Péter Esterházy, Alexandre Jardin, Tjitse Hofman, Landolf Scherzer, Charles Lewinsky, Roman Graf

De Hongaarse schrijver Graaf Péter Esterházy van Galántha werd geboren in Boedapest op 14 april 1950. Zie ook alle tags voor Péter Esterházy op dit blog.

Uit: Celestial Harmonies (Vertaald door Judy Sollosy)

“My father was one of the most generously endowed figures of seventeenth-century Hungarian culture and history. At the peak of his political career, he bore the title of Palatine and Prince of the Empire. He turned the palace of Kismarton into a magnificent residence, building several churches and keeping sculptors and painters in his employ at Court. Several members of the family learned to play musical instruments. My father “clapped out” his favorite pieces on the virginal, Prince Pál Antal had mastered several instruments (some say the violin, flute and lute, others the violin and the cello), while it is commonly accepted that Haydn composed his pieces expressly for Prince Miklós the Magnificent, who loved the baryton and magnificence in equal measure. My father wrote several volumes of poetry, most of which testify to the influence of the great baroque poet and military commander, Miklós Zrínyi. He also published works on religion, as well as prayer books. His collection of religious psalms, Celestial Harmonies, was published in Vienna in 1711. Furthermore, until recently, Hungarian musicologists have considered him a composer of some note. Latest findings, however, suggest that his contributions are somewhat limited, not only because a number of the melodies in the book can be shown not to have originated with him (most contemporary composers worked with borrowed melodies), but because, it seems, he did not compose the pieces, or adapt existing melodies, himself. His scores are not only rudimentary and tentative on the surface, they are incorrect, too. Judging by the extant documents, the schism between my father’s mental faculties and his erudition and Celestial Harmonies is so wide, especially its more intricate layers, that it would take a great leap of the imagination to span. (To mention only the most important types of suspension bridges pertaining hereof, there’s the plain, the specially anchored, the self-anchored, and also the cable bridge, the slant-cable harp-bridge, the slanted star-cable bridge, the slanted fan-shaped, and the single-pylon slanted harp-cable varieties. My father played on the harp as well as the star.)”

 
Péter Esterházy (14 april 1950 – 14 juli 2016)

 

De Franse schrijver Alexandre Jardin werd geboren in Neuilly op 14 april 1965. Zie ook alle tags voor Alexandre Jardin op dit blog.

Uit: Des gens très bien

“Comment ai-je fait pour me dégager de la vérité officielle de nos ascendants si fidèles à Vichy? pour finir par accepter ma honte d’être de cette lignée-là de gens supposément “très bien” ? Et ma colère devant l’évidence que le pire pût être commis dans nos rangs sans qu’on y ait jamais vu à mal. Sans que la moindre gêne fût ouvertement exprimée. Même si, bien sûr, il ne m’a pas échappé que les vrais commanditaires de l’horreur furent avant tout des Allemands : Heinrich, Oberg, Dannecker, Knochen et d’autres.
Ce secret français tient en une scène, que j’ai mis vingt-cinq ans à voir avec la bonne focale.
Chacun des Jardin aurait pu la convoquer dans son esprit mais, préférant le refuge du flou à l’horreur de la netteté, nous ne savions pas comment regarder de face sans suffoquer une telle débâcle morale. Comme des millions de familles françaises, anxieuses d’ouvrir les placards moisis de la collaboration.
Sauf que chez nous, l’affaire était énorme ; comme souvent chez les Jardin habitués à l’improbable. Et aux épisodes où l’Histoire exagère. Cette fois, la vérité sombre était dissimulée sous des kilos de gaieté, des centaines de pages de littérature chatoyante, un vrac de souvenirs cocasses, une tornade d’anecdotes. Moi-même, j’y ai contribué en perpétuant la légende nourricière des Jardin ; farcie de galopades et de situations enjôleuses. En m’abritant systématiquement derrière un masque de légèreté, un optimisme de façade, une fausse identité frivole. Issu de la honte, j’ai choisi le rire ; un rire longtemps forcé.
Pour faire oublier ma double vie, plus mélancolique.
Une existence parallèle et ombreuse que j’ai toujours pris soin de dissimuler ; en m’affichant comme un auteur de romans ensoleillés. Et amoureux du rose. Cette vie-là fut celle d’un homme au front nuageux qui, depuis l’âge de seize ans, tourne autour d’une scène qui continue de lui couper les jarrets. Un épisode qui m’a éclairé sur les gens intelligents et très convenables qui commettent l’irréparable en se réfugiant dans les bras de leur bonne conscience. Un chapitre vichyssois qui m’a conduit dès la sortie de l’adolescence à mener une réflexion obsessionnelle – et quasi clandestine – sur les destructeurs des Juifs et leurs collaborateurs. Méditation directement issue de ma position particulière. Qui reste non pas une étoile jaune mais une croix. Et pas une croix de Lorraine.”

