Liane Dirks, Wolf Biermann (Twee Hamburgers)

De Duitse schrijfster Liane Dirks werd geboren op 15 november 1965 in Hamburg. Zij groeide o.a op in Beieren en Hessen. Voor haar werk ontving zij in 1985 de Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt Düsseldorf, in 1998 de Märkischen Literaturpreis en in  2003 de Preis der LiteraTour Nord.

 

Werk o.a: Die liebe Angst, 1986 – Vier Arten meinen Vater zu beerdigen, 2002 – Narren des Glücks, 2004 – Falsche Himmel, 2006

 

Uit: Und die liebe?frag ich sie (1998)
 

„Nun hab ich schon so viel gefragt, all die langen Nächte. 

Sie ist müde darüber geworden und grau, der Körper sackt zusammen.

An ihren Händen trägt sie noch immer die bunten Ringe und Reifen aus Silber und künstlichem Gold. Ihr Haar ist glatt und gepflegt. Sie hat wie immer Puder aufgelegt.

Auf dem Tisch stehen ein Tee- und ein Cognacglas, mein kleines schwarzes Tonband dazwischen.

Die Vorhänge sind offen, noch ist es hell.

Die Liebe, wiederholt sie.

Ja, sage ich.

Wir werden aufhören danach, nicht wahr?

Ja, sage ich. Bitte! Noch die Liebe. Es wird das letzte sein.

Sie strafft sich, spannt die Muskeln an. Sie stöhnt erneut. 

Gut, sagt sie, es gab sie. Und ich drücke den roten Aufnahmeknopf vom Tonband.

Es gab eine Nacht, ich erzähl sie dir, aber es wird unser letztes Band.

Es gab eine Nacht. Ich habe es noch nie erzählt, und ich mache es nur einmal.

Der Anfang war leicht.

Ich kam durch einen Tunnel und sah sie in der Ferne sitzen. Wie eine junge Frau auf einem Mäuerchen, die Beine übereinandergeschlagen, der linke Fuß wippte. Sie trug einen Plisseerock in den Farben Sand und Grau. Ihr Haar war kinnlang, dick und schwer, neben ihr stand ein Mann, mit dem sie kokettierte. 

Das Licht war klar an jenem Tag, als hätte ich es mitgebracht von meiner Reise, und warme Luft umstrich noch meinen Körper, der mager war, und meine Seele, die wußte, daß etwas begann.

Darf ich euch vorstellen? fragte der Mann.

Sie lächelte, ich habe schon von Ihnen gehört.

Das wunderte mich, denn von mir gab es noch nicht so viel zu hören.

Wir lasen gemeinsam Texte in einer Schule vor.

Sie von einem Arbeitslosen, der sich bei der Stellenvermittlung als Schwein bewarb, ich irgend etwas in meiner Erinnerung eher Pathetisches von einer Frau, die für immer wegfahren wollte. Was ja schon ein Widerspruch in sich ist, »immer« und »weg«, weil man nicht immer weg sein kann, höchstens und bestenfalls immer da. Den Text hab ich später zerrissen. 

Man fragte sie, wie sie so etwas Lustiges schreiben könne, und mich, wieso so etwas Ernstes, wir redeten ein wenig, bekamen Schnittchen und tranken Tee im Lehrerzimmer.

Danach gingen wir noch ein paar Schritte bis zur Bahn zusammen, sie bescheinigte mir Begabung und daß mein Text sie an einen anderen Text erinnere, den sie einmal gelesen habe, von einer Französin, glaube sie, sei er gewesen, so etwas Ähnliches, ein bißchen anders, aber er erinnere sie.

Woran ich arbeite, was ich mache, meine Telefonnummer wollte sie wissen, sie wünschte mir Erfolg, dann stieg sie etwas behäbig in die Linie 9 ein und ich in mein schmales Leben.

