Klaus Rifbjerg, Jan Greshoff, Ingo Schulze, Simone van der Vlugt, Indrek Hirv, Edna O’ Brien, Hans Carossa, Nicolas Gilbert, Maxwell Anderson

De Deense dichter en schrijver Klaus Rifbjerg werd geboren op 15 december 1931 in Kopenhagen. Zie ook alle tags voor Klaus Rifbjerg op dit blog.

Fasan

plötzlich findet man sich wieder
mit soße übergossen und zusammengepfercht
mit kartoffeln und gelee sonderbar
flau im fleisch nach all dem tranchieren
und zerren am eingeweide bis es
abriß und raus denk nicht ich kenne sie nicht
diese satanische sorgfalt beim dekorieren
von gabel und messer das gläserklirren und streichholzrasseln
und ganz zu schweigen von der art
wie leber und herz sorgsam getrennt
in ein kleines medizinisch anmutendes
gefäß gelegt werden und weiß der himmel
ob es ihnen vielleicht einfällt mich
als mich selbst auszustaffieren
mit federn und allem drum und dran
nach dem unerträglichen halbkrematorium
der schwindelpartie mit kopf nach unten
dem blei in der seite und dann der gedanke an diesen
schmatzbär serviettenbehangene
zahlende mittelmäßigkeit wovon
man bald bespeichelt wird ich übergebe mich

 

Provinz

Ich höre in provinzieller
Nachmittagsstille am Ende der Saison
eine Amsel singen
die auf einer Fernsehantenne im Schatten
einer Ulme sitzt
und alles überblickt
verloren im Sein sieht sie mich
groß an wie auch die Zeit
und lässt Gesang verströmen vom
Afterloch durch den Körper und hinaus
aus dem gelben Schnabel
ich wärme mich an ihrer Teilnahmslosigkeit
und ihrem vollkommenen Gegenwärtigsein
ich denke es ist etwas ganz Eigenes
in einem dänischen Provinznest zu stehen
nachmittags am Ende der Saison
und eine Amsel zu hören
und plötzlich fühle ich mich
dumm

 

Vertaald door Lutz Volke

 
Klaus Rifbjerg (Kopenhagen, 15 december 1931)

Doorgaan met het lezen van “Klaus Rifbjerg, Jan Greshoff, Ingo Schulze, Simone van der Vlugt, Indrek Hirv, Edna O’ Brien, Hans Carossa, Nicolas Gilbert, Maxwell Anderson”

Christian Huber

Onafhankelijk van geboortedata

De Duitse schrijver, componist en muziekproducent Christian Huber werd geboren in 1984 in Regensburg en groeide op in Schwandorf, waar hij in 2004 eindexamen deed aan het Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium. Na een afgebroken studie aan de universiteit van Regensburg en een stage in het Funkhaus Regensburg, verhuisde hij eind 2010 naar Berlijn. Hier woonde en werkte hij als schrijver en componist en werkte hij o.a. met de Australische hiphop-band Hilltop Hoods, de Duitse rappers Casper, Farid Bang en KC Rebel en de Amerikaanse rapper Kool G Rap samen. Sinds 2006 woont Huber in Keulen. Huber is sinds 2009 actief op Twitter onder de naam “Pokerbeats”, waar hij wordt gevolgd door meer dan 38.500 gebruikers. Huber schrijft ook voor talloze comedy-programma’s en levert bijdragen voor radio- en televisieprogramma’s (bijvoorbeeld voor het Neo-magazine Royale op ZDF). Zijn columns verschenen u. a. bij VICE News, ICON en in de krant DIE WELT. Muziek, gecomponeerd door Huber bereikte hoge hitlijstposities in verschillende landen en werd herhaaldelijk bekroond met platina.

Uit: 7 Kilo in 3 Tagen

„73 Prozent aller Morde jährlich werden in den Tagen vor Weihnachten begangen.
Das stimmt natürlich nicht. Wäre aber ohne weiteres denkbar. Eine solche Behauptung würde in einem halblangweiligen Partysmalltalk in einer mit Pfandflaschen zugestellten WG-Küche bei den meisten Gesprächspartnern höchstens kurz zu erhobenen Augenbrauen und dann direkt zur Bekräftigung führen, das «auch schon mal irgendwo gelesen» zu haben. Alle haben alles schon mal irgendwo gelesen. Aber vielleicht ist diese von mir aufgestellte These ja sogar korrekt. Ist mir letztendlich auch egal. Solange während der Unterhaltung keiner zweifelt, ist jeder ausgetauschte Satz die erwiesene Wahrheit.
Ich habe mir das Statistiken-Erfinden irgendwie angewöhnt. Ich mache das gerne. Häufig einfach nur für mich. Das hilft mir, in gewissen Lebenslagen die Ruhe zu bewahren. Fakten, Zahlen und Berechnungen bringen mich in Stresssituationen runter. Turbulenzen im Flugzeug? Beim Crash einer Boeing zu sterben, ist sechs Millionen Mal unwahrscheinlicher, als als Lottogewinner von einem Blitz
getroffen zu werden. Ein bisschen Gras aus dem Amsterdam-Urlaub im Handgepäck? Die Chancen, ohne Taschenkontrolle am argwöhnisch blickenden Zollbeamten vorbeihuschen zu können, stehen für Nicht-Dreadlocks-Träger siebzigtausendmal besser, als rückwärts von der Mittellinie in einen Basketballkorb zu treffen, wenn gerade tatsächlich jemand zuguckt. Tötungsphantasien im überhitzten, mit Weihnachtshoppern überlaufenen Kaufhaus und der daraus resultierende Gedanke, ob man eventuell socially awkward sein könnte? Wenn 73 Prozent aller Morde jährlich in den Tagen vor Weihnachten begangen werden, haben offensichtlich neben mir noch sehr viele andere Menschen Gewaltvorstellungen, während sie die Geschenke für ihre Liebsten einpacken lassen. Ich bin also nicht allein.
Kein Sonderling, der einfach nur mit blinder Wut kompensiert, dass ihm in der Kassenschlange des Konsumpalastes eine laut in ihr Smartphone blökende Schicki-Mutter ihren eierschalenfarbenen Porsche-Kinderwagen in die Kniekehlen rammt. Im Dreivierteltakt. Gegen den Rhythmus von
«Jingle Bells», das mit festlichen Viervierteltakt-Glöckchen blechern über die Kaufhausanlage leiert. Noch eine halbe Strophe, und sie hat mein Kreuzband durch.“

 
Christian Huber (Regensburg, 1984)