In Memoriam J. Bernlef

In Memoriam J. Bernlef

Vandaag is in zijn woonplaats Amsterdam,op 75-jarige leeftijd, de schrijver en dichter J. Bernlef (pseudoniem van Hendrik Jan Marsman) overleden. Kort geleden was bij hem een ongeneeslijke ziekte vastgesteld.J. Bernlef werd geboren op 14 januari 1937 in Sint Pancras. Zie ook alle tags voor J. Bernlef op dit blog.

 

In deze doolhof van letters

in deze doolhof van letters
zoek ik naar een gaatje
om u een stukje buitenlucht te tonen
of een kinderhandje dat hoepelt.
ik kan wel schrijven akst mik strlos
en bedoelen dat ik niet te spreken ben
maar men zal toch binnenkomen
ik moet verstaanbaar uw werkelijkheid
ontvreemden als een zakkenroller.

oh ik geniet als ik u wanhopig
naar het oude evenwicht zie grijpen
apodictisch conferencier is de dichter
een mol die ’s nachts uw land openwroet
en ’s morgens staat u veranderd en bevreemd
naar zijn nagelaten werk te staren

het is geen kunst
als stilstaand water diepe gronden te hebben
de dode speelgoedpop met de gebarsten kop te strelen
maar onder de oppervlakte stromend
steeds weer nieuwe huid te voelen
dit gevecht is eindeloos en zonder uitzicht
daarom verlaat de dichter zijn vers als een bedelaar.

J. Bernlef (14 januari 1937 – 29 oktober 2012)

Harald Hartung, Matthias Zschokke, Mohsen Emadi

De Duitse schrijver, dichter en literatuurwetenschapper Harald Hartung werd geboren op 29 oktober 1932 in Heme. Zie ook mijn blog van 29 oktober 2010 en eveneens alle tags voor Harald Hartung op dit blog.

 

Uit: Der Tag vor dem Abend

Gestern abend auf dem Belvedere unter den Sternen

Vor einiger Zeit blätterte ich in Kafkas Tagebüchern, in denen ich lange nicht gelesen hatte, und stieß auf eine Stelle, von der ein eigentümlicher kleiner Glanz ausging. Sie ging mir nach, und als ich sie wieder lesen wollte, entzog sie sich meinem nervösen Suchen. Das steigerte meine Faszination, leider nicht meine Geduld. Die Frage nach Kafkas Sätzen brachte mich auf die Sache zurück. Nun las ich noch einmal von Anfang und kam an vielen wunderbaren Einträgen vorüber; gleich zu Anfang der Befund »Meine Ohrmuschel fühlte sich frisch, rauh, kühl, saftig an wie ein Blatt.« Dann der berühmte Satz, daß Schriftsteller Gestank reden; oder der nicht minder berühmte, wonach ein wahllos hingeschriebener Satz – bei ihm, Kafka – bereits vollkommen sei.

Ich eilte an all dem vorüber – im Vorschein des erinnerten Glanzes. Und natürlich fand ich die Stelle, fand sie auf halber Strecke, unter dem Datum des 13. August 1913: »Gestern abend auf dem Belvedere unter den Sternen.« Das war es also, und ich war fast ein bißchen enttäuscht. Das verheißungsvolle Halbvergessene schien mir plötzlich bloß ein simples Notat. Nun gut, dachte ich, aber dann hast du wenigstens etwas, das nicht nach Kafka klingt. Man sieht, meine Ungeduld war noch immer virulent. Doch etwas hielt mich fest. Etwas wie Treue zu meinem ersten Eindruck.

Ich hatte den Gestus der Stelle unterschätzt. Kafka scheint für diese knappe Notiz frei von aller quälenden und selbstquälerischen Reflexion. Frei für einen zeitlosen Moment, frei für eine Epiphanie, die er gar nicht weiter bezeichnet. Vielleicht weil sie ihm an einem vertrauten Ziel vieler Spaziergänge erscheint, in den Kronprinz-Rudolf- Anlagen, wie sie damals hießen. Das Belvedere, das vielen Prag-Besuchern vertraute Lustschloß auf dem Hradschin, gibt nur den Fixpunkt. Von ihm aus öffnet sich der Raum.

Ganz ohne Deutung, ohne kosmische Idee. Kafka kommt ohne Kants gestirnten Himmel aus. Er sieht sich in der einfachsten, größten Konstellation: »unter den Sternen«. Das kann jeder sagen, und doch ist es hier wie zum ersten Mal gesagt. Und versiegelt dem, der es ausdeuten möchte, die Lippen.

Aus dem Wintersemester 1957/58. Als der Landvermesser K. mit Frieda in der Bierpfütze lag, wollte mein Sofa brennen. Etwas glühende Asche vom gußeisernen Ofen hatte Flämmchen an meiner zerschlissenen Wolldecke aufzüngeln lassen. Ich sprang ins Nebengemach und griff nach der Waschschüssel, in der zum Glück noch Wasser war.”

 

Harald Hartung (Herne, 29 oktober 1932)

Herne, Schloss Strünkede

Doorgaan met het lezen van “Harald Hartung, Matthias Zschokke, Mohsen Emadi”