 
Alexandre Jardin (Neuilly, 14 april 1965)

 

De Nederlandse dichter Tjitse Hofman werd geboren in Assen op 14 april 1974. Zie ook alle tags voor Tjitse Hofman op dit blog.

Machine

Machine
machine zeg je
je zegt dat ik
machine heet
hete machine
maar wat weet jij
van draaien
maaiende bladen
zingende zagen
wielen schoepen raderen
ratelen razen
schrale gaten slijten
in mijn condenseringsvat
want ik weet
dat je het meent
en ik weet dat je neemt
van mijn paardenkracht
van mijn paardenkracht.

 

Lounge

Ein Mantel
von Frauenflaum
ein Hauch charmant
und Haare aus Regen

Ihre Ärmel
haben Hände
schwellen weiß der Abend
an eingefallenen Wangen

Kaminfeuer Klaviermusik
Champagner und Zigarren
Niederschlag der Tage
und Damenbeine

Sind es
schwarzgeschminkte Augen
saugende Blicke
und träumende Lippen

Lab ich mich
im blitzenden Licht
prickelt die Luft
mein Flimmern

Auster
wär ich doch
Auster.

Vertaald door Jan Klug

 
Tjitse Hofman (Assen, 14 april 1974)
Cover

 

De Duitse schrijver Landolf Scherzer werd geboren op 14 april 1941 in Dresden. Zie ook alle tags voor Landolf Scherzer op dit blog.

Uit: Der Rote

„Am nächsten Tag warte ich überpünktlich im Erfurter Friseursalon von David Liebmann auf den Ministerpräsidenten. Im The Barber sitzen ein junger Mann, dessen Haare eine Friseuse wäscht, und ein Herr, dessen schlohweiße Haare vom Chef geschnitten werden.
David Liebmann fragt mich freundlich, aber bestimmt, ob ich bestellt bin. Ich schüttele den Kopf, und der Chef bedauert, dass er im Moment nur bestellte Kunden bedienen
kann. Als ich erkläre, dass ich hier mit Bodo Ramelow verabredet bin, will er wissen, ob ich zu den Personenschützern gehöre, die im Voraus die Sicherheit kontrollieren müssen.
Ich denke: Wie könnte man hier bei all den scharfen Scheren und noch schärferen Messern die Sicherheit garantieren, und erzähle, dass ich den Ministerpräsidenten ab und an begleite, um über ihn zu schreiben. Darauf meint David Liebmann, dass in der DDR Friseure wahrscheinlich bedeutender gewesen sind als Ministerpräsidenten, denn über einen Ministerpräsidenten hat damals niemand ein Buch geschrieben, wohl aber über einen Friseur!
Mit dem Kopf deutet er auf das Fensterbrett. Dort liegt das DDR-Kultbuch »Friseur Kleinekorte in Venedig und anderswo
«. Das kennt auch der weißhaarige Herr und zitiert die immer wiederkehrende Begrüßung: »Nemse Platz, Herr Jeheimrat. Was gibsn Neues aufm Bau? Wieder Nachtschicht jehabt?« Seinerzeit seien Friseure »die Beichtväter der Atheisten « gewesen. Heute sei man beim Haareschneiden schweigsamer. Doch wie von Kleinekorte inspiriert, erzählt er, dass er seit 11 Jahren zu Herrn Liebmann kommt, dass ihm, wenn er als 83-Jähriger frisch frisiert durch Erfurt geht, die Frauen noch hinterherschauen, dass er ein Grundstück von 2000 Quadratmetern mit 6 reichlich tragenden Apfelbäumen sein Eigen nennt, dass er inzwischen wartet, bis die
Äpfel herunterfallen, und sie dann vergräbt. »Früher nahm man sie mir im Konsum ab. Heute will keine Verkaufsstelle Äpfel, die unterschiedlich groß sind.«
Draußen halten zwei Limousinen.
»Seit 5 Jahren ist Herr Ramelow immer pünktlich, sogar als Ministerpräsident«, schwärmt David Liebmann.
Bodo Ramelow kommt allein. Seine Personenschützer hat er trotz scharfer Scheren und noch schärferer Messer vor der Tür gelassen.“

