Der Nachtigall Pfingstgesang (Friedrich Rückert)

Prettige Pinksterdagen!

 

Pinksteren door Giorgio Vasari, 16e eeuw

 

Der Nachtigall Pfingstgesang

Zu Pfingsten sang die Nachtigall
nachdem sie Tau getrunken;
die Rose hob beim hellen Schall
das Haupt, das ihr gesunken!

O kommt ihr alle trinkt und speist,
ihr Frühlingsfestgenossen,
weil übers ird`sche Mal der Geist
des Herrn ist ausgegossen.

Die Himmelsjünger groß und klein
sind von der Kraft durchdrungen,
man hört sie reden insgemein
zu wunderbaren Zungen.

Und da ist kein Zungam Baum
Kein Blatt ist da so kleines,
es redet auch mit drein im Traum
als seis voll süßen Weines.

Oh, Ihr Apostel gehet aus
Und predigt allen Landen
mit Säuselluft und Sturmesbraus
von dem, der ist erstanden!

Legt aus sein Evangelium,
auf Frühlingsau`n geschrieben,
daß er uns lieben will darum,
wenn wir einander lieben.

Wer liebend sich ans nächste hält
Und will nur das gewinnen,
umfaßt darin die ganze Welt,
und Gott ist mitten drinnen!

 

Friedrich Rückert (16 mei 1788 – 31 januari 1866)
Schweinfurt (De geboortestad van Rückert)

 

Zie voor de schrijvers van de 8e juni ook mijn vorige blog van vandaag.

Marguerite Yourcenar, Ulf Stolterfoht, Gwen Harwood, Gerald Bisinger, Udo Kawasser, Levin Westermann, Sina Klein, Michael Basse

De Belgisch-Amerikaanse, Franstalige schrijfster Marguerite Yourcenar werd geboren in Brussel op 8 juni 1903. Zie ook alle tags voor Marguerite Yourcenar op dit blog.

Uit: Memoirs of Hadrian (Vertaald door Grace Frick, in samenwerking met de schrijfster)

Little by little this letter, begun in order to tell you of the progress of my illness, has become the diversion of a man who no longer has the energy necessary for continued application to affairs of state; it has become, in fact, the written meditation of a sick man who holds audience with his memories. I propose now to do more than this: I have formed a project for telling you about my life. To be sure, last year I composed an official summary of my career, to which my secretary Phlegon gave his name. I told as few lies therein as possible; regard for public interest and decency nevertheless forced me to modify certain facts. The truth which I intend to set forth here is not particularly scandalous, or is so only to the degree that any truth creates a scandal. I do not expect your seventeen years to understand anything of it. I desire, all the same, to instruct you and to shock you as well. Your tutors, whom I have chosen myself, have given you this severe education, well supervised and too much protected, perhaps; from it I hope that eventually great benefit will accrue both to you and to the State. I offer you here, in guise of corrective, a recital stripped of preconceived ideas and of mere abstract principles; it is drawn wholly from the experience of one man, who is myself. I am trusting to this examination of facts to give me some definition of myself, and to judge myself, perhaps, or at the very least to know myself better before I die. Like everyone else I have at my disposal only three means of evaluating human existence: the study of self, which is the most difficult and most dangerous method, but also the most fruitful; the observation of our fellowmen, who usually arrange to hide their secrets from us, or to make us believe that they have secrets; and books, with the particular errors of perspective to which they inevitably give rise.I have read nearly everything that our historians and poets have written, and even our story-tellers, although the latter are considered frivolous; and to such reading I owe perhaps more instruction than I have gathered in the somewhat varied situations of my own life. The written word has taught me to listen to the human voice, much as the great unchanging statues have taught me to appreciate bodily motions. On the other hand, but more slowly, life has thrown light for me on the meaning of books.

