben
is er geen plaats meer voor jou,
dan zul je weggaan,
te moe om hen weg te wuiven,
die je achterlaat zonder informatie
die je nu na smiespelen
en over je fluisteren

Maar zolang ik er ben
kun je niet weg, oude god,
moet je met me meegaan
door de tochtige gangen van mijn leven,
van het koude begin tot het bibberende eind,
waar ik je heen sleep.

Want je leeft van mijn twijfels,
loopt in mijn spoor en mijn slechte geheugen
heb je nodig om een raadsel te zijn.
Mijn beschermengel waakt mee over je
en je hart teert op de heldere tocht
van mijn zwarte, bonzende adem.

Laat, als ik sterf –
Achter de continenten laat ik je staan,
achter de voltooide millennia,
de zinkende paradijzen,
dan sta je daar, ondankbare god,
ossengezicht met de grote hagelstenen ogen,
eenzaam en traag,
sleep je je knorrig
naar de lege buitenkant van het leven,
omdat niemand je meer ziet.

 

Vertaald door Frans Roumen

 

Christoph Meckel (Berlijn, 12 juni 1935)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 12e juni ook mijn blog van 12 juni 2019 en ook mijn blog van 12 juni 2016 deel 2.