 
Landolf Scherzer (Dresden, 14 april 1941)

 

De Zwitserse schrijver en draaiboekauteur Charles Lewinsky werd geboren op 14 april 1946 in Zürich. Zie ook alle tags voor Charles Lewinsky op dit blog.

Uit: Melnitz

„Immer, wenn er gestorben war, kam er wieder zurück.
Am letzten Tag der Trauerwoche, wenn der Verlust sich im Alltag verlaufen hatte, wenn man den Schmerz schon suchen musste, ein Mückenstich, der gestern noch gejuckt hat und heute kaum mehr zu ertasten ist, wenn die Rücken weh taten vom Sitzen auf den niedrigen Hockern, die der alte Brauch den Hinterbliebenen für die sieben Tage zuweist, dann war er ganz selbstverständlich wieder da, trat unauffällig mit den anderen Besuchern ins Zimmer, durch keine Äußerlichkeit von ihnen unterschieden. Nur Essen brachte er keines mit, auch wenn das der Brauch gewesen wäre. In der Küche warteten die Töpfe und die zugedeckten Schüsseln in Reih und Glied, eine Ehrenwache für den Verstorbenen; er kam mit leeren Händen, nahm sich einen Stuhl, wie man es tut, sagte kein Wort, wenn er von den Trauernden nicht angesprochen wurde, stand auf, wenn sie beteten, setzte sich, wenn sie sich hinsetzten. Und wenn dann die andern, ihren Trostspruch murmelnd, sich verabschiedeten, blieb er einfach sitzen, war wieder da, wie er immer da gewesen war. Seine Ausdünstung von feuchtem Staub mischte sich mit den anderen Gerüchen des Trauerhauses, Schweiß, Talgkerzen, Ungeduld; er gehörte wieder dazu, trauerte mit, nahm Abschied von sich selber, seufzte sein vertrautes Seufzen, das halb ein Stöhnen war und halb ein Schnarchen, schlief ein mit hängendem Kopf und offenem Mund und war wieder da.
Salomon Meijer stand von seinem Hocker auf, schob den Körper in die Höhe, stemmte ein schweres Gewicht, ein Kuhviertel oder einen Mühlensack Mehl, reckte sich, dass die Gelenke in den Schultern knackten, und sagte: »Nu. Lasst uns etwas essen.« Er war ein großer, breit gebauter Mann, der nur deshalb nicht kräftig wirkte, weil sein Kopf zu klein war für seine Statur, der Kopf eines Gelehrten auf dem Körper eines Bauern. Er hatte sich einen Backenbart wachsen lassen, der stellenweise – viel zu früh, meinte Salomon – schon weiß wurde. Darunter, vom Bart eingerahmt, bildete ein Geflecht aus geplatzten Äderchen zwei rote Flecken, die ihn immer wie angeschickert aussehen ließen, obwohl er nur zum feierlichen Kiddusch Wein trank, sonst höchstens mal, an ganz heißen Tagen, ein Bier oder zwei. Alles andere vernebelt den Kopf, und der Kopf ist der wichtigste Körperteil eines Viehhändlers.

