Cornelia Schmerle, Wolfgang Koeppen, Urs Jaeggi, Robert C. Hunter, Will Shutt

De Duitse dichteres Cornelia Schmerle werd geboren op 23 juni 1973 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Cornelia Schmerle op dit blog.

 

 

Unter Ulmen

Denn in meinem Arm ist eine. Gerufene;
getragen aus den Türmen der Zwanghaften.

Hier betet ein Traum um seine Richtigkeit.
Hier wird die Ungläubige verschleiert.

Sie wird dem Einäugigen laut angepriesen,
wird ihm gestellt und in die Rahmen gespannt.

Wir essen von kalten Kohlen. Magern.
Im Auge der Bienen sind wir giftig.

Ich bin aus Merkwürdigem geschaffen;
ein Allerlei aus zwittrigen Samen.

Bevor ich Wind bin – Sprache überm Wasser
bin ich verschluckt; eine Stimme nach der nächsten.

 

 

Wurzeln

Die leichten Körper liegen schon
in der Nähe auf einen Karren, den ich zieh.
Ihre schönen Gesichter schlafen, erinnern nicht.
Mein Lid halt ich gerade, die Achse.

Mutter hat den Geruch von Maulwurf;
immer ist Erde noch an ihrem mahnenden Finger.
Diese Gänge sind nicht mein Daheim!
Ihr Aufgeworfenes ist kleinlich.

Ich breche die Schale bis nichts mehr
getrennt ist durch die Ahnung der Witterungen.
Das Stöhnen bleibt, trotzdem ich fauche, den Buckel
setze gegen den Strich einer Hand.

 

 

Cornelia Schmerle (Berlijn, 23 juni 1973)

 

De Duitse schrijver en essayist Wolfgang Arthur Reinhold Koeppen (eig. Köppen) werd geboren op 23 juni 1906 in Greifswald. Zie ook alle tags voor Wolfgang Koeppen op dit blog.

 

Uit: Die Mauer schwankt

 

„Dem Baumeister Johannes von Süde widerfuhr es, daß er die Zeit, die nachher kommen sollte und die das Ende einer alten Zeit war und vielleicht auch, doch dies ließ sich wirklich noch nicht erkennen, die Geburtswehstunde einer neuen ist, daß er diese Zeit im voraus erlebte, in wenigen Tagen, in einem anderen Land, grell und unglaublich und in sinnlos, wie es ihm schien, sich überstürzenden Bildern von der Art der Träume. Der Baumeister war kein Hellseher und hatte nichts von der Gabe des zweiten Gesichts. Er war ein noch junger Herr und von sehr ordentlich nüchterner Gesinnung. So sahen ihn alle, die ihn kannten. Aber es geschah doch, daß er den Umsturz ahnte, und daß ihm, wie jedem Ahnenden, in einer Sekunde, die dann doch hellsichtig war, die Zukunft das Herz erschrak.

Als nach weniger denn einem Jahr die Schüsse von Serajewo fielen, gehörte Johannes von Süde zu den wenigen, die zwar nicht eingeweiht, aber auch nicht überrascht waren.

*

Der August des Jahres neunzehnhundertdreizehn endete strahlend.

Vom Nordkap bis hinunter zur Südspitze Siziliens hing keine Wolke über Europa.

In Deutschland war das Korn gut in die Scheunen gekommen, und auf den Stoppeln der enthalmten Felder weideten schon die Gänse, die zu Sankt Martin sterben sollten.

In weißen Fronten schäumte die Ostsee gegen die pommer- sche Küste.

Aus den Wellen hoben sich die Möwen in den Himmel. Ihre Leiber, von der Sonne getroffen, schwebten wie silberne Schatten im dünnen Wind der hellen Luft.

Ein Wimpel wehte. Pfadfinder zogen in langer Reihe hinter ihm her. Die See näßte ihre Füße. Die großen Südwesterhüte hingen kühn und schräg über den jungen Gesichtern.

 

 

 

Wolfgang Koeppen (23 juni 1906 – 15 maart 1996)

 

 


De Zwitserse schrijver, kunstenaar en socioloog
Urs Jaeggi werd geboren op 23 juni 1931 in Solothurn. Zie ook alle tags voor Urs Jeaggi op dit blog.