Marguerite Yourcenar (8 juni 1903 – 17 december 1987)
Stanbeeld bij de Villa Adriana, Tivoli

Doorgaan met het lezen van “Marguerite Yourcenar, Ulf Stolterfoht, Gwen Harwood, Gerald Bisinger, Udo Kawasser, Levin Westermann, Sina Klein, Michael Basse”

Lutz Seiler

De Duitse schrijver Lutz Seiler werd geboren op 8 juni 1963 in Gera. Na een opleiding als bouwvakker, werkte hij als metselaar en timmerman. Gedurende de periode van militaire dienst in de NVA raakte hij geïnteresseerd in literatuur en in het zelf schrijven van gedichten. Tot 1990 studeerde hij Duits aan de universiteiten van Halle (Saale) en Berlijn. Van 1993 tot 1998 was hij redacteur van het literaire tijdschrift “Moosbrand”. Sinds 1997 is hij hoofd van het literaire programma in het Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst. Sinds 2005 is hij lid van het PEN Centrum Duitsland, sinds April 2007 een volwaardig lid van de Academie van Wetenschappen en Letteren, Mainz, en sinds 2010 van de Beierse Academie voor Schone Kunsten. In 2007 ontving Seiler voor zijn verhaal “Turksib” de Ingeborg Bachmann-prijs. Zijn verhalenbundel “Die Zeitwaage” werd in 2010 genomineerd voor de Prijs van de Leipziger Buchmesse.

Uit: Turksib

“Die Stöße der Gleise waren jetzt stärker und kamen unregelmäßig; mit ausgestreckten Armen hielt ich mich zwischen den Wänden der winzigen Kabine. Aus dem kotbespritzten Stahlpott dröhnte ein metallisches Winseln und Fauchen herauf, in dem sich ab und zu auch ein Gelächter Luft zu machen schien, das irgendwo im Abgrund, im Schotter des Bahndamms hocken mußte und mir wie ein verächtliches Semeysemey in den Ohren hallte. Lange konnte ich nicht mehr bleiben, ohne bei meiner Rückkehr etwas erklären zu müssen, das sich im Mund der Übersetzerin sofort verdoppeln und in den Kommentaren des Konsuls verzehnfachen würde.
Selbst in diesem Land war es, soviel ich inzwischen wußte, nicht verboten, einen Geigerzähler zu besitzen, im Gegenteil: Die europäischen Reiseführer empfahlen es, vor allem als ein Mittel zur Beruhigung des Reisenden, da, wie man mitteilte, die meßbaren Werte in den allermeisten Gebieten längst wieder unter den zulässigen Grenzen lägen. Ich hatte nie an den Erwerb solcher Technik gedacht oder auch nur an die Möglichkeit ihres privaten Besitzes geglaubt. Um so kostbarer und eigener erschienen mir jetzt das graugrüne, schon etwas abgegriffene Kästchen und die Umstände, unter denen ich es von einem der vermummten Händler, die vor Abfahrt des Zuges den Bahnsteig mit ihren Waren seltsamster Art blockierten, erstanden hatte. Fast alles, was mir dort als „Suhweniehrr!“ entgegengestreckt worden war, schien aus den Asservaten und Effektenkammern eines in vollständiger Auflösung begriffenen Reiches und seiner Armee zu stammen. Aber auch dunkle Berge von Fleisch, Tierhäuten, Rosinen, Brot und Nüssen hatte ich gesehen, die in halb geschlossenen Kinderwagen und oft im Dauerlauf über den schneebedeckten Bahnsteig geschoben wurden, hart bis unter die stählernen Tritte der Waggons. Am Ende kam niemand umhin, für irgend etwas zu bezahlen; der Zähler war mein Einlaß in den Zug gewesen.
Es hatte mit dem feinen Knattern, seinem Knister- und Schleifgeräusch zu tun, das er verhalten, aber stetig absonderte. Wenn ich ihn näher an mein Ohr brachte, war es mal eine Art melodisches Kratzen, dann wieder ein Schnarren und Wispern, das schwach wie eine dünne Gegenstimme im Fahrtlärm schwebte und jederzeit davon verschlungen zu werden drohte – augenblicklich schossen mir ein paar Tränen über die Wangen. Alle Widrigkeiten meiner winterlichen Reise verblaßten vor dem, was die Stimme des Zählers mir offenbar mitteilen wollte.“

 
Lutz Seiler (Gera, 8 juni 1963)