Er war ganz schwarz gekleidet, nicht aus Trauer, sondern weil er sich eine andere Farbe nicht vorstellen konnte, trug einen altmodischen Gehrock aus schwerem Tuch, den er jetzt, wo keine Besucher mehr zu erwarten waren, aufknöpfte und hinter sich fallen ließ ohne sich umzusehen. Er ging davon aus, dass seine Golde den Gehrock schon auffangen und, wie es sich gehört, über eine Stuhllehne legen würde, und darin lag nichts Tyrannisches, nur die Selbstverständlichkeit klar aufgeteilter Bereiche.“

 
Charles Lewinsky (Zürich, 14 april 1946)

 

De Zwitserse dichter en schrijver Roman Graf werd geboren geboren op 14 april 1978 in Winterthur, Zwitserland. Zie ook alle tags voor Roman Graf op dit blog.

Großvater (Fragment)

Großvater
wieder Weihnachten
die Birken vor deinem Haus
seit Jahren gefällt
letzten Sommer ist nun doch
Gras über der Stelle gewachsen
du sitzt auf dem Sofa
es ist so alt wie die Birken
fünfzig Jahre / du schläfst
auf dem Sofa, daneben die Ablage
Bücher über den Zweiten
Weltkrieg und die Schweizer Armee
ein Radio für die Nachrichten im DRS1
und deine Tropfen für
Herz und Kreislauf

später sage ich
pflanz doch wieder einen Baum
am besten schon bald
im Frühling
einen kleinen nur
der wirft wenig Laub ab und gibt
nicht viel Arbeit
ich sage
eine Linde vielleicht
denn die Form der Krone
entspricht der Form eines Blattes
ein Herz umgedreht

es ist inzwischen dunkel geworden
die Kerzen brennen gleich
Großvater, du stöhnst
du sagst Bäume
setzt man im
Herbst

 
Roman Graf (Winterthur, 14 april 1978)
Winterthur

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 14e april ook mijn vorige blog van vandaag.

Zie voor bovenstaande schrijvers ook mijn blog van 14 april 2007 en ook mijn blog van 14 april 2008 en eveneens mijn blog van 14 april 2009.

Roberto Schopflocher, Martin Kessel, Gabriele Stötzer, Helene Hübener, Gerhard Rohlfs

De Duits-Argentijnse schrijver Robert Schopflocher werd geboren op 14 april 1923 in Fürth. Zie ook alle tags voor Roberto Schopflocher op dit blog.

