Tõnu Õnnepalu, Janusz Glowacki, Julian Tuwim, Nicolaas Beets, Roald Dahl

De Estische dichter, schrijver en vertaler Tõnu Õnnepalu werd geboren op 13 september 1962 in Tallin. Zie ook mijn blog van 13 september 2010 en eveneens alle tags voor Tõnu Õnnepalu op dit blog.

 

 

My soul is ready for the journey

My soul is ready for the journey,
coat drawn close and girdled as was the command.
For the carriage will not wait or stay long
in this station
before the long and difficult ascent
that may finally lead to the fearsome mountain,
onto the strange empty ridge where the Nameless is waiting,
or perhaps to another valley, different from this one.

My soul is ready for the journey
but it does not know the way
for it leads through soul’s own bare territory
and the day journeys are hidden behind the shadows of night.

My soul is ready for the journey
but yet it is afraid to go.
Could it not rest for a while
under the pavilion of your soul?
Does it not belong to the Possible
that it were allowed a moment of oblivion there?
Or is it really your soul that has asked for permission
to sit at the hearth whose fire does not warm me?
And is it not that when one finds rest for a while
and can loosen the girdle,
the other must keep guard and cannot have a share
of the shade and refreshment that it unknowingly offers?

My soul is ready for the journey
but where it is, it is alone,
and still it is night, the Moon lures, but does not show
under what tent’s cloth the shadows seem to move
and whose shadows they are.
Are they the others, the foreign travellers?
And if morning is still far away.

Is this reddish glow
from the campfire of the Nameless
or is the decampment day already hoisting the flag of light
and the pavilion taken down
before I can even see you face to face?
And where I am lying sleeplessly
it is only an image of your body,
for your soul is travelling too and must not stop.

No, my soul is ready for the journey
and already the changing Moon
burns up in the rising glow of the Day.

And you are nowhere but far,
no, you are nowhere but far
and I am far from you.
And far from me travels my soul.

 


 

Tõnu Õnnepalu (Tallin, 13 september 1962)

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In Memoriam Erich Loest

In Memoriam Erich Loest

 

De Duitse schrijver Erich Loest is gisteren op 87-jarige leeftijd in Leipzig gestorven. Erich Loest werd geboren op 24 februari 1926 in Mittweida. Zie ook alle tags voor Erich Loest op dit blog.

 

Uit: Durch die Erde ein Riß

 

“Der Teufel naht meist auf leisen Sohlen. Er dachte darüber nach, wie es denn gekommen war, daß er keine Macht wollte, keine von oben verliehene und von unten nicht kontrollierte Macht. Keine Gesellschaft war denkbar, ohne daß Menschen Macht über andere ausübten warum, fragte er sich, ist das für mich ein Problem und für andere nicht? Wer Macht hatte, war allergisch gegen alle, die nicht ein Häppchen von ihr leihen wollten. Trugen die Mächtigen schlechtes Gefühl mit sich herum, suchten sie deshalb Komplizenschaft und haßten die Machtverweigerer, weil die sich nicht zu Mittätern machen ließen? War es eitel, sich das weiße Hemd der Unschuld überzuziehen seht her, was für ein Engel ich bin, ich mach mir die Hände nicht schmutzig? Teilhabe an der Macht, um Informationsbedürfnis, Neugier zu befriedigen? Die Tragik derer, die in der Mitte zerrieben wurden ein endloses Feld.

Vielleicht verschwand er morgen oder nächste Woche in Einzelhaft, vielleicht steckten sie ihn mit einem Lump zusammen, legten ihn in eine Außenzelle, in der es doppelt so kalt war wie in Innenzellen. Kein Kino für drei Monate. Möglichkeiten gab es die Menge, und er kannte fast alle. Schreiberlaubnis bekam er ohnehin nicht. Oder auch: Es blieb alles beim alten.

Jupp begann tief zu atmen und leise zu schnarchen. 23/59 blickte gegen die Decke mit dem Gitterschatten, der Knastmond würde niemals untergehen. Er versuchte, sich an Wendungen zu erinnern, als er mit der Macht kollidiert war.

Dabei überkam ihn Müdigkeit, er drehte sich auf die Seite und zog die Decke über den Kopf, daß nur ein Spalt zum Atmen blieb. So würde er die Kälte überstehen. Der Schlaf kam schnell und spülte alles Grübeln weg. 23/59 wehrte sich nicht gegen ihn. Denn natürlich ist Schlaf das Beste, was es im Knast überhaupt gibt.”

 

 

 

Erich Loest (24 februari 1926 – 12 september 2013)