Marguerite Yourcenar, Ulf Stolterfoht, Gwen Harwood, Gerald Bisinger

De Belgisch-Amerikaanse, Franstalige schrijfster Marguerite Yourcenar werd geboren in Brussel op 8 juni 1903. Zie ook mijn blog van 8 juni 2010 en eveneens alle tags voor Marguerite Yourcenar op dit blog.

 

Uit: Eine Münze in neun Händen (Le Denier du Rêve, vertaald door Rolf en Hedda Soellner)

“Paolo Farina war ein Provinzler, jung noch, wohlsituiert, so anständig, wie man es von einem Mann des Rechts erwarten kann, und in seinem kleinen toskanischen Marktflecken so beliebt, daß selbst sein Unglück ihm keine Verachtung eintrug. Man hatte ihn bedauert, als seine Frau nach Libyen durchgebrannt war, mit einem Liebhaber, von dem sie hoffte, er werde sie glücklich machen. Glücklich war sie kaum gewesen während jener sechs Monate, in denen sie Paolo Farinas Haushalt geführt und sich die bissigen Belehrungen ihrer Schwiegermutter angehört hatte, doch Paolos Liebe war so blind gewesen, so besitzergreifend und ausschließlich, daß er gar nicht auf die Idee gekommen war, die junge Frau könne dieses Leben unerträglich finden. Als Angiola nach einer demütigenden Szene, die sie ihm vor den beiden Dienstmädchen gemacht hatte, das Haus verließ, fragte er sich erstaunt, warum es ihm nicht gelungen war, ihre Liebe zu erringen.

Doch die Urteile seiner Nachbarn beruhigten ihn; er hielt Angiola für schuldig, da die kleine Stadt ihn bemitleidete. Man schrieb die Eskapade der jungen Frau ihrem südlichen Temperament zu, denn es war bekannt, daß sie aus Sizilien stammte; aber man war auch empört darüber, daß jemand, dem aufgrund einer offenbar guten Herkunft das Glück einer Erziehung in der Klosterschule für adelige Mädchen in Florenz und eine wohlwollende Aufnahme in Pietrasanta zuteil geworden war, so tief hatte sinken können. Die allgemeine Ansicht ging dahin, daß Paolo Farina sich als vollendeter Gatte erwiesen habe. Er war vollendeter gewesen, als die kleine Stadt es sich vorstellte, denn er hatte Angiola unter Umständen geheiratet, unter denen ein vorsichtiger Mann gewöhnlich keine Ehe eingeht. Doch diese Erinnerungen waren ihm wider Erwarten kein Anlaß, die Flüchtige schnöder Undankbarkeit zu zeihen, denn sie waren ihm selber kaum noch gegenwärtig.

Er hatte sie nach Kräften aus seinem Gedächtnis getilgt, hauptsächlich aus Güte gegen die junge Frau, und damit sie vergessen sollte, was er ihr Mißgeschick nannte, ein wenig auch aus Güte gegen sich selbst, und weil es unangenehm ist, sich sagen zu müssen, daß einem die Ehefrau sozusagen indirekt, aus zweiter Hand, zugefallen ist.”

 

Marguerite Yourcenar (8 juni 1903 – 17 december 1987)

Portret doorNicole Lavallée

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Udo Kawasser, Levin Westermann, Sina Klein, Michael Basse

Onafhankelijk van geboortedata:

De Oostenrijkse dichter, vertaler, danser en choreograaf Udo Kawasser werd geboren in 1965 in Vorarlberg. Hij woont in Wenen. Kawasser groeide op in Lauterach aan de Bodensee en studeerde Duits, Frans en Spaans filologie in Innsbruck en Wenen. Hij werkt als een hedendaagse danser en choreograaf. Hij publiceerde poëzie, proza ​​en essays in kranten, tijdschriften en bloemlezingen in Oostenrijk, Duitsland, Zwitserland, België, Argentinië, Mexico en Cuba. In 2009 bezocht hij het Vijfde Internationale Poetry Festival in Granada, Nicaragua. Kawasser vertaalde Spaanstalige literatuur in het Duits en werkte in het verleden samen met de Cubaanse auteur Carlos A. Aguilera. Hij vertaalde voor diverse literaire tijdschriften Cubaanse, Chileense en Nicaraguaanse poëzie.