Uit: Eine Kindheit

“Als Kind hatte es mir die Zauberwelt der Tropfsteinhohlen in der Frankischen Schweiz angetan: die Bing- und die Teufelshohle, vor allem aber die Maximiliansgrotte. Die Stalaktiten und Stalagmiten glichen Orgelpfeifen und marmornen Skulpturen; die von den Karbidlampen angestrahlten Kavernen verwandelten sich in geheimnisvoll aufblitzende Schatzkammern. An gewissen Stellen blieb der Fuhrer stehen, legte den Zeigefinger auf die Lippen und machte uns auf das leise Ticken der Wassertropfen aufmerksam oder auf das Rauschen eines unterirdischen Flusses. Es konnte geschehen, das er sein Licht hinter einen der Steine hielt, der dann alabastern schimmerte. Und gelegentlich brachte er eine hohle Tropfsteinsaule durch einen behutsamen Schlag zum Klingen. Das Auftauchen erzschurfender Zwerge mit roten Zipfelmutzen hatte mich kaum in Erstaunen versetzt.
Erstaunen dagegen rief das Erlebnis in mir hervor, das mich beeindruckte, als ich Jahrzehnte spater noch einmal die Maximiliansgrotte besuchte. Inzwischen waren zahlreiche Stadte in Schutt und Asche gesunken, Millionen Menschen waren dem von einer Verbrecherclique ausgelosten Mordrausch zum Opfer gefallen. Neue Staatsgebilde waren entstanden, alte waren von der Landkarte verschwunden, und der erste Mensch war auf dem Mond gelandet. Das Zeitalter der Antibiotika war angebrochen, das des Computers, der Gen- und Psychotechnik, der Atomphysik, der weltumspannenden Massenkommunikation. Und in der Tropfsteinhohle, in die ich nun als Erwachsener zuruckkehrte, erzahlte uns der Fuhrer in der gleichen maulenden frankischen Mundart die gleichen Geschichten, die damals, als ich als kleiner Bub an der Hand meines Vaters das glitschige Labyrinth dieser Unterwelt entlang getippelt war, sein langst verstorbener Kollege – sein Grosvater womoglich – heruntergeleiert hatte. Vom Windloch war die Rede, wo oaner nei’g’folln wor, tog’lang wor der so dogleg’n mit zerdepperte Glieder. Und wie viele Jahre es braucht, bis so ein Tropfstein heranwachst. Der gleiche Tonfall, die gleiche Hohlenluft und das gleiche Flattern der Fledermause. Nur das man jetzt elektrische Taschenlampen in der Hand hielt anstatt der Karbidfunzeln. Und das ich mich nunmehr des ofteren bucken muste, um mir den Kopf nicht zu stosen.
Angesichts dieser Galerien und Stollen kam mir die Vielschichtigkeit unserer Existenz zum Bewustsein. Tiefliegende Seelenfloze drangten an die Oberflache; verschuttete Kindheitserinnerungen erwachten. Die Vergangenheit pflegt einen leichten Schlaf. Das sachte Klopfen an einer Tropfsteinsaule etwa, das Herunterleiern eines langst vergessen geglaubten Spruchs im vertrauten Heimatdialekt – und schon richtet sie sich auf, die Vergangenheit, und bahnt sich den Weg in die Gegenwart, wird zur Gegenwart. Durch fragwurdige Gedachtnismanipulation gefilterte Geschichte, gefarbt vom Heute und von der im Laufe des Lebens erworbenen Erfahrung: eine nur noch unscharf erfasbare,“ jedoch stets ausbruchbereite Vergangenheit.”

 
Robert Schopflocher (14 april 1923 – 23 januari 2016)

 

De Duitse dichter en schrijver Martin Kessel (pseud. Hans Brühl) werd geboren op 14 april 1901 in Plauen (Vogtland). ook alle tags voor Martin Kessel op dit blog.

Uit: Herrn Brechers Fiasko

„Täglich, zumal bei Büroschluß, läuft ein Zittern durchs Zentrum, durch die Fundamente Berlins, als wäre nun wieder etwas Unvorhergesehenes im Gang.
Alles ist unterwegs. Wer sich frühmorgens pünktlich im Gebäude seiner Firma eingefunden hat, wird nun wieder – nach einem funktionellen Verdauungsprozeß, der den Menschen zur bloßen Arbeitskraft degradiert und deren Bestes sich zunutze gemacht hat – auf die Straße gesetzt und seinem Privatschicksal überlassen. Die eine Organisation entläßt, die andere empfängt, aus der Arbeitskraft wird ein Fahrgast oder ein Fußgänger. Diesen wiederum öffnen sich Kinos und Restaurants, und jedes Stadium fordert seinen Tribut.
Spießt eine Stange irgendwo in die Luft, auch Haltestelle genannt, ist ein Loch irgendwo zur U-Bahn hinunter oder ein Podium, auch Bahnsteig genannt, gleich findet daselbst eine Kristallisation statt. Leute sammeln sich an, Passanten der verschiedensten Gattung, die’s eilig haben, aber mit einer Ernsthaftigkeit auf den Gesichtern, als wären es letzte Vereinsmitglieder ums Banner. Ein Dunst steigt auf, ein Geruch wie aus der Manege, und über all die fixen Ideen und wahrzunehmenden Interessen hin spielt der diffuse Widerschein des Lichtes, lautlos, als einzig zärtliches, Träume spinnendes Element.
Tag für Tag, in einer Art Schlafwandel der Gewohnheit, erneuert sich das, ein schweigsames von Hand-zu-Hand-Gehen, und in mehreren Schichten sind die besten Köpfe dabei, auch fürs Unvorhergesehene die einwandfrei besten organisatorischen Formeln zu finden. Ist nicht alles durch Zeichen geregelt, durch Signale, Paragraphen und Übereinkünfte, durch eine Sprache, deren Geometrie in nahezu atavistischer Weise tabu ist, und hat sich nicht im Laufe des Funktionierens etwas herausgebildet, das Beachtung verdient, eine Art gläubige Sorglosigkeit, ein Lakonismus vor der höheren abstrakten Ordnung?“


