Pinksteren (Jan Willem Schulte Nordholt)

Prettige Pinksterdagen!

 

 
Pinksteren door Juan Bautista Maíno, 1612-1614

 

Pinksteren

Een groot effect zoals op een toneel,
het stelt een kamer voor, er zitten mannen,
een vrouw ook, duidelijk bedroefd, gespannen,
bij ’t praten stokt de stem hun in de keel.

De roffel van een stormwind, bliksemlicht
verspreid in vonken, wirwar van geluiden
die zich tot taal die iedereen kan duiden,
tot ieders eigen moedertaal verdicht.

In het decor opent zich deur na deur,
vensters geven op vergezichten uit
in een volmaakt arcadisch licht gehuld.

Van een godzalig visioen vervuld
verrijst het enthousiast publiek om luid
hulde te brengen aan de Regisseur.

 

 
Jan Willem Schulte Nordholt (12 september 1920 – 16 augustus 1995)
Zwolle. De dichter Schulte Nordholt werd geboren in Zwolle.

 

Zie voor de schrijvers van de 4e juni ook mijn twee vorige blogs van vandaag.

Ralf Thenior, Marie Ndiaye, Erasmus Schöfer, Buddy Wakefield, Yaak Karsunke, Charles Dickinson

De Duitse dichter en schrijver Ralf Thenior werd geboren op 4 juni 1945 in Bad Kudowa. Zie ook alle tags voor Ralf Thenior op dit blog.

Uit: Strange Kebab

Schlechte Karten

Einsame Frau am Tresen. Leichte Beute. – Na, Kummer mit dem Liebsten? Nee, mit’m Chef. Wie? Er kommt immer zu spät und ich muss die ganze Arbeit machen.
Soll vorkommen. Was machst du? Sozialfürsorge. Kleines Büro, nur er und ich. Dauernd ist er weg, Kenia, Karibik und so. Und woher kommt die Kohle? Aus der Kasse für die Behinderten. Zeig ihn an!
Wollte ich ja. Und? Kein Geld. Geh ins Amtsgericht zur Rechtsberatung. War ich ja. Und? Netter junger Anwalt. Ich erzähl die Story. Sein Robin-Hood-Ding kommt hoch. Er kriegt leuchtende Augen. Wie heißt der Mann? Ich nenn den Namen. Seine Miene wird eisig. Keine Chance, schnarrt er. Der Mann ist in meiner Partei. Dann hat er mich rausgeschmissen. –

 

Der Borsig-Kreisel

Vom Borsigplatz gehen sternförmig sechs Straßen ab.
An jeder Ecke gibt es eine Kneipe und in die Straßenschluchten hinein, die, wie manche sagen, wie Fangarme eines Kraken auf Opfer lauern, gibt es weitere,sie bilden in vereintem Interesse einen Mahlstrom,dessen Wirbel der Borsig-Kreisel genannt wird. Gerät einer in diesen Kreisel hinein, ist er für mindestens drei Nächte verschwunden. Wenn er überhaupt wieder auftaucht. Es beginnt mit Bier und Korn, jeder Arzt rät von der Mischung ab. Der wagemutige Westfalenreisende würde hier mehr als Überraschungen erleben.
Doch sprechen wir über jene, die sich nicht leichtfertig hineinstürzen: Die Ortskundigen, die es wie eine Kunst betreiben. Der Mann, der im Kreisel surft. Der volltrunken in den »Haxenhans« hineinschneit, ohne Zögern eine Haxe bestellt und sie, während unser staunender Stammesforscher noch an der harten Außenhaut seiner eigenen Haxe herum säbelt, in Sekundenschnelle fachmännisch zerlegt und verzehrt hat, und ehe der verdutzte Neuankömmling sich an die zweite Säbelei machen kann, schon wieder, nachdem er zahlte, den Laden verlässt und dem Wirt über die Schulter zu-
ruft: Grüß deine Schwester! – Welche? – Is’ egal! Schon ist er verschwunden, angesogen vom Borsigkreisel in der Nacht.

 
Ralf Thenior (Bad Kudowa, 4 juni 1945)
Kudowa-Zdrój (Bad Kudowa)

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Dana Bönisch, Elizabeth Jolley, Apollon Maykov, Jacques Roumain, Fritz Weber

De Duitse schrijfster Dana Bönisch werd geboren op 4 juni 1982 in Frechen. Zie ook alle tags voor Dana Bönisch op dit blog.

Uit: Rocktage

„An den guten Tagen ging Puck zwischen den Leuten hindurch und konnte in ihre Seelen sehen und begriff ansatzweise die tausend Welten, die zwischen Neu-markt und Roncalliplatz parallel existierten, und er sah ganz deutlich einzelne Federn im Gefieder von schmut-zigen Vögeln, und er sah den fallenden Wassertrop-fen, und er sah Multivitaminbonbons in Mündern ver-schwinden, und er schrieb im Kopf Gedichte über alles, was er sah — und Musik existierte als fünftes Element, an guten Tagen. Rocktage. An schlechten Tagen ging Puck und sah die Leute hinter einer Mattscheibe, und wenn man sie mit den Fingerspitzen berührte, zischte es kurz und kalt, und man bekam einen gewischt. us gab keine Musik, an den schlechten Tagen.
»Hören Sie, Herr … Puck«, sagte Herr Kiel und fixierte etwas hinter Pucks Kopf, »so werden Sie nicht weit kom-men. Es gibt Regeln. Alle hier müssen sich dran halten, sonst funktioniert nichts.« Puck wusste nicht, meinte er mit »hier« die Erde? Oder die Redaktion? »Sie werden nicht weit kommen, wenn Sie so weitermachen.« »Kommt drauf an«, sagte Puck. »wo man hinwill.« Herr Kiel lachte kurz und hustend. Vor dem Fenster Flog eine Möwe kopfnickend vorbei.
»Auch Sie werden einmal sterben, Herr Kiek sagte Puck und ging
Draußen dominierte Beton, und die Sonne kam nicht wirklich zu den Leuten durch, die unten auf der Straße herumkrebsten. Puck ging schnell, er bekam Seitensti-che und konnte schlecht atmen. Er kramte in seiner Ta-sche nach dem Asthmaspray. fand es aber nicht. Seit-lich gegen die Schaufensterscheibe eines Sanitärladens gelehnt, wartete er ein paar Minuten. Mit einem Auge sah er sich im Spiegel, seine schattige Gesichtshälfte, die Augenhöhle wie ein dunkles Tal und irgendwo darüber schwarze strubbelige Boomer-Haare. Er wusste nicht. wohin. Das fiel ihm nun auf. Puck ging langsam weiter, sah sein Spiegelbild in die Sonne treten, raus aus der Schaufensterwelt von Rheu-maunterhosen und Inkontinenz-Beratungsbroschüren. Es war früher Frühling. Puck hoffte, wirklich da zu sein So, dass die anderen Leute ihn auch sehen konnten.“

 
Dana Bönisch (Frechen, 4 juni 1982)

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