 

Uit: Matrix

 

“Im Sommer 1989 war es so weit. Ich wohnte als Gast in einem kleinen Haus am Westabhang von Volterra. Die Sonne brannte den ganzen Tag in den Garten, aber in der Pergola war es kühler, vielleicht nur, weil ich untätig auf die Olivenblume guckte. Ein alter Mann harkte, als ginge es ihm ums Harken und nicht ums Unkraut. Er blickte kaum hoch. Ich betrachtete einen Vogelschwarm, der wohlformiert stadtwärts zog. Es gab keinen bestimmten Grund, hier zu sein, aber es gab Gründe. Später war es mir klarer, obwohl sich das jetzt leicht schreibt. Die Geschichte, die sich mit meinem ersten Aufenthalt in der Stadt verknüpft, ist eigentlich einfach, aber eigentlich nicht zu erzählen. Obwohl es mir, als ich ankam, nicht deutlich war, hatte mich die Sprache verlassen (oder ich sie). Darin, dass mich wenige Monate früher eine Frau verlassen hatte (oder ich sie), sah ich keine Verknüpfung. Ich sehe sie auch heute noch nicht. Die Ähnlichkeit, wenn sie bestand, lag in der Gleichgültigkeit der Trennungen. Jedenfalls sagten meine Freunde, als sie meine Aufzeichnung lasen: erklär! Die Geschichte ist spannend, erzähl!
Anywhere out of the world, sagte ich. Es gab für mich kein Erklären. Ich sagte: den Text lesen, lest den Text.
„Schön”, sagten sie und wieder kamen Fragen um Fragen. „Macht es euch leicht oder schwer”, sagte ich. Etwas anderes zu sagen gab es nicht. Jetzt, zehn Jahre später, ist die Angst, aus etwas eine Geschichte zu machen, die keine Geschichte war, wenn nicht verschwunden, so doch unerheblich, der damals befürchtete Verrat kein Verrat mehr.“

 

 

Urs Jaeggi (Solothurn, 23 juni 1931)

 

 

 

De Amerikaanse dichter, vertaler en tekstschrijver Robert C. Hunter werd geboren op 23 juni 1941 in San Luis Obispo, California. Zie ook alle tags voor Robert C. Hunter op dit blog.

 

 

Scarlet Begonias

 

As I was walkin’ round Grosvenor Square

Not a chill to the winter

but a nip to the air

From the other direction

she was calling my eye

It could be an illusion

but I might as well try

Might as well try.

 

She had rings on her fingers and

bells on her shoes,

And I knew without askin’ she was

into the blues

Scarlet begonias

tucked into her curls

I knew right away

she was not like other girls–

other girls

 

In the thick of the evening

when the dealing got rough

She was too pat to open and

too cool to bluff

As I picked up my matches and

was closing the door

I had one of those flashes:

I’d been there before–

been there before.

 

[Bridge]

I ain’t often right

but I’ve never been wrong

It seldom turns out the way

it does in the song

Once in a while

you get shown the light

in the strangest of places

if you look at it right

 

Well there ain’t nothin’ wrong

with the way she moves

Or scarlet begonias or a

touch of the blues

And there’s nothing wrong with

the love that’s in her eye

I had to learn the hard way

to let her pass by–

let her pass by

 

The wind in the willows played Tea for Two

The sky was yellow and the sun was blue

Strangers stopped strangers

just to shake their hand

Everybody’s playing

in the Heart of Gold Band

Heart of Gold Band

 

 


Robert C. Hunter (San Luis Obispo, 23 juni 1941)

 

 

 

Onafhankelijk van geboortedata

 

De Amerikaanse dichter Will Shutt  werd geboren in 1981 in New York. In  2012 was hij de winnaar van de Yale Series of Younger Poets Award. Shutt bezocht het Oberlin College en behaalde aan Hollins University zijn Master Of Fine Arts (MFA). Hij ontving beurzen van het de James Merrill House en van het Stadler Centrum voor Poëzie.  Zijn gedichten en vertalingen zijn verschenen of zijn aanstaande in Agni, Blackbird, FIELD, Narrative, The New Republic, The Southern Review en andere tijdschriften. Hij woont momenteel met zijn vrouw in Wainscott, New York. In 2013 publiceerde hij Westerly.

Uit: Westerly (Fragment)

 

Even up close it’s hard to tell

whether the white and blue

church tower is defunct or half-finished

or, like every third house

block after prim block, let for summer.

Only an odd patch of moss

flecks the siding, and thin ginger-colored

stains make a noncomittal

braid, like wicker or wings at rest.

From our third-floor window

long scarves of water push

right up against the houses.

They seem to clip the gutter spouts.

If one were Elizabeth Bishop

one might hear it turn into a tidy music.

Tidy and resolved, the way

history says, “Look West, Future-looker,”

and kids worry a blue vein

of hope in their spiral notebooks.

At night after each boat has pulled in

behind the artificial bulwark

moonlight saddles a galvanized tub

of orange marigold and sedum,

and green and burgundy rosettes

creep upward like weird insect antennae

trucking the earth off to Westerly,

Rhode Island, where nirvana is a long time

coming, or untidy, unresolved,

the way stupid hope won’t shut up.

 

 

 

Will Shutt  (New York, 1981)