Martin Kessel (14 april 1901 – 14 april 1990)
Cover

 

De Duitse dichteres en schrijfster Gabriele Stötzer werd geboren op 14 april 1953 in Emleben inThüringen in de toenmalige DDR. Zie ook alle tags voor Gabriele Stötzer op dit blog.

die lüge saß auf dem schemel

die lüge saß auf dem schemel und biß sich die zehennägel ab
der salat war durchgerührt und weinte nun vor rührung
das ich war besoffen und blubberte ätzend
der hut sagte guten tag beim in die luft steigen
die fliege flog und war tot an der patsche
der kleber klebte klug das eine ans andere auch wenn er
zwischendurch versank

die nähe ist angebunden
die ferne ist frei
die nähe kommt
die ferne geht
die nähe hat ein gesicht und hände
die ferne löst sich auf im nebel
die nähe schlägt sich prügelt sich kotzt ab
die ferne ist erhaben
noch zu haben?
der dampf treibt wolken −
vors gesicht
sieh mich an und sieh mich nicht
folg der worte lauteklang
körper dreht sich wochenlang
und es war trotzdem nur
ein lauern um den heißen brei


Gabriele Stötzer (Emleben, 14 april 1953)

 

De Duitse schrijfster Helene Hübener werd geboren op 14 april 1843 in Sternberg. Zie ook alle tags voor Helene Hübner op dit blog.

Uit: Im Rosenhaus

“So! Das wäre fertig!« Sie legte die Hefte, die sie eben durchgesehen hatte, beiseite und rief durch die offene Tür: »Frau Gründler, sind Sie mit Ihrer Arbeit in der Küche bald fertig?«
Ein schwerfälliger Tritt ließ sich hören, und eine behäbige, sauber gekleidete Frau erschien auf der Bildfläche. »Ich wollte eben den Schlüssel bringen, Fräulein Anna. Sie gehen doch sicher noch ein wenig spazieren, Sie müssen ja ganz steif von dem vielen Sitzen sein!«
Anna lachte. »Sie kommen wohl nicht in die Verlegenheit, Frau Gründler. Aber Sie haben recht. Wenn man morgens Schule gehalten und nachmittags einen Stoß Arbeiten durchgesehen hat, muß man mal ins Freie. Also auf morgen!« Mit diesen Worten verabschiedete sie ihre Aufwärterin und stand, während sie den Mantel zuknöpfte, am offenen Fenster und erfreute sich an der schönen Aussicht. Der Anblick war ihr lange vertraut, denn sie wirkte als Leiterin einer Privatschule schon eine Reihe von Jahren in Falkenau. Sie hatte sich damals dieses Haus wegen seiner schönen Lage ausgesucht und auch zwei passende Schulräume im gleichen Haus gefunden. Anna liebte die Natur, sie liebte die bewaldete Bergkette die sich in blauer Ferne vor ihr ausdehnte, die zu ihren Füßen liegende Kleinstadt mit ihren roten Dächern und grünen Bäumen, den Fluß, der sich wie ein Silberfaden durch Felder und Wiesen schlängelte.
»Ja, schön ist’s hier«, sagte sie halblaut vor sich hin. »Aber sehr viel einsamer ist’s doch für mich geworden, seit Margarete heimgegangen ist.«
Margarete war ihre beste Freundin gewesen. Sie hatten als Kinder dieselbe Schule besucht und sich schon früh aneinander angeschlossen. Margarete verheiratete sich sehr jung mit einem Arzt, der sich in Falkenau niedergelassen hatte. So war Anna hierhergekommen. Und nun war die Freundin vor kurzem einer tückischen Krankheit erlegen.“