Ich wohnte damals hinter einem Durchgangszimmer am Ende eines langen Flures. An meinen Wänden hingen Poster, an eine hatte ich den Druck eines Tafelbildes von Diego Rivera geklebt. Ein Bild voll Geschichte: Hinrichtungen, Folter, Gemetzel, Indianer, Mexikaner, berühmte Persönlichkeiten, Hunde, Kinder und Luftballons. In
der Mitte das Skelett einer Dame, die Calavera Catrina heißt, mit schrillem Hut, weißem Kleid und Klapperschlange um den Hals. Mit ihren Knochenfingern hält sie den Künstler fest, der klein ist wie ein Kind, Ringelsocken trägt und in der Jackentasche Frösche. »Traum eines Sonntagnachmittags im Alameda Park«. Auf meiner Reise durch Mexiko hatte ich sehr lange vor dem Original gesessen. Rivera hatte es in ein teures Hotel gemalt, dessen Foyer war von da an für jedermann offen.“

 

LIANE_DIRKS

Liane Dirks (Hamburg, 15 november 1965)

 

De Duitse zanger, dichter en schrijver Wolf Biermann werd geboren op 15 november 1936 in Hamburg. Zie ook mijn blog van 15 november 2006.

 

Berlin

Berlin, du deutsche deutsche Frau.
Ich bin dein Hochzeitsfreier.
Ach, deine Hände sind so rauh
von Kälte und von Feuer.

Ach, deine Hüften sind so schmal
wie deine breiten Straßen.
Ach, deine Küsse sind so schal,
ich kann dich nimmer lassen.

Ich kann nicht weg mehr von dir gehn.
Im Westen steht die Mauer.
Im Osten meine Freunde stehn,
der Nordwind ist ein rauher.

Berlin, du blonde blonde Frau.
Ich bin dein kühler Freier;
dein Himmel ist so hunde-blau,
darin hängt meine Leier.

 

 

Deutschland – ein Wintermärchen

Kapitel 1

Im deutschen Dezember floß die Spree
Von Ost- nach Westberlin
Da schwamm ich mit der Eisenbahn
Hoch über die Mauer hin

Da schwebte ich leicht übern Drahtverhau
Und über die Bluthunde hin
Das ging mir so seltsam ins Gemüt
Und bitter auch durch den Sinn

Das ging mir so bitter in das Herz
– da unten, die treuen Genossen –
So mancher, der diesen gleichen Weg
Zu Fuß ging, wurde erschossen

Manch einer warf sein junges Fleisch
In Drahtverhau und Minenfeld
Durchlöchert läuft der Eimer aus
Wenn die MP von hinten bellt

Nicht jeder ist so gut gebaut
Wie der Franzose Franz Villon
Der kam in dem bekannten Lied
Mit Rotweinflecken davon

Ich dachte auch kurz an meinen Cousin
Den frechen Heinrich Heine
Der kam von Frankreich über die Grenz
Beim alten Vater Rheine

Ich mußte auch denken, was allerhand
In gut hundert Jahren passiert ist
Daß Deutschland inzwischen glorreich geeint
Und nun schon wieder halbiert ist

Na und? Die ganze Welt hat sich
In Ost und West gespalten
Doch Deutschland hat – wie immer auch –
Die Position gehalten

Die Position als Arsch der Welt
Sehr fett und sehr gewichtig
Die Haare in der Kerbe sind
Aus Stacheldraht, versteht sich

Daß selbst das Loch – ich mein’ Berlin –
In sich gespalten ist
Da haben wir die Biologie
Beschämt durch Menschenwitz

Und wenn den großen Herrn der Welt
Der Magen drückt und kneift
Dann knallt und stinkt es ekelhaft
In Deutschland. Ihr begreift:

Ein jeder Teil der Welt hat so
Sein Teil vom deutschen Steiß
Der größre Teil ist Westdeutschland
Mit gutem Grund, ich weiß.

Die deutschen Exkremente sind
Daß es uns nicht geniert
In Westdeutschland mit deutschem Fleiß
Poliert und parfümiert

Was nie ein Alchemist erreicht
– sie haben es geschafft
Aus deutscher Scheiße haben sie
Sich hartes Gold gemacht

Die DDR, mein Vaterland
Ist sauber immerhin
Die Wiederkehr der Nazizeit
Ist absolut nicht drin

So gründlich haben wir geschrubbt
Mit Stalins hartem Besen
Daß rot verschrammt der Hintern ist
Der vorher braun gewesen.

Biermann

Wolf Biermann (Hamburg, 15 november 1936)