Salman Rushdie, Sybren Polet, Josef Nesvadba, Osamu Dazai, José Rizal, Friedrich Huch, Gustav Schwab

De Indisch-Britse schrijver en essayist Salman Rushdie werd geboren in Bombay op 19 juni 1947. Zie ook alle tags voor Salman Rushdie op dit blog.

Uit: Mitternachtskinder (Vertaald door Karin Graf)

“Es war einmal ein kleiner Junge, der wurde in der Stadt Bombay geboren … Nein, so geht es nicht, ich kann mich um das Datum nicht herummogeln: Ich wurde am 15. August 1947 in Dr. Narlikars privatem Entbindungsheim geboren. Und die Zeit? Die Zeit spielt auch eine Rolle. Also dann: nachts. Nein, man muss schon genauer sein … Schlag Mitternacht, um die Wahrheit zu sagen. Uhrzeiger neigten sich einander zu, um mein Kommen respektvoll zu begrüßen.

Oh, sprich’s nur aus: Genau in dem Augenblick, in dem In dien die Unabhängigkeit erlangte, purzelte ich in die Welt. Schweres Atmen war zu hören. Und draußen vor dem Fenster Feuerwerk und Menschenmassen. Ein paar Sekunden später brach mein Vater sich den großen Zeh; aber verglichen mit dem, was mich in diesem verhängnisvollen Augenblick befallen hatte, war sein Unfall eine bloße Lappalie, denn dank der verborgenen Willkürherrschaft dieser verbindlich grüßenden Uhren war ich auf geheimnisvolle Weise an die Geschichte gefesselt, war mein Geschick unlösbar mit dem meines Landes verkettet worden. Für die nächsten drei Jahrzehnte sollte es kein Entkommen geben. Wahrsager hatten mich prophezeit, Zeitungen feierten meine Ankunft, Politiker bescheinigten meine Echtheit. Ich hatte in der ganzen Sache nichts zu sagen. Ich, Saleem Sinai, später auch verschiedentlich Rotznase, Fleckengesicht, Kahlkopf, Schnüffl er, Buddha und sogar Scheibe-vom-Mond genannt, war vom Schicksal schwer mit Beschlag belegt worden – selbst unter günstigsten Umständen eine gefährliche Verstrickung. Und ich konnte mir zu der Zeit noch nicht einmal selbst die Nase putzen.

Nun läuft jedoch die Zeit ab (da sie keine weitere Verwendung für mich hat). Ich werde bald einunddreißig Jahre alt. Vielleicht. Wenn mein zerfallender, überbeanspruchter Körper es zulässt. Aber ich kann nicht darauf hoffen, mein Leben zu retten, ich kann nicht einmal damit rechnen, tausendundeine Nacht zu haben. Ich muss schnell arbeiten, schneller als Scheherazade, wenn mein Leben bei meinem Tod einen Sinn – ja, Sinn – gehabt haben soll. Ich gebe es zu: Mehr als alles andere fürchte ich die Sinnlosigkeit.”

Salman Rushdie (Bombay, 19 juni 1947)


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