Helene Hübener (14 april 1843 – 5 juni 1918)
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De Duitse schrijver en Afrikareiziger Gerhard Rohlfs werd geboren op 14 april 1831 in Vegesack bij Bremen. Zie ook alle tags voor Gerhard Rohlfs op dit blog.

Uit: Mein erster Aufenthalt in Marokko und Reise südlich vom Atlas durch die Oasen Draa und Tafilet

„Entmuthigt kehrte ich ins Hotel zurück. Aber eine Berathung mit Gatell, der Reiz des Neuen, das Lockende, völlig unbekannte Gegenden durchziehen zu können, fremde Völker und Sitten, ihre Sprache und Gebräuche kennen zu lernen, ein Trieb zu Abenteuern, ein Hang, Gefahren zu trotzen: alles dies bewog mich, das Wagniss auszuführen, und nach einer zweiten Unterredung mit Sir Drummond wurde beschlossen, ich solle—(es war dies das einzige Mittel, um ins Innere des Landes Zugang zu bekommen)—äusserlich den Islam annehmen und eine Anstellung als Arzt in der Armee des Sultans nachsuchen. Unter dieser Verkleidung und mit solchen Intentionen, meinte Sir Drummond, sei ich in Fes eines guten Empfanges sicher und könne mich so lange im Lande aufhalten wie ich wollte. Mulei el Abbes, den ich versuchte zu besuchen, war indess nicht sichtbar für mich, jedesmal kam ich zu ungelegener Zeit.
Unterdessen machte ich mich rasch und mit Energie daran, meinen Vorsatz auszuführen, obschon alle anderen Europäer abriethen. Ich vermied aber so viel wie möglich mit ihnen in weitere Berührungen zu kommen, namentlich mied ich das spanische Consulat (obschon mir dasselbe später in Marokko viel Freundschaft erwiesen hat), um nicht als Spion verdächtigt zu werden. Denn hätten die Mohammedaner mich nach wie vor mit Christen verkehren sehen, so würden sie es gleich gemerkt haben, dass ich nur zum Schein übergetreten. So war ich nur fünf Tage in Tandja, wie der Marokkaner die Stadt nennt, und am sechsten Tage hatte ich dem Orte schon den Rücken gekehrt, in Begleitung eines Landbewohners, der es übernommen hatte, mich nach Fes bringen zu wollen.
Ich hatte meine Sachen auf das Nothdürftigste reducirt, ein Bündelchen mit Wäsche war Alles, was ich bei mir hatte, nach Landessitte trug ich es an einem Stocke hängend auf der Schulter; eine weisse Djelaba (ein weisses langes wollenes, mit Capuze versehenes Hemd) war meine Kleidung. Gelbe Pantoffeln, dann eine spanische Mütze, worein ich mein letztes Geld—eine englische Fünf-Pfundnote—genäht hatte, endlich ein schwarzer weiter europäischer Ueberzug, der als Burnus dienen konnte: das war mein Anzug. Ich hatte keine Waffen, ein kleines Buch mit Bleistift, um Notizen machen zu können, war in der Tasche verborgen. Dies war meine ganze Ausrüstung.“

 
Gerhard Rohlfs (14 april 1831 – 2 juni 1896)
Cover

 

Zie voor bovenstaande schrijvers ook mijn blog van 14 april 2007 en ook mijn blog van 14 april 2008 en eveneens mijn blog van 14 april 2009.