Sandra Hoffmann

De Duitse schrijfster Sandra Hoffmann werd geboren op 11 mei 1967 in Laupheim, Baden-Württemberg. Na haar opleiding tot jeugd- en internaatspedagoge werkte Sandra Hoffmann in de kinder- en jeugdpsychiatrie. Van 1993 tot 1998 studeerde zij Literatuur, Middeleeuwse Studies en Italiaanse Studies aan de Universiteit van Tübingen; ze studeerde af met een master’s degree. Van 1998 tot 2002 was ze onderzoeksassistente aan de Tübingen-leerstoel voor vergelijkende literatuur, sinds 2003 is ze freelance schrijfster. Gedurende 10 jaar organiseerde en presenteerde Hoffmann de lezingenreeks “buch & bühne” in het Landestheater Tübingen, die door haar (samen met Björn Kern) in het leven werd geroepen. In 2004 nam ze deel aan de Ingeborg Bachmann-wedstrijd in Klagenfurt. Sinds 2010 is zij docente bij het Centrum voor Toegepaste Culturele Studies en het Studium Generale (ZAK) van het Karlsruher Instituut voor Technologie (KIT). Ze werkt freelance voor radiostations en het Literaturhaus München. Hoffmann debuteerde in 2002 met het verhaal “Schwimmen gegen Blond”. Dit werd gevolgd door de romans “Den Himmel zu Füßen” (2004) en “Liebesgut” (2008). Voor haar roman “Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist” (2012) ontving ze de Thaddäus Trolprijs. In 2017 verscheen van haar hand de roman “Paula”.

Uit: Paula

“Schweigen ist anders als still sein. Nirgends, auch nicht, wenn du tief in die Taschen greifst, um die Münze zu finden, die du zwischen den Fingern bewegst, oder ein Stück Papier mit den Notizen vom Einkauf, findet sich darin wirklich Halt. Du hörst von irgendwoher oder aus dir heraus die dunklen Geräusche der Stummheit, die sich gegen dich wenden, du hörst sie als Grollen, als Grummeln, als fortwährendes Gemurre, Gemurmel irgendwo weit entfernt und zugleich nah. Als suchten sich all die ungesprochenen Wörter Wege aus dem stummen Körper heraus und hinein in den Raum, hin zu dir. Sie bringen dich um die Ruhe und sie bringen dich um den Schlaf. Das Schweigen, wenn jemand nahe bei dir lebt und so schweigt, so unerbittlich jedes Wort auffrisst, dass nichts übrig bleibt für dich und für keinen. Das Schweigen am Tisch, wenn die Gabeln und Messer auf Tellern klappern, wenn jemand, nur einer, sagt, kann ich bitte das Salz haben, und jemand reicht es. Und über allem das Schweigen, das dir vorkommt, als verschlinge es dich und all deine guten Sommer und die wenigen guten Winter. So als käme die Fröhlichkeit nie mehr zurück. Und du hörst das Geräusch von Strumpfhosenbeinen unter dem Tisch und wie der Hund am Stuhlbein vorbeistreicht, ein Räuspern und das laute Schlucken beim Wassertrinken, wenn der Halsmuskel spannt. Wenn die Geräusche aus den Körpern sich im Zimmer so ausgebreitet haben, dass da nur noch Dichte ist, Verdichtung nach außen. Dieses Schweigen, das schließlich in jeder Ritze eines Hauses sitzt, das abstrahlt, ausstrahlt, das ein Haus zur Festung macht, kennt nur die Endgültigkeit als Erlösung. Du kannst bleiben und sterben oder gehen. In der Stille aber wäre auch nur ein Traktor, draußen auf der Straße, ein schönes Geräusch, wäre das eine Verheißung, jemand mäht die Wiese zum ersten Mal in diesem Jahr, es ist noch hell. Die Welt wäre wieder da. Helligkeit und Sprache.
Am 10. November 1997 stirbt meine Großmutter Paula im Alter von 82 Jahren. Sie hat nicht über sich gesprochen, bis zum Schluss nicht. Sie hat ihr ganzes Leben, alle ihre Geheimnisse, aber auch alle ihre Nöte mit ins Grab genommen. Wenn ich morgens durch den Park laufe, den See umrunde und höre, wie die Schwäne und Enten schnattern, wenn ich den Mandarinenten zusehe, die wie bunte Punkte zwischen den anderen Enten leuchten, denke ich häufig an meine Großmutter, die seit achtzehn Jahren tot ist, und ich denke an meine Eltern.“

 
Sandra Hoffmann (Laupheim, 11 mei 1967)

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