hier und dort (kubanische elegie)

auf dem atemgrund zwischen den
zeilen bist du gefügt in die eigene form

sanft noch in wiederholter aussicht
auf keinen tag längst kam kein licht

strahl mehr über die türschwelle
der morgen stieg über den balkon

in ein anderes zimmer und die fische
schweigen deine augen die nichts

mehr halten wollen italien ein fernes
verbrauchtes land welche wörter

die nicht in vorhersehbare sätze
münden während wir am eingang

lehnen mit verschränkten blicken
vielleicht ein bezahltes flüstern umgeht

im haus das dich auf deinen fleck
im bröckelnden rahmen bannt

Udo Kawasser (Vorarlberg, 1965)

 

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In Memoriam Jorge Semprún

In Memoriam Jorge Semprún

De Spaanse schrijver en ex-politicus Jorge Semprún is gisteren op 87-jarige leeftijd overleden.Semprún overleed in zijn woonplaats Parijs.Jorge Semprún Maura werd geboren in Madrid op 10 december 1923. Zie ook mijn blog van 10 december 2010 en ook mijn blog van 10 december 2008 en eveneensmijn blog van 10 december 2009.

Uit: Die große Reise (Vertaald door Abelle Christaller)

“Vier bis fünf Reihen hinter uns entsteht plötzlich ein Tumult, man hört Schreie.
„Was gibt’s jetzt wieder?“ fragt der Junge aus Semur.
Die eingekeilten Leiber schwanken hin und her.
„Luft, er braucht Luft“, ruft eine Stimme hinter uns.
„Macht Platz, zum Kuckuck, bringt ihn ans Fenster“, ruft eine zweite.
Die eingekeilten Leiber schwanken, öffnen sich, und aus der Schattenmasse stoßen Schattenarme den leblosen Körper eines Greises gegen das Fenster. Der Junge aus Semur auf der einen , ich auf der anderen Seite, halten wir ihn in den Strom kalter Nachtluft, der durch die Öffnung bläst.
„Mein Gott“, sagt der Junge aus Semur, „der tut’s nicht mehr lange.“
Das Gesicht des Greises ist eine verkrampfte Maske mit leeren Augen. Sein Mund starrt schmerzverzerrt.
„Was tun wir jetzt?“ frage ich.
Der Junge aus Semur blickt auf das Gesicht des Alten und antwortet nicht. Plötzlich krampft sich der Körper des Alten zusammen. Seine Augen füllen sich mit Leben und starren in die Nacht vor ihm.
„Stellt euch das vor!“ sagt er mit leiser, aber deutlicher Stimme. Dann bricht sein Blick, und sein Körper fällt uns kraftlos in die Arme.
„He, Alter“, sagt der Junge aus Semur, „noch nicht schlappmachen!“
Aber ich glaube, er hat für immer schlappgemacht.
„Muß was mit dem Herzen sein“, sagt der Junge aus Semur.
Als sei es beruhigend zu wissen, woran der Alte gestorben ist. Denn daß er tot ist, daran gibt es keinen Zweifel. Er hat noch die Augen aufgeschlagen und gesagt: „Stellt euch das vor“, und dann war er tot. In unseren Armen hängt nur noch ein Leichnam vor dem Strom kalter Nachtluft, der durch die Öffnung bläst.
„Er ist tot“, sage ich zu dem Jungen aus Semur.
Er weiß es ebenso gut wie ich, aber er gibt noch nicht auf.
„Muß was mit dem Herzen sein“, wiederholt er.
Ein alter Mann hat es mit dem Herzen, das kommt vor. Wir aber, wir sind zwanzig Jahre alt und haben es nicht mit dem Herzen. Das will er sagen, der Junge aus Semur. Er ordnet den Tod dieses Alten den unvorhergesehenen, aber durchaus logischen Unfällen zu, die bei alten Leuten nun mal vorkommen.“

Jorge Semprún (10 december 1923 – 7